Höhere Dämme für die Murg – aber weniger Bäume

Gaggenau (vgk/tom) – Der Gemeinderat billigt eine Machbarkeitsstudie für den Hochwasserschutz entlang der Murg.

Die Idylle zwischen Schillerbrücke und Flürscheimsteg soll bald der Vergangenheit angehören. Foto: Thomas Senger

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Die Idylle zwischen Schillerbrücke und Flürscheimsteg soll bald der Vergangenheit angehören. Foto: Thomas Senger

Die für Gaggenau vorliegende Hochwassergefahrenkarte offenbart für die Stadt entlang der Murg eine erhebliche Hochwassergefährdung. Ereignisse der Vergangenheit bestätigen diese Erkenntnis, argumentiert die Stadtverwaltung. Am Montag wurde dem Gemeinderat eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Das Ingenieurbüro Wald und Corbe listet darin Schwachstellen auf und zeigt Lösungsansätze.

Der Gemeinderat nahm die vorgelegte Machbarkeitsstudie einstimmig zur Kenntnis. Gleichzeitig beauftragte er die Verwaltung, gemeinsam mit dem Land die Planungen und Umsetzungen der vorgestellten Maßnahmen zu betreiben. Die Gesamtkosten der Studie liegen bei brutto 95.000 Euro. Auch die Bauwirtschaft darf sich über satte Aufträge freuen: Die errechneten Gesamtkosten liegen – derzeit – bei 6,32 Millionen Euro. Davon übernimmt das Land 70 Prozent. Für die Stadt bleiben 30 Prozent, also rund 1,9 Millionen.

Gebiete links der Murg im Blick

Zur Umsetzung des Hochwasserschutzes hatte die Stadt 2014 mit dem Regierungspräsidium einen Vertrag geschlossen. Dieser regelte unter Federführung der Stadt die 2017 bereits fertiggestellten Hochwasserschutzmaßnahmen im Bereich Daimler AG und Innenstadt. Die Innenstadt und Bad Rotenfels rechts der Murg sind seither vor 100-jährlichen Murg-Hochwassern geschützt.

Der 2018 geschlossene Anschlussvertrag hat nun zum Ziel, die Hochwassergefährdung auf der linken Murgseite von der Schillerbrücke bis zum Pegel Bad Rotenfels weiter zu reduzieren. Dieser bildet die Grundlagen für das vorgestellte Konzept, aufbauend auf ein 100-jähriges Hochwasserereignis (HQ 100) und darüber hinausreichend für den Fall, dass durch den Klimawandel noch größere Hochwässer zu bewältigen sein könnten.

Dieser rechnerisch ermittelte Wert wird mit „HQ 100 Lastfall Klima (LFK)“ angegeben. Diese theoretische Größe macht höhere Dämme notwendig – und verursacht somit deutlich höhere Kosten. Im vorliegenden Fall belaufen sich die errechneten Kosten für die Gesamtlänge von der Schillerbrücke bis kurz vor die Schmelzerbrücke bei einem Ausbau für HQ 100 auf 5,7 Millionen Euro und bei einem Aufbau auf HQ 100 LFK auf 10 Millionen Euro. So oder so würden diese Kosten in ihrer Gesamtheit die Leistungsfähigkeit von Städten und Gemeinden überfordern. Deshalb kann das Land 70 Prozent der Kosten übernehmen – wenn der errechnete Gesamt-Nutzenfaktor größer als 1,0 ist. Für die vorgestellten Maßnahmen in Gaggenau liegt dieser Wert bei 1,04.

Wegen der Siedlungsbereiche und auch wegen des Industriegebiets Gaggenau West sei das Vorhaben wichtig, unterstrich OB Florus in der Sitzung. Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat heraus betonte Bürgermeister Michael Pfeiffer, dass so schnell wie möglich in die Planungen einzusteigen sei. Das RP erwartet die Bewilligung der Haushaltsmittel im März. Doch werde man „sicher nicht alles in einem Aufwasch“ erledigen, sagte Pfeiffer.

Drei Abschnitte sind geplant

In drei Abschnitten geht es laut Studie zu mehr Hochwasserschutz:

Abschnitt 1:

Teil 1 a von Schillerbrücke bis Flürscheimsteg: Ausbau auf HQ 100, Dammerhöhung um zehn bis 40 Zentimeter. Zum Abfangen der landseitigen Böschung dient eine zusätzliche Stützmauer. Länge: rund 180 Meter, Kosten: 650.000 Euro.

Teil 1 b von Flürscheimsteg bis Konrad-Adenauer-Brücke, Ausbau auf HQ 100 Lastfall Klima (LFK) mit Erhöhung um 30 Zentimeter und Einbringen einer Spundwand. 140 Meter, Kosten: knapp 1,4 Millionen Euro.

Auch zwischen Flürscheimsteg und Adenauer-Brücke stehen die Bäume der Dammerhöhung im Weg. Foto: Thomas Senger

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Auch zwischen Flürscheimsteg und Adenauer-Brücke stehen die Bäume der Dammerhöhung im Weg. Foto: Thomas Senger

Abschnitt 2:

Teil 2 a entlang Rindeschwenderstraße. Keine zusätzlichen Bauten, lediglich Entfernung der Gehölze und Ertüchtigung der Ufermauer.

Teil 2 b (Privathäuser vor Glasersteg): Dammerhöhung wegen Bebauung nicht möglich. Deshalb Spundwand mit aufgesetztem Betonholm für HQ100 LFK auf rund 190 Meter. Kosten: 900.000 Euro

Abschnitt 3: Hier geht es um den Teil 3a – Murgtalstraße in Bad Rotenfels – rechtsseitig südlich und nördlich des Badstegs. Teil 3 a auf der linken Murgseite (Traischbachmündung) soll mit dem vierspurigen Ausbau der B 462 erfolgen.

Südlich des Badestegs werden eine Hochwasserschutzmauer sowie eine Geländemodellierung angestrebt; nördlich des Badstegs eine Spundwand im wasserseitigen Vorland. Die ortsbildprägenden Platanen sollen erhalten bleiben. Kosten für HQ 100 LFK: 3,4 Millionen Euro.

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Erstellt:
24. Februar 2021, 06:00 Uhr
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