Hochwasser macht KABS zu schaffen

Au am Rhein (naf) – Die Mitarbeiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) kommen in diesem Jahr nicht zum Durchatmen. Was das Hochwasser für sie bedeutet:

Kein Durchkommen mehr möglich: Wo KABS-Distriktleiter Artur Jöst vor knapp zwei Monaten noch Wasserproben entnehmen konnte, ist aktuell alles überflutet. Foto: Nadine Fissl

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Kein Durchkommen mehr möglich: Wo KABS-Distriktleiter Artur Jöst vor knapp zwei Monaten noch Wasserproben entnehmen konnte, ist aktuell alles überflutet. Foto: Nadine Fissl

Kaum ist eine Hochwasserwelle vorbei, wartet schon die nächste. Die aktuellen großflächigen Überflutungen lassen nicht nur weitere Larven schlüpfen, sie erschweren ihre Bekämpfung auch noch enorm.

„Das Hochwasser vom 10. Juli war kaum abgelaufen, schon folgte ab dem 14. Juli der nächste steile Anstieg des Wasserstandes“, schildert KABS-Pressesprecherin Xenia Augsten die Situation am Rhein. Nun gibt es deutliche Überflutungen, die – gepaart mit den steigenden Temperaturen – perfekte Bedingungen für die Larvenentwicklung der Stechmücken schaffen.

„Seit Anfang Mai sind wir so gut wie jeden Tag hier draußen“, berichtet Artur Jöst. Der Diplom-Biologe ist Distriktleiter der KABS und damit unter anderem für die Brutstätten in Durmersheim, Au am Rhein und Rheinstetten zuständig. Und das seit über 20 Jahren, in denen er eine Situation wie die aktuelle „so intensiv noch nicht erlebt“ hat, betont er. Es habe zwar einige Jahre mit bis zu 13 Hochwasserwellen gegeben, „das waren aber immer Einzelereignisse“. Die Wellen gehen diesmal komplett ineinander über, sodass das Wasser keine Chance hat, wieder abzufließen. „So lange auf so hohem Niveau“ – das bringt auch die KABS an den Rand ihrer Belastungsgrenze.

Außendeichbereich: Eine einzige große Wasserfläche

Der Außendeichbereich, in dem Jösts Team immer wieder auch zu Fuß Wasserflächen mit dem Wirkstoff BTI bearbeitete, ist mittlerweile eine einzige große Wasserfläche – „bestimmt 300 Hektar“, meint Jöst. „Es strömt auch noch immer direkt am Damm.“ Das Problem: Die KABS-Mitarbeiter können so weder Proben entnehmen, um zu überprüfen, wie viele Larven sich in welchem Stadium im Wasser befinden, noch können sie diese bekämpfen. „Das macht definitiv keinen Sinn“, erklärt Jöst. Die vor der letzten Hochwasserwelle ausgemachten Larven seien durch die Wassermassen verdriftet. Die gesamte Fläche per Hubschrauber anzufliegen, ist keine Option – „auch das BTI würde verdriften“, sagt der Biologe. Ihm und seinem Team bleibt nichts anderes übrig, als zu warten, bis der Rhein sich beruhigt hat. „An manchen Flächen kann es dann zu spät sein“, warnt Jöst. Vor allem die hohen Temperaturen der kommenden Tage sorgen dafür, dass die Larven schneller wachsen. Im letzten der fünf Entwicklungsstadien, als Puppe, können sie nichts mehr von dem Wirkstoff aufnehmen – und damit auch nicht bekämpft werden.

Druckwassergebiete im Fokus

Wie viele der Mücken der KABS letztendlich so entwischen werden, sei schwer einzuschätzen, meint Jöst. Zu den ersten Stichen aufgrund der jetzigen Hochwasserwelle werde es erst in rund eineinhalb bis zwei Wochen kommen – doch auch das sei vom Wetter abhängig. Jöst hat allerdings noch Hoffnungen, „dass es doch nicht ganz so dramatisch wird“, schließlich habe man viele der Flächen bereits durch vorherige Hochwasserwellen bekämpfen müssen.

Die KABS konzentriere sich nun vorerst auf Innendeichbereiche und haben in den vergangenen Tagen viele der Druckwassergebiete bearbeitet. 30 bis 40 Hektar hätten Jöst und sein Team dabei bereits behandelt – mit Fokus auf den Gebieten in Ortsnähe. „Vieles von dem, was man im Innendeichbereich bekämpfen kann, haben wir gemacht“, sagt er. Nun gelte es, die Flächen zu kontrollieren und entsprechend einzugreifen, wenn es nötig ist. „Wir sind quasi pausenlos im Einsatz“, fasst Jöst die Situation, die eine „richtige Herausforderung“ ist, zusammen.

Doch auch etwas Gutes kann der Biologe ihr abgewinnen: Die Konzerte der Kröten, die seine Arbeit aktuell begleiten, seien unglaublich. Und nicht nur Amphibien, auch der Wald profitiere von den Wassermassen. „Es gibt auch Gewinner“, sagt Jöst.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nadine Fissl

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Erstellt:
20. Juli 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 46sec

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