„Home-Zone“ und „e-Tarif“ starten im Dezember

Baden-Baden (nof) – Im Betriebsausschuss hat es Kritik an der anstehenden KVV-Tariferhöhung gegeben. Künftig berechnen sich die digitalen Fahrkarten nach der Luftlinien-Entfernung.

Der Karlsruher Verkehrsverbund bietet ab Dezember zwei digitale Tarife an, die per Smartphone-App abgerechnet werden. Foto: Christian Ernst/KVV

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Der Karlsruher Verkehrsverbund bietet ab Dezember zwei digitale Tarife an, die per Smartphone-App abgerechnet werden. Foto: Christian Ernst/KVV

Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) erhöht seine Preise zum August wie berichtet um durchschnittlich 3,8 Prozent. Darüber informierte der Leiter der Baden-Badener Verkehrsbetriebe Stefan Güldner nun auch den Betriebsausschuss. „Wir können das nur zur Kenntnis nehmen, aber ohne wohlwollende Zustimmung“, kommentierte SPD-Stadtrat Werner Henn die Kostensteigerung.

„Da sind wir dem KVV-Aufsichtsrat ausgeliefert.“ Seine Kritik richtete Henn an Bund und Land und die Rahmenbedingungen, die „Wohltaten für den ÖPNV verhindern“. Der ÖPNV müsse bezahlbar und attraktiv bleiben, aber mit jeder Preissteigerung erreiche man das Gegenteil: Bus- und Bahnfahren werden „unsozialer und unattraktiver“. Stadtwerke-Chef Helmut Oehler erklärte auf Nachfrage von AfD-Stadtrat Kurt Hermann, dass die Verluste des ÖPNV im zurückliegenden Corona-Jahr „dramatisch“ gewesen seien. Hermann sagte, dass er eine Beteiligung der Gesamtbevölkerung daran über ein Gießkannenprinzip ablehne.

20 Cent teurer

Die ab August gültige KVV-Preissteigerung sieht unter anderem vor, dass eine Einzelfahrkarte für Baden-Baden künftig 2,80 statt bislang 2,60 Euro kosten wird. Dafür gebe es aber auch strukturelle Änderungen, wie Güldner ausführte.

So werden die Tageskarten für Erwachsene künftig zum vergünstigten Einstiegspreis von zwei Einzelfahrten (5,80 Euro) und mit einer Personenlogik von ein bis fünf Mitfahrern (vergleichbar mit dem Baden-Württemberg-Ticket) versehen. Und die 9-Uhr-Monatskarte gibt es künftig auch für einzelne Wabenstufen. Die Viererkarten werden hingegen zum Tarifwechsel eingestellt, erläuterte Güldner. Große Neuerungen stehen dann im Winter an: Zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen die neuen digitalen Tarifprodukte „Home-Zone“ und Entfernungstarif (e-Tarif) im gesamten KVV-Gebiet aufgelegt werden.

Angepasster Bewegungsradius

Die „Home-Zone“ bietet laut Sitzungsvorlage eine „flexible, individuell einstellbare Zeitkarte mit entsprechendem Mobilitätsradius“. So können zum Beispiel Kundengruppen finanziell von der „Home-Zone“ profitieren, die sich nicht im Bereich des klassischen Wabenmusters des KVV-Gebiets bewegen. Diese können sich einen auf die eigenen Mobilitätsbedürfnisse angepassten Bewegungsradius festlegen und somit unabhängig vom KVV-Wabennetz verkehren. Der „Entfernungstarif“ stellt hingegen ein Angebot für Gelegenheits- und Kurzstreckenfahrer dar. Dabei wird der Fahrpreis anhand der Luftlinien-Kilometer zwischen der Start- und Zielhaltestelle ermittelt. Erprobt wurde dieses System bereits im Stadtgebiet von Karlsruhe. Nun soll es unter anderem auch in Baden-Baden angewendet werden können. Es richtet sich vor allem an Nutzer, die nur wenige Haltestellen beziehungsweise kurze Distanzen mit dem Bus zurücklegen wollen. Der Grundpreis liegt dabei laut Tarifübersicht bei 1,40 Euro für Erwachsene, pro Entfernungskilometer kommen 22 Cent hinzu. Inhaber einer Bahncard profitieren von einem Rabatt.

Nutzer dieser digitalen Tarifangebote benötigen allerdings ein Smartphone, denn abgerechnet wird über eine spezielle Tarif-App (Regiomove). In der Vergangenheit war Kritik an den verhältnismäßig hohen Kosten für einen Einzelfahrschein geübt und die Einführung eines Kurzstreckentarifs gefordert worden. Die digitalen Angebote sind nun ein Versuch des KVV, diesen Wunsch zu erfüllen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
26. Mai 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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