Hörden: „Ochsen“ vor dem Einsturz?

Gaggenau (tom) –Die Stadtverwaltung sperrt die Ortsdurchfahrt vor dem einstigen Gasthaus „Ochsen“.

„Akute Einsturzgefahr“: Der Umbau des einst legendären Fastnachtstempels ist schon vor Monaten ins Stocken geraten. Nun ist die Straße davor gesperrt. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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„Akute Einsturzgefahr“: Der Umbau des einst legendären Fastnachtstempels ist schon vor Monaten ins Stocken geraten. Nun ist die Straße davor gesperrt. Foto: Veronika Gareus-Kugel

„Zu viele und zu schnelle Autos in der Ortsdurchfahrt!“, klagt man in Hörden. Deshalb wurden vor wenigen Tagen an der Hördener Landstraße weitere Tempo-30-Schilder aufgestellt. Diese wird man wohl bis mindestens Mitte Mai nicht brauchen. Denn die Straße wurde jetzt in der Ortsmitte gesperrt. Das hat aber nichts mit zu viel Verkehr zu tun, sondern mit „akuter Einsturzgefahr“: Das ehemalige Gasthaus „Ochsen“ ist zur Gefahrenstelle geworden.

Was für ein Niedergang. Der einstige Fastnachtstempel des Murgtals, die Heimstatt der Hördener Vereine, der Hort gutbürgerlicher Gastlichkeit, er droht in sich zusammenzufallen. So zumindest muss man die eilige Mitteilung deuten, die das Gaggenauer Rathaus am Freitag um die Mittagszeit herausgegeben hat.

Was könnten die Gründe sein? Der Umbau des teilweise denkmalgeschützten Gebäudes in ein Haus mit zehn bis zwölf Wohnungen war schon vor Monaten ins Stocken geraten. Nach BT-Informationen ist der Ochsen entkernt worden. Möglicherweise, so mutmaßt man in Hörden, könnte hier eine Ursache für die statischen Probleme liegen. Der Investor wiederum wollte auf BT-Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Aber aus seiner Sicht gibt es „derzeit keinen Hinweis auf etwas, das uns Sorgen macht“.

Stadt sieht „konkrete Gefahr“

Die Stadtverwaltung sieht das offensichtlich völlig anders. Es bestehe „akute Einsturzgefahr“ für das leer stehende Gebäude, deshalb sei „ab sofort“ eine Vollsperrung der Ortsdurchfahrt notwendig, denn: „Die konkrete Gefahr, dass die Konstruktion des Gebäudes nachgibt, kann nicht ausgeschlossen werden.“ Wie lange die Sperrung dauern werde, sei ungewiss: „Eine Behebung der Missstände durch den Eigentümer kann nach aktuellem Stand erst frühestens Mitte Mai erfolgen.“

Auf Nachfrage gibt man sich im Rathaus zugeknöpft. Maximilian Krebs ist seit kurzem Leiter des neuen Amts „Stadtplanung und Baurecht“. Er erklärt lediglich, dass das Gebäude „in einem schlechten Zustand“ sei und verweist auf die Aussage eines beauftragten Statikers, der eine „Standsicherheitsproblematik“ betont habe: „Nach Einschätzung des Statikers hat sich die Gefahrenlage noch mal verschärft.“ Somit sei Gefahrenabwehr höher zu bewerten als die Unannehmlichkeiten für die Verkehrsteilnehmer.

„Akute Einsturzgefahr.“ Was wohl der mittlerweile verstorbene Horst Anselm dazu sagen würde, der jahrzehntelang mit seiner Frau Christa die Gasthauslegende „Ochsen“ geführt hatte? 2018 hatten sie die Immobilie verkauft. Gesundheitliche Gründe machten es den beiden unmöglich, den beliebten Treffpunkt für die Hördener weiter zu betreiben. Bereits die Fastnacht 2016 musste ohne die Hochburg des Schnurrens auskommen. Auch am Fastnachtsumzug war das Gasthaus seither geschlossen.

Der Kaufpreis habe „weniger als eine halbe Million Euro betragen“, erläuterte Investor Arne Schlechter damals. Die Investitionssumme dürfte deutlich höher sein. Nicht zuletzt, weil Denkmalschutz zu berücksichtigen ist.

Wo einst die Deckenbalken sich tatsächlich im Rhythmus bogen, wenn oben im Tanzsaal das Partyvolk zu „La Bostella“ ausflippte, war die Statik schon seit Jahrzehnten ein Thema. Es war immer gut gegangen, auch wenn oben 200 Leute und unten sicher noch mal so viele sich beim Schnurren aneinanderdrängten.

Zwischenzeitlich brachen Fenster ein, flogen die Tauben ein und aus, berichten Anwohner. „Seit mehreren Monaten wird dort nicht mehr geschafft“, sagen sie. „Vor ein paar Wochen wurde die Baustelle mal sauber gemacht“ – wohl, weil eine Begehung angekündigt war, wird berichtet.

Ortsvorsteherin Barbara Bender zeigte sich ebenfalls überrascht von der neuen Entwicklung. Sie sei am Vormittag von Bürgermeister Michael Pfeiffer informiert worden, sagte sie im BT-Gespräch. Wie es nun weitergehen soll? Da kann auch Barbara Bender nur mit den Schultern zucken. Immerhin habe sie aus dem Rathaus erfahren: „Nächste Woche werden erste Sicherungsmaßnahmen erfolgen.“

Hördener Landstraße: Normalerweise eine stark befahrene Strecke. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Hördener Landstraße: Normalerweise eine stark befahrene Strecke. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Umleitung mit Hindernissen

Erst vor kurzem wurden in der Landstraße von Hörden weitere Tempo-30-Schilder aufgestellt. Damit verlängert sich die bestehende Zone von der Flößerhalle bis zum Bahnübergang der Gernsbacher Baccaratstraße.

Doch derzeit ist die Straße beim „Ochsen“ gesperrt. Während der überörtliche Verkehr die B462 nutzen kann, müssen Anlieger mit Behinderungen rechnen. Durch die in der Alemannen- und Hördenerstraße angelegten Parkflächen wird der Verkehr erheblich ausgebremst.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
22. April 2022, 19:30 Uhr
Lesedauer:
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