„Hoffe, dass Hilfsbereitschaft Bestand haben wird“

Bühl (urs) – Stefanie Stedry und Frank Söffing sind von der schnellen Sorte: Schon zu Beginn der Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Corona-Pandemie haben die beiden die Plattform „Corona Nachbarschaftshilfe Bühl“ ins Leben gerufen. Im Interview mit BT-Mitarbeiterin Ursula Klöpfer resümiert Stedry das Angebot.

Stefanie Stedry ist einer der Initiatoren der „Corona Nachbarschaftshilfe Bühl“.  Foto: Klöpfer

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Stefanie Stedry ist einer der Initiatoren der „Corona Nachbarschaftshilfe Bühl“. Foto: Klöpfer

Am 22. März ist sie online gegangen: die „Corona Nachbarschaftshilfe Bühl“. Ins Leben gerufen haben sie Stefanie Stedry und Frank Söffing, beide wohnhaft in Vimbuch. Wie hat sich die Facebook-Gruppe inzwischen entwickelt? Das berichtet die Gründerin und Vimbucher Ortschaftsrätin Stefanie Stedry im Gespräch mit BT-Mitarbeiterin Ursula Klöpfer.

Interview

BT: Frau Stedry, im März war noch völlig unklar, wohin die Reise geht. Was hat Sie und Frank Söffing in dieser Zeit bewogen, die Gruppe zu gründen?

Stefanie Stedry: Am Anfang war die Situation unübersichtlich. Zu wissen, dass einige Menschen alleine leben, keine Ansprache und Hilfe haben, war ausschlaggebend dafür, eine Hilfeplattform zu gründen.

BT: Nicht alle Menschen haben Internet. Wie können diese Personen Hilfe finden?

Stedry: Die Idee ist, dass die Helfer in der Gruppe quasi als Multiplikatoren fungieren und die Infos an Verwandte, Bekannte und Nachbarn weitergeben. Anfangs hatten wir auch Flyer in Arztpraxen und Apotheken aufgehängt. Um Helfer und Hilfesuchende besser zusammenzubringen, haben wir schließlich auch eine Telefonhotline von Montag bis Samstag von 9 bis 13 Uhr eingerichtet. Unter der Nummer (07223) 8083747 werden Gesuche und Angebote angenommen.

BT: Wie wird der Telefondienst organisiert? Haben sich genügend Ehrenamtliche gefunden?

Stedry: Wir haben eine hoch motivierte Telefongruppe von 22 Mitgliedern, die sich alle zwei Wochen abwechseln oder bei Bedarf einspringen.

BT: Welche Hilfen wurden am häufigsten gesucht und welche angeboten?

Stedry: Angeboten wurden bisher Botengänge (Einkaufen, Apotheke und so weiter), Gassi gehen mit den Hunden, Seelsorge oder Nachhilfe bei Schulproblemen. Die Gesuche waren vielfältiger.

BT: Gab es in diesen vergangenen Wochen ein Erlebnis, das Sie besonders berührt hat?

Stedry: Das war auf jeden Fall das steirische Geburtstagsständchen für den 85-jährigen Bewohner eines Pflegeheimes. Das war so eine positive Geschichte. Frank Söffing, ebenfalls Gründungsmitglied in der Gruppe, hat es auf Facebook so ausgedrückt: „Ich freut mich riesig, dass das geklappt hat. Allein dafür hat es sich schon gelohnt, die Gruppe ins Leben zu rufen.“

BT: Wo sehen Sie Grenzen in der Nachbarschaftshilfe?

Stedry: Der Seniorenrat Bühl hatte sich angeboten zu helfen, zum Beispiel mit Gesprächen. Doch hier ist die Vermittlung sehr schwer. Obwohl ich davon ausgehe, dass bei einigen alleinlebenden Senioren durchaus ein Bedarf an sozialen Kontakten herrschen würde. Vielleicht ist dies jetzt für Hilfesuchende noch einmal ein Anstoß, sich bei uns zu melden.

BT: Wie lange wird es die Gruppe noch geben?

Stedry: So lange die Notwendigkeit besteht, ist die Gruppe am Start. Ich hoffe und wünsche mir, dass die derzeitige Hilfsbereitschaft der Menschen auch in der Zukunft Bestand haben wird.

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Erstellt:
7. Mai 2020, 22:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 19sec

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