Holz auf Gaggenauer Grünschnittplätzen

Gaggenau (tom) – Auf den städtischen Grünschnittplätzen lagert so einiges an durchaus brennbarem gutem Holz. Doch einfach so „versägen“ ist nicht drin.

Auf dem Grünschnittplatz Bad Rotenfels liegt dickes Stammholz und wartet auf eine Verwendung. Es soll aber nicht verheizt werden. Foto: Thomas Senger

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Auf dem Grünschnittplatz Bad Rotenfels liegt dickes Stammholz und wartet auf eine Verwendung. Es soll aber nicht verheizt werden. Foto: Thomas Senger

„Nix verkomme lasse!“ – Für alte Murgtäler gilt das auch heute noch. Schließlich wissen sie um die Mühsal des Ackerns auf kargen Böden, des Mähens an steilen Hängen – und auch des Holzmachens in dichten Wäldern. Deshalb hadern manche von ihnen mit den neuen Zeiten, wenn sie sehen, wie gesundes Stammholz und armdicke gute Äste auf dem Grünschnittplatz verrotten. „Die kann man doch versägen!“, heißt es dann. Denn der nächste Winter kommt bestimmt und das Brennholz wird nicht billiger.

„Holzlager keine Aufgabe der Kommune“

Warum also lässt man zum Beispiel das gute Holz auf dem Grünschnittplatz in Bad Rotenfels verrotten? Was passiert damit? Gibt es vielleicht sogar eine Möglichkeit für sparsame Gaggenauer, sich hier mit Brennholz einzudecken? Das BT hat bei der Stadtverwaltung nachgefragt. „Auf dem Platz in Bad Rotenfels lagern wir tatsächlich Stämme“, bestätigt das Rathaus: Und das hat seine Gründe. So handele es sich zum Teil um Stämme aus Versicherungsfällen: „Die müssen so lange liegen, bis wir eine Freigabe haben.“

Das ist aber nicht alles: „Und wir lagern Stämme von Bäumen, die die Stadt gerodet hat und die noch brauchbar sind“, erläutert die Verwaltung. Dieses Holz könne beispielsweise bei der Einfassung von Spielplätzen oder für Absperrungen entlang von Wegen verwendet werden. Nicht zuletzt gibt man im Rathaus zu bedenken: „Ein Holzlager aus privatem Holz einzurichten, zu unterhalten und die Abgaben zu koordinieren, wäre im Sinne der Nachhaltigkeit schön, ist aber keine Aufgabe der Kommune.“

Stattdessen kommt aus dem Gaggenauer Rathaus der pragmatische Vorschlag: „Die Bürger können ihr Restholz verschenken, bevor sie es zum Abfallplatz fahren. Das freut vielleicht einen Nachbarn oder Freund, und der Holzbesitzer spart sich die Fahrt zum Gartenabfallplatz.“

Bedenken wegen Unfallgefahren

Darüber hinaus werden die Gartenabfallplätze von der Stadt Gaggenau im Auftrag des Abfallwirtschaftsbetriebes betrieben: Der komplette Grünschnitt werde deshalb im Auftrag des Landkreises abgeholt und verwertet. Dies wurde der Zeller Recycling GmbH aus Mutterstadt in Rheinland-Pfalz übertragen.

Abschießend führt die Stadtverwaltung das Thema Sicherheitsbedenken und Unfallverhütung ins Feld: „Hinzu kommt, dass wir aus versicherungstechnischen Gründen nicht erlauben können, dass Privatpersonen über die Plätze laufen und Holz aus den großen Haufen ziehen.“

Suche nach einem Holz-Künstler

Im April 2015 war eine Eiche in der oberen Konrad-Adenauer-Straße teilweise auf ein Haus gestürzt. Das Versicherungsverfahren sei zwar bereits abgeschlossen, doch noch immer lagert das Stammholz auf dem Grünschnittplatz in Bad Rotenfels. Warum?

Die Stadtverwaltung nimmt auf BT-Anfrage Stellung: Das Eichenholz sei auch noch nach über sechs Jahren „im besten Zustand“. Für den Stamm suche man seit Längerem eine schöne Verwendung. Kontakte zu Holz-Schnitzern und Holz-Künstlern seien „leider dabei stets an der Transportmöglichkeit gescheitert, da der Stamm enorm schwer ist. Die Stadt verfügt über kein Fahrzeug, das diesen aufladen kann.“ Weitere Kontakte seien willkommen.

Die Akademie Schloss Rotenfels hatte bereits einen anderen Eichenstamm zu einer Skulptur verarbeitet. Allerdings sei der Stamm aus der Konrad-Adenauer-Straße auch der Landesakademie zu groß und zu schwer. Aber, so versichert das Rathaus: „Das Stammholz wird auf alle Fälle einer attraktiven Verwendung zugeführt und keinesfalls verfeuert.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
22. August 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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