Hochwasser verhilft zu Feuerwehrfrau

Elchesheim-Illingen (as) – Hochwassergefahr kennt man in den Rheinanliegergemeinden. Die zugezogene Cristina Damanti aber fürchtete um Haus und Familie – und trat kurzerhand in die Feuerwehr ein.

Kommandant Marco Schöpfle und Neu-Feuerwehrfrau Cristina Damanti. Foto: Anja Groß

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Kommandant Marco Schöpfle und Neu-Feuerwehrfrau Cristina Damanti. Foto: Anja Groß

Hochwasser bringt Marco Schöpfle nicht so schnell aus der Fassung. „Das haben wir als Rheinanliegergemeinde regelmäßig“, sagt der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Elchesheim-Illingen. Die 2020 zugezogene Cristina Damanti allerdings war beunruhigt – zumal sie mit ihrer Familie direkt hinter dem Damm wohnt. Als sie an einem Sonntag Anfang Februar Hochwassertouristen davor warnte, auf dem Damm spazieren zu gehen, und die nur abwinkten, rief sie aufgebracht bei der Feuerwehr an. Die Folge: Schon am selben Abend war sie Feuerwehranwärterin und lief selbst bei den Dammwachen mit.

Selber helfen und etwas tun, auch um Heim und Familie zu schützen, ist dabei ihr Antrieb. Und: „Feuerwehr hat mich schon immer interessiert“, sagt die 35-Jährige. Als an jenem Sonntag im Februar im Telefonat mit dem stellvertretenden Kommandanten Manuel Haubrich dieser Satz fiel, lud der die junge Familie zu einem Spontanbesuch ins Feuerwehrhaus ein. „Wenn uns jemand den kleinen Finger hinstreckt, ergreifen wir gerne die ganze Hand“, sagt Haubrich und lacht.

Der Hintergrund jedoch ist ernst: Die Freiwillige Feuerwehr kann jede helfende Hand gut gebrauchen, denn auch sie kämpft mit dem insgesamt nachlassenden Interesse an ehrenamtlichem Engagement. 21 Aktive hat die Elchesheim-Illinger Wehr aktuell. Das waren schon weniger, aber dieses Jahr sind mit Benjamin Sauter, Markus Zachmann, Helene Neureither, Janine Schöpfle und Ramona Siia fünf weitere Neue dazugestoßen, zudem rückten Alina Gressel und Marius Deck aus der Jugendfeuerwehr nach. Zur Soll-Stärke, die vom Land vorgegeben wird, fehlen nun noch drei, sagt Manuel Haubrich.

Dammwache fordert Personal

Dabei werden allein für eine Dammwache bei Rheinhochwasser drei bis sechs Personen benötigt. „Meistens bilden wir zwei Gruppen, die sich auf der in unserem Bereich rund fünf Kilometer langen Strecke entgegenlaufen, Pegelstände messen und den Damm auf etwaige Löcher überprüfen“, erzählt Kommandant Schöpfle. Angeordnet wird die Dammwache vom Rathaus. Ab einem Pegelstand von 7,50 Meter am Pegel Maxau laut den Notfallplänen alle fünf Stunden, ab acht Metern alle zwei bis drei Stunden – je nach Lage. Routine. Immer wieder ärgerlich sei der verantwortungslose Hochwassertourismus, sagt Haubrich. Vielen sei die Gefahr nicht bewusst, berichtet er von Beschimpfungen und Bedrohungen, wenn man die Spaziergänger anspreche und betont: „Ich finde es nicht toll, wenn ich als Familienvater bei Hochwasser dann Leichtsinnige retten muss, denn das ist auch für uns lebensgefährlich.“

Außergewöhnlicher Einsatz im Juli

Außergewöhnlich verlief in Elchesheim-Illingen dieses Jahr der Einsatz beim Sommer-Hochwasser Mitte Juli. Denn zu allem Übel fiel währenddessen eine Pumpe im Schöpfwerk Illingen aus, das das Hochwasser abpumpt, um den Ort zu schützen. Als das nach einem Nachteinsatz mit 60 Helfern auch aus dem Umland behoben war, verschob sich tags darauf in der Baustelle zur Ertüchtigung des Rheinhochwasserdamms in Illingen die Abdeckung eines Abwasserrohrs. Erneut drohte ein Rückstau in den Ort. Die Reparatur gestaltete sich schwierig und gelang erst im zweiten Anlauf. „Unser Glück war, dass Maschinen und Gerät vor Ort waren und der dort bereits sanierte Damm damit befahren werden konnte“, unterstreicht Haubrich. „Auf dem alten Dammverteidigungsweg wären wir mit schwerem Gerät nicht an die Stelle gekommen“, bestätigt Schöpfle. Nach drei Nachteinsätzen konnten die beiden Kommandanten dann mal wieder ausschlafen.

Außergewöhnlich: Das Sommerhochwasser in Elchesheim-Illingen. Foto: Manuel Haubrich

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Außergewöhnlich: Das Sommerhochwasser in Elchesheim-Illingen. Foto: Manuel Haubrich

Solcherlei Widrigkeiten kennt auch Cristina Damanti schon, die mittlerweile die Grundausbildung abgeschlossen hat und nun die Jugendleiterausbildung anstrebt – eventuell auch die zur Atemschutzträgerin. Bei einem nächtlichen Einsatz „bin ich hier im Schlafanzug eingelaufen“, erzählt sie. „Normal“, winken Haubrich und Schöpfle schmunzelnd ab. Solche Geschichten erzählt man sich dann gerne bei Kameradschaftsabenden – „und tolle Kameraden habe ich hier gefunden“, freut sich Damanti. Die haben sogar ihrem Verlobten dabei geholfen, einen ganz besonderen Heiratsantrag während einer Einsatzübung am Goldkanal vorzubereiten. Feuerwehr kann halt auch romantisch sein...

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
30. Dezember 2021, 12:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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