Höfesterben in Mittelbaden geht weiter

Baden-Baden/Rastatt (tas) – Immer weniger landwirtschaftliche Betriebe arbeiten auf immer größerer Fläche. Dieser Trend ist ungebrochen. Gleichzeitig gibt es aber auch immer mehr Biobauern.

Auf dem Feld unterwegs: Im Landkreis Rastatt spielt der Ackerbau eine wichtige Rolle. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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Auf dem Feld unterwegs: Im Landkreis Rastatt spielt der Ackerbau eine wichtige Rolle. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

In der Corona-Pandemie haben die landwirtschaftlichen Betriebe im Land wieder mehr Wertschätzung erfahren. Vielen Verbrauchern wurde die Bedeutung der regionalen Versorgung mit Lebensmitteln schlagartig ins Bewusstsein gerufen. Der seit Jahren anhaltende Trend, dass immer mehr Landwirte ihre Gummistiefel an den Nagel hängen, bleibt davon aber unberührt.
Das zeigen auch aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg. Denen zufolge reduzierte sich die Zahl der Agrarbetriebe im Landkreis Rastatt zwischen 2016 und 2020 von 471 auf 455. Im Stadtkreis Baden-Baden ging die Zahl von 105 auf 84 zurück. 1999 waren es hier noch 151, im Landkreis Rastatt 711.

Auch die Konzentration schreitet voran. Während vor 20 Jahren ein durchschnittlicher Betrieb im Landkreis noch eine Fläche von knapp 20 Hektar bewirtschaftete, sind es heute schon 32. Das mag auch an der starken Konzentration auf den Ackerbau liegen. Von den rund 14.600 Hektar Fläche im Landkreis Rastatt sind 64 Prozent für den klassischen Ackerbau reserviert. Und hier geht es vor allem um Größe.

Zum Vergleich: Im benachbarten Ortenaukreis werden nicht einmal die Hälfte der Agrarflächen für den Ackerbau verwendet. Dementsprechend sind die Betriebe dort auch wesentlich kleiner. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittlich bewirtschaftete Fläche eines Betriebs bei 17,7 Hektar, 1999 waren es 12,8 Hektar.

Der Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft ist zwar ungebrochen, die Veränderungsgeschwindigkeit hat jedoch abgenommen. Seit der Jahrtausendwende geht der Šchrumpfungsprozess bei den Betriebszahlen langsamer voran, wie ein langfristiger Vergleich zeigt. Laut den Statistikern verringerten sich die jährlichen Abnahmeraten bei den Höfen zunächst auf unter drei Prozent (etwa 1999 bis 2007), dann auf unter zwei Prozent (von 2007 bis 2016). Für den Zeitraum zwischen 2016 und 2020 ergibt sich rechnerisch sogar eine jährliche Abnahmerate von weniger als einem Prozent. Das Prinzip des „Wachsens oder Weichens“ habe sich damit weitgehend überlebt, argumentiert Landesamts-Statistiker Reiner Seitz.

Ehrgeizige Ziele im Südwesten


Hinzu kommt eine Hinwendung zu einer nachhaltigeren Nahrungsmittelproduktion. Insgesamt haben im vergangenen Jahr annähernd 4.500 landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg vollständig oder teilweise nach den Vorgaben der Öko-Verordnung gewirtschaftet und zählen damit zu den Öko-Betrieben. Sie arbeiten auf 12,4 Prozent der heimischen Agrarflächen, im Jahr 2010 lag der Anteil noch bei sieben Prozent.

Im bundesweiten Vergleich gibt es in diesem Bereich ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Mehr als die Hälfte aller Ökobetriebe ist in Bayern (38 Prozent) und Baden-Württemberg (17 Prozent) angesiedelt. Bezogen auf die bewirtschafteten Flächen haben jedoch andere Bundesländer die Nase vorn. Die höchsten Flächenanteile für den Ökolandbau – ohne Stadtstaaten – befinden sich im Saarland (18 Prozent), in Hessen (15 Prozent) und Brandenburg (13 Prozent).

Trotz der im Südwesten steigenden Zahl von Biohöfen, wird die derzeitige Entwicklung nicht ausreichen, um die ehrgeizigen Ziele der Landesregierung zu erfüllen. Laut dem Bio-Aktionsplan soll der Flächenanteil der Ökolandwirtschaft im Jahr 2030 zwischen 30 und 40 Prozent liegen. Bleibt es allerdings beim bisherigen Wachstumspfad, dürfte der Anteil bei etwa 22 Prozent liegen, haben die Statistiker errechnet.

Um den Trend zu mehr ökologischer Landwirtschaft zu beschleunigen, hatte die Landesregierung in den vergangenen Jahren Bio-Musterregionen im Südwesten ausgerufen und stellt dabei Fördergelder bereit. Ende 2020 hatte auch der Raum Mittelbaden (Bioregion Mittelbaden+) den Zuschlag erhalten.


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