Hochwasser-Streit gärt weiter

Gernsbach (stj) – Erneut hat es in Gernsbach zum Teil hitzige Wortgefechte im Gemeinderat gegeben, als man im Zuge der Haushaltsdiskussion auf Antrag der Grünen über den Hochwasserschutz diskutierte. Während sie und die CDU die Vorgehensweise der Stadt kritisieren, weil zunächst ein Projekt auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal umgesetzt werden soll, und nicht beim deutlich kritischeren Bereich oberhalb der Stadtbrücke, bestätigt das RP diese Reihenfolge als „sinnvoll“.

Am 3. Februar 2020 haben die Anwohner der Schlossstraße noch Glück. Sie wissen aber, dass ihnen dies nicht ewig hold ist, sofern keine Maßnahmen getroffen werden. Foto: Juch

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Am 3. Februar 2020 haben die Anwohner der Schlossstraße noch Glück. Sie wissen aber, dass ihnen dies nicht ewig hold ist, sofern keine Maßnahmen getroffen werden. Foto: Juch

Jahrelang hat die Perle des Murgtals so gut wie nichts in Sachen Hochwasserschutz an der Murg unternommen, bis auf die (pflichtgemäße) Erstellung von entsprechenden Gefahrenkarten. Seit aber Bürgermeister Julian Christ auf Empfehlung der Experten des Büros Wald & Corbe (Hügelsheim) ein erstes konkretes Projekt (die Gewässeraufweitung auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal) angehen will, hagelt es Kritik – von CDU und Grünen sowie von betroffenen Bürgern, die sich in einer Interessengemeinschaft Murghochwasser zusammengetan haben.

Die Grünen forderten nun gar, den Kostenansatz im Haushaltsplan 2020 in Höhe von 390 000 Euro auf das kommende Jahr zu verschieben und ihn dann für den „hoch kritischen Bereich oberhalb der Stadtbrücke“ einzusetzen: „Bekanntermaßen weist diese Maßnahme einen längeren Vorlauf in der Planung auf und ist daher unverzüglich in Angriff zu nehmen“, meinte Fraktionssprecherin Birgit Gerhard-Hentschel. Unterstützung für dieses Vorgehen kam von Stefan Eisenbarth (CDU), der wie die Interessengemeinschaft auf den Hauptgefahrenpunkt Stadtbrücke hinwies. Auf diesen hat die Gewässeraufweitung im künftigen Wörthgarten (Pfleiderer-Areal) aber keinen Einfluss.

Bürgermeister Julian Christ verwies auf die Studie von Wald & Corbe sowie intensive Gespräche mit Landratsamt und Regierungspräsidium (RP), die allesamt bestätigt hätten, dass die Gewässeraufweitung im Wörthgarten sinnvoll und notwendig sei. Außerdem betonte der Schultes, dass die Stadt nicht Herr des Verfahrens entlang des Gewässers erster Ordnung sei, sondern das RP Karlsruhe, das auch die Reihenfolge der Hochwasserschutzprojekte festlege. RP-Pressesprecherin Irene Feilhauer bestätigte das gestern auf BT-Anfrage: „Prinzipiell entscheiden wir über die Reihenfolge, aber natürlich in Absprache mit der Stadt und den Experten.“ Sollte die Stadt weitere, über den Hochwasserschutz hinausgehende Interessen verfolgen, versuche man die zu befrieden – „aber nur wenn es Sinn für den Hochwasserschutz macht“. Das sei beim Wörthgarten der Fall.

RP entscheidet über Projekt-Reihenfolge

Zwar haben die Maßnahmen dort zunächst keine Auswirkungen auf die Hochwasserschutzsituation oberhalb der Stadtbrücke, sehr wohl aber auf weitere Projekte flussaufwärts, zum Beispiel was die Höhe künftiger Hochwasserschutzmauern anbelange, erklärte Feilhauer. Die Studie von Wald & Corbe weist für die Murg in Gernsbach im Bereich Gewässer erster Ordnung (von der Murginsel bis zur Gemarkungsgrenze Gaggenau) insgesamt neun Maßnahmen auf, die sukzessive angegangen werden sollen. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten sei es laut RP sinnvoll, im Wörthgarten anzufangen.

Christ kritisierte im Gemeinderat die Zweifler an der Vorgehensweise und warf ihnen vor, in Wahrheit nur gegen die Entwicklung auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal zu sein. Die Hochwasserstudie sei „von dem anerkannten Expertenbüro in Baden-Württemberg“ erstellt worden, „und Sie meinen, es besser zu wissen“, entgegnete er dem Antrag der Grünen, der lediglich von der CDU Unterstützung fand und mehrheitlich abgelehnt wurde. Die Verwaltung kündigte angesichts zahlreicher Fragen aus dem Gemeinderat zur Machbarkeitsstudie an, diese zu sammeln und sie zusammen mit dem Fachbüro zu beantworten. Gerhard-Hentschel wies unterdessen die Kritik zurück, nur gegen das Pfleiderer-Areal zu schießen: „Uns geht es um die Bevölkerung, nicht um den Wörthgarten. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Die Interessengemeinschaft Murghochwasser sieht das genauso.

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Erstellt:
18. Februar 2020, 18:00 Uhr
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