Inzidenz in Baden-Baden bei 99,7

Baden-Baden (fk) – Der Sieben-Tages-Inzidenzwert im Stadtkreis Baden-Baden steigt weiter, auf 99,7. Aber woran liegt das? Wir machen eine Rechnung auf.

Blick in die Baden-Badener Innenstadt: Noch vor ein paar Tagen hatte der Stadtkreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von 43,5. Am Dienstag lag die Inzidenz bei 99,7. Foto: Konstantin Stoll/BT

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Blick in die Baden-Badener Innenstadt: Noch vor ein paar Tagen hatte der Stadtkreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von 43,5. Am Dienstag lag die Inzidenz bei 99,7. Foto: Konstantin Stoll/BT

Tief saß am Dienstagabend der Schock allerorten in Baden-Baden. Das Landesgesundheitsamt vermeldete für den Stadtkreis einen Inzidenzwert von 99,7. Weitere Öffnungsschritte sind damit dahin und es droht sogar die erneute Bundesnotbremse. Doch woran liegt das? Das BT hat zusammen mit dem Rastatter Landratsamt nachgerechnet.
Beruft man sich auf die Zahlen des Landesgesundheitsamtes, gab es in den vergangenen sieben Tagen 55 Neuinfektionen im Stadtkreis – auf 100.000 Einwohner gerechnet ergibt das die genannte Sieben-Tage-Inzidenz. Aber die Rechnung birgt auch einen Lichtblick. Denn, der erste Zeitraum innerhalb der rechnerisch relevanten sieben Tage – vom 25. auf den 26. Mai – verzeichnete 18 Neuinfektionen und somit sehr viele. Gibt es am Mittwoch im Stadtkreis Baden-Baden weniger als 18 Neuinfektionen, sinkt der Inzidenzwert wieder.

Zeichen für sinkende Werte stehen gut

Hinzu kommt, dass das Landesgesundheitsamt in seinen Zahlen etwas hinterherhinkt. Und da das Rastatter Gesundheitsamt für den Stadtkreis am Dienstag nur zwei neue Fälle vermeldete, stehen die Chancen mehr als gut, dass der Inzidenzwert im Stadtkreis am Mittwoch wieder (deutlich) sinkt.

Wenn nicht, droht die Bundesnotbremse. Mit allen aus der Zeit des harten Lockdowns bekannten Einschränkungen. Sie greift, wenn die Inzidenz drei Tage über 100 liegt. Gastronomen und Ladenbesitzer müssten dann wieder weitgehend schließen.

Fakt bleibt indes, dass der Stadtkreis Baden-Baden in Relation zum Landkreis Rastatt – dessen Inzidenz lag am Dienstag bei 62,7, was ebenfalls einen deutlichen Anstieg bedeutet – deutlich höher liegt. Woher kommen diese Fälle im Stadtkreis?

Das Rastatter Gesundheitsamt nennt Treffen im privaten und familiären Raum als Auslöser sowie Häufungen von Neuinfektionen in Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge. Baden-Badens Stadtpressesprecher Roland Seiter relativiert das aber gegenüber dem BT auf Nachfrage. „Fälle in Unterkünften gab es zuletzt nur vier Stück.“ Sie könnten also nicht für den in Relation zu anderen Kreisen starken Anstieg verantwortlich gemacht werden. Allerdings betont auch das Landratsamt, dass sich Infektionsherde wegen der vermehrten Öffnungsschritte und der damit verbundenen Zunahme an Personenkontakten nur noch sehr schwer eruieren lassen und die Kontaktpersonenermittler vor große Herausforderungen stellt. Kindertageseinrichtungen, Schulen oder Arbeitgeber sind laut Landratsamt derzeit nicht für den Anstieg der Fallzahlen in Baden-Baden maßgeblich verantwortlich – „und auch nicht die Gastroöffnung“, ergänzt Seiter.

Viele Neuinfektionen in Ortsteilen

Räumlich verteilen sich die Neuinfektionen im Stadtkreis Baden-Baden aktuell vermehrt auf die Ortsteile – etwa 70 Prozent der Neuinfektionen –, während in der Kernstadt nur rund 30 Prozent an Neuinfektionen zu verzeichnen sind. Am stärksten betroffen ist demnach der Stadtteil Oos, der rund 60 Prozent der Neuinfektionen ausmacht. Der Altersschwerpunkt bei den Neuinfektionen sowie bei allen aktiven Fällen im Stadtkreis Baden-Baden liegt bei den 22- bis 35-Jährigen, gefolgt von der Gruppe der 51- bis 65-Jährigen.

Landkreis Rastatt schafft Öffnungsstufe 2

Fakt ist aber auch, dass Baden-Baden den im Stufenplan des Landes angedachten Öffnungsschritt mit Erleichterungen für Kulturveranstaltungen und die Gastronomie bis auf Weiteres verpasst. Das bestätigte auch das zuständige Gesundheitsamt. Damit dürfen auch die Thermalbäder in Baden-Baden nicht, wie angedacht, am 3. Juni öffnen. Dafür sind die Inzidenzwerte zu hoch.

Denn für den zweiten Öffnungsschritt nach dem Landesstufenplan gilt, wie berichtet: Die Inzidenz muss in den 14 Tagen nach dem ersten Öffnungsschritt eine weiterhin sinkende Tendenz haben. Heißt: Der Durchschnitt der Inzidenzwerte der besagten 14 zurückliegenden Tage muss unter dem Wert liegen, bei dem die Bundesnotbremse auslief. In Baden-Baden war das laut dem Rastatter Gesundheitsamt ein Inzidenzwert von 67, im Landkreis Rastatt von 80,4. Allein in den zurückliegenden zwölf Tagen weist der Stadtkreis aber eine Inzidenz von knapp 72 auf.

Im Landkreis Rastatt sieht es hingegen anders aus. Dort kann der zweite Öffnungsschritt aller Voraussicht nach am Freitag in Kraft treten, bestätigte das Gesundheitsamt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Florian Krekel

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Erstellt:
1. Juni 2021, 15:30 Uhr
Aktualisiert:
1. Juni 2021, 19:48 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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