Homeoffice ist keine Option

Baden-Baden(naf) – In Zeiten von Homeoffice und Geschäftsschließungen gibt es immer noch diejenigen, die an ihrem Arbeitsplatz die Stellung halten müssen. Das BT hat sich mit Menschen über den Arbeitsalltag in der Coronakrise unterhalten.

Weiterhin erlaubt: Reparaturen dürfen nach wie vor in den Kfz-Werkstätten vorgenommen werden. Die Verkaufsstellen müssen hingegen geschlossen werden. Foto: Gambarini/dpa

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Weiterhin erlaubt: Reparaturen dürfen nach wie vor in den Kfz-Werkstätten vorgenommen werden. Die Verkaufsstellen müssen hingegen geschlossen werden. Foto: Gambarini/dpa

Das öffentliche Leben in Baden-Württemberg ist drastisch heruntergefahren worden. Lediglich Geschäfte des täglichen Bedarfs dürfen laut der neuen Rechtsverordnung noch geöffnet bleiben. Für deren Mitarbeiter ist Homeoffice nicht immer eine mögliche Option. Und so stehen täglich Angestellte in Zeiten der Corona-Krise in Lebensmittelgeschäften, Arztpraxen, Pflegeheimen, Werkstätten und vielen weiteren Einrichtungen.

Reparaturen erlaubt, Verkauf verboten

Dass das nicht immer einfach ist weiß vor allem Ruben Schäfer, Geschäftsführer der KFZ-Innung Baden-Baden, Bühl und Rastatt. „Ich hänge seit Tagen nur am Telefon“, erzählt er dem BT. Als Bindeglied zwischen den einzelnen Autohäusern und den Behörden ist die Innung der erste Ansprechpartner für viele verunsicherte Kfz-Meisterbetriebe. Wie Schäfer erklärt, gibt es für sie keine konkreten Handlungsempfehlungen, nur die Vorgabe, dass Einzelhandelsverkaufsstellen geschlossen werden müssen. Konkret bedeutet das laut dem Geschäftsführer, dass weder Autos noch Teile verkauft werden dürfen. Die Instandsetzung von Fahrzeugen sei nicht betroffen, Werkstätte laufen weiter. Kunden sind also nur in der Lage einzelne Autoteile zu kaufen, wenn sie diese direkt verbauen lassen.

Ein „gravierendes Problem“ nennt Schäfer dabei die vom Betrieb beim Hersteller bereits gekauften Teile, die nun aber nicht mehr an den einzelnen Kunden gebracht werden können – ähnlich bei den bestellten Leasing-Fahrzeugen. Solche Verschuldungen seien für einige mittelständische Betriebe „existenzbedrohlich“.

Die Rückmeldungen aller Autohäuser, die die Innung vertritt, seien unterschiedlich, aber „an keiner Stelle positiv“. Jeder möchte seinen Teil zur Eindämmung des Virus beitragen. Schäfer gibt jedoch zu verstehen, dass teilweise Existenzen an den Geschäften hängen, die sowieso schon wenig rentable vergangene Monate verzeichnen.

Per Skype-Gespräch ins Pflegeheim

Den Behörden voraus war das Seniorenzentrum Curatio in Ötigheim, als es den Besucherverkehr schon einige Tage vor der offiziellen Verordnung stark eindämmte. Mittlerweile dürfen überhaupt keine Angehörigen mehr in das Heim. Verstärkte Hygieneregelungen und, dass die Mitarbeiter nicht mehr bereichsübergreifend sowie möglichst immer für dieselben Patienten eingesetzt werden, seien „reine Vorsorgemaßnahmen“, so Timo Kanjo. Der Leiter des Seniorenzentrums ist lieber „an der ein oder anderen Stelle zu vorsichtig“. Damit auch nicht zu viele Mitarbeiter gleichzeitig aufeinandertreffen, erfolgen Besprechungen, Dienstübernahmen und der Aufenthalt in der Umkleide nur noch etappenweise.

Als problematisch bezeichnet er, dass das Besuchsverbot gesetzlich bis Mitte Juni befristet ist. „Gerade für Menschen mit Demenz“ sei das sehr schwierig. Darum arbeite das Pflegeheim „mit Hochdruck“ an Lösungsmöglichkeiten, wie einer Video-Telefonzelle. Per Webcam soll dadurch schon in den nächsten Tagen mit Angehörigen telefoniert werden können. Weitere Ideen, wie einem provisorischen Begegnungsraum im Garten, müssen zunächst mit entsprechenden Behörden abgeklärt werden, seien aber in der Überlegung.

Kanjo ist dieser Tage nicht nur mit dem Informieren von Angehörigen beschäftigt, sondern kümmert sich auch verstärkt um alternative Lieferwege von Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstung. Diese seien „nur noch begrenzt verfügbar“. Ausfälle könne er bislang aber über Anfragen bei anderen Lieferanten ausgleichen.

Nur noch teure Markenprodukte in den Regalen

Ebenfalls mit Lieferengpässen bei Desinfektionsmitteln, zusätzlich aber auch bei Toilettenpapier, Konserven, Nudeln, Kartoffeln und Mehl, wird der Einzelhandel momentan konfrontiert, wie ein Mitarbeiter eines Edeka-Markts aus der Region bestätigt. Generell werde das Sortiment eingeschränkt, um die Lieferanten zu entlasten. Ihr Markt habe noch immer fast alle Produkte – selbst Toilettenpapier – „nur eben von teureren Marken“. „,Gut und günstig Klopapier` wird es wohl wochenlang nicht mehr geben“, erzählt er.

Um Hamsterkäufen entgegenzuwirken, habe Edeka nun eine maximale Anzahl, die man pro Person von bestimmten Produkten kaufen kann, festgelegt. Beispielsweise dürfe nur noch eine Packung Toilettenpapier und maximal zwei gleiche Konserven mitgenommen werden. Die Mehrheit der Kunden reagiere verständnisvoll, es habe aber auch schon einen „Aufstand“ deswegen gegeben. „Allgemein sind die Kunden gereizter“, berichtet der Einzelhandelskaufmann. Auch in Zeiten der Krise sei es für ihn jedoch selbstverständlich, weiter zu arbeiten: „Ich gehöre schließlich nicht zur Risikogruppe“. Kundenkontakt zu vermeiden sei dabei unmöglich. Der Ansturm auf ihre Filiale habe allerdings bereits etwas abgenommen. Für die Zukunft müssen Bestellungen an die Situation angepasst werden.

Schwierige Entscheidungen in der Gastronomie

In der Gastronomie sind zurzeit unterschiedliche Reaktionen zu beobachten. Die neue Rechtsverordnung schränkt die Handlungsfähigkeiten hier zwar ein, unter der Einhaltung bestimmter Voraussetzungen dürfen Schank und Speisewirtschaften jedoch weiterhin geöffnet bleiben. Wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Gästen gewährleistet ist, darf der Betrieb von 6 bis 18 Uhr laufen. Ob eine Wirtschaft vollständig schließt, obliege der eigenen Einschätzung, wie Nadine Schubert, Pächterin der Linde in Weitenung, berichtet. Das man mit dieser Entscheidungsfreiheit zwischen moralischem und wirtschaftlichem Denken abwägen muss, mache die Situation „ganz schwierig“. So lange kein klares Verbot vonseiten der Regierung vorliege, werde die Wirtschaft auch keine Ausfallentschädigung bekommen, wenn sie schließt. „Das ist ein Problem und zwingt uns zum Weitermachen, auch wenn man beschuldigt wird, damit zur Verbreitung des Virus beizutragen“, erklärt sie. Wie die angekündigte finanzielle Unterstützung in Zukunft aussehen soll, wisse keiner so Recht und „an verlässliche Informationen zu kommen, ist wahnsinnig schwer“. Mit geänderten Öffnungszeiten werde sie bis zum uneingeschränkten Verbot weitermachen, die Vorgaben erfüllen und auf eine finanzielle Stütze vonseiten des Staats hoffen.


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