„Hohe See“ steht Gewehr bei Fuß

Baden-Baden (fvo) – Das Museum LA8 arbeitet derzeit an einem digitalem Rundgang, der bald online präsentiert werden soll. Die aktuelle Ausstellung wurde bereits aufgebaut.

Wal im Anmarsch: Mitarbeiter bringen Teile des historischen Skeletts ins Museum. Foto: LA8

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Wal im Anmarsch: Mitarbeiter bringen Teile des historischen Skeletts ins Museum. Foto: LA8

Der Wal hat sich schon mal breit gemacht in seiner ganzen majestätischen Länge und bei Kristina Helena Pavicevic ist die vorfreudige Ungeduld förmlich zu greifen. „Die Ausstellung ist fertig aufgebaut, wir stehen in den Startlöchern und warten eigentlich nur, dass die Museen wieder öffnen dürfen“, sagt die Pressesprecherin des Museums LA8.

Wann immer das sein wird, sie kann jedenfalls schon versprechen, dass das Ganze passend zum stürmischen Titel („Schön und gefährlich – die hohe See im 19. Jahrhundert“) „unglaublich spannend“ wird. Bisher allerdings hat allenfalls die wöchentliche Putzkolonne einen Blick darauf erhaschen dürfen.

Man arbeite jedenfalls „mit Hochdruck daran, einen digitalen Rundgang herzustellen“, den man bald online präsentieren kann. Ebenso wäre dann die Vorgängerschau „Baden in Schönheit“ zu sehen, für alle jene, die coronabedingt nicht die Möglichkeit für einen Live-Rundgang hatten.

Neue Website für mehr Informationen

Das zusätzliche digitale Angebot lebt vor allem davon, dass es je nach Interessenslage inhaltlich mehr Infos gibt. „Wir haben eine neue Webseite geschaffen, die genau das ermöglicht“, erklärt Pavicevic. Hinzu kommen weitere Info-Appetizer auf dem Facebook-Account, mit dem Ziel, einen Vorgeschmack auf die Ausstellung zu bieten, so Pavicevic.

Bedenken, dass das virtuelle Museum dem realen LA8 Konkurrenz machen könnte, hat sie nicht. „Das ist nur ein ergänzendes Angebot“, so Pavicevic, kein Vergleich jedenfalls zur Option, die Exponate live und im Gesamtkontext zu erleben. Was schon sehr beeindruckend sei und sinnlich eine ganz andere Qualität.

Das dürfte vor allem für jenes historische Walskelett aus dem 19. Jahrhundert gelten, mit 7,80 Metern Länge sicher eine der Hauptattraktionen der Ausstellung. Die gewaltigen Dimensionen des Strandfunds seien „bildhaft nicht zu vermitteln“, skizziert Pavicevic die Leihgabe des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, mit dem man ebenso eine Kooperation hat wie mit dem Schifffahrtsmuseum Rostock. Dessen Beitrag ist ein Beispielmodell der „Titanic“ im Maßstab 1:100 – was einer Länge von 2,70 Metern entspricht.„Es geht einfach darum, dass man sich ein bisschen in der Ausstellung umtun kann“, betont Pavicevic. Und das digitale Angebot kommt durchaus an, wie etwa Rückmeldungen bei Google Analytics zeigen. „Dieses zweigleisige Konzept müssen wir vorerst ohnehin weiterfahren“, betont die Sprecherin.

Interaktives Angebot für Groß und Klein

Weitergefahren wird auch das interaktive Angebot für Kinder und Familien, das sich in Ermangelung von Workshops oder Familienführungen anbietet, die derzeit nicht möglich sind. Dazu gehören etwa jene „Ferientüten“, Material für die Familie, das man kontaktlos im Hof abholen kann, um dann zuhause mit kleinen, selbst produzierten Tutorials praktische Umsetzungshilfe zu bekommen. In den Osterferien gab es etwa Bastelbögen für Schatztruhen und Expeditionsbeutel für angehende kleine Abenteuerpiraten – thematisch stets angelehnt an die jeweilige Ausstellung. „Wir versuchen damit, ein bisschen den Ausfall zu kompensieren.“ Das Angebot, das in den Pfingstferien wiederholt wird und das es in ähnlicher Form bereits im Advent bei „Baden in Schönheit“ gab, ist kostenfrei und soll Spaß und Lust auf die Ausstellung machen.

Fakt ist jedenfalls: Langeweile plagt die Mitarbeiter auch in der Pandemie nicht wirklich. „Man arbeitet eigentlich eher eine Stunde mehr als weniger“, erklärt Pavicevic und verweist allein auf den Marketingbereich.

Walskelett bleibt bis Jahresende

Mal sind ganze Arbeitsgänge ob der Terminverschiebung für die Katz, mal muss man zweigleisig fahren, wenn Termine nicht exakt feststehen, oder Schritte gar mehrfach machen – und sei es nur, dass bei der Plakatierung Banner-Varianten mit der vagen Terminangabe „demnächst“ mitgedruckt werden müssen. Ein echter Mehraufwand, der die Sache „viel schwieriger“ macht.

Eine Prognose, wann die ursprünglich für 3. April vorgesehene Ausstellungseröffnung sein könnte, mag Pavicevic nicht wagen. Wobei der Ausstellungsbeginn immer zugleich der Startschuss für die Vorbereitung des nächsten Projekts ist, da allein schon viele Leihgaben oft eine längere Vorlaufzeit erfordern. Erste Konsequenz aus der terminlichen Unwägbarkeit ist jedenfalls, dass die „Hohe See“ nicht nach gewohntem Halbjahres-Rhythmus im September ihre Pforten schließt, sondern auf jeden Fall bis Ende des Jahres zu sehen sein wird. Der Wal kann es sich also schonmal gemütlich machen.

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Erstellt:
10. Mai 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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