Homeoffice läuft bei vielen Betrieben weiter

Baden-Baden/Stuttgart (for) – Am 1. Juli endet die Homeofficepflicht, die wegen der Corona-Pandemie eingeführt worden war. Viele Beschäftigte wollen aber weiterhin von zu Hause aus arbeiten.

Laut einer DAK-Umfrage waren zuletzt 43 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Laut einer DAK-Umfrage waren zuletzt 43 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Corona-Pandemie hat dem Homeoffice auch in Baden-Württemberg einen gewaltigen Schub verliehen. Die Zahl der Beschäftigten, die ihre Büroarbeit von zu Hause erledigen, hat sich nach einer Erhebung der Krankenkasse DAK-Gesundheit aus dem Februar während der Corona-Pandemie verfünffacht, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) mitteilt.

Weiterhin mehr Flexibilität

Laut DAK waren zuletzt 43 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice – und dort nach eigener Auffassung nicht nur zufriedener, sondern auch produktiver. Ein großer Teil von ihnen will laut Studie auch nach dem Auslaufen der Pflicht zum Homeoffice, die wegen der Corona-Pandemie eingeführt worden war, zumindest einen Teil seiner Arbeit weiter in den eigenen vier Wänden erledigen. 46 Prozent der Beschäftigten im Homeoffice könnten sich vorstellen, künftig die Hälfte der Zeit von zu Hause aus zu arbeiten. Hinzu kämen zehn Prozent, die fast gar nicht mehr ins Büro zurückwollten, heißt es in der Studie.

Am Donnerstag endet mit den sinkenden Infektionszahlen die in der Corona-Arbeitsschutzverordnung festgelegte Homeoffice-Pflicht. Einige Betriebe in der Region möchten ihren Mitarbeiter aber auch weiterhin mehr Flexibilität durch Homeoffice ermöglichen.

Bei Siemens am Standort Rastatt arbeiten diejenigen Mitarbeiter, die in der Verwaltung tätig sind, derzeit noch weitestgehend von zu Hause aus. Da Siemens Rastatt ein Produktionsstandort ist, war ein Teil der Beschäftigten aber auch während der Pandemie durchgehend am Standort tätig, wie Pressesprecherin Evelyn Necker mitteilt. Für die Mitarbeiter, die sich momentan im Homeoffice befinden, erarbeite Siemens einen Rückführungsplan. „Vorsicht und Behutsamkeit stehen dabei im Mittelpunkt, denn die Sicherheit und Gesundheit haben höchste Priorität“, so Necker weiter. „Grundsätzlich haben wir mit mobilem Arbeiten in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht“, sagt sie. Siemens ermöglichte seinen Mitarbeitern schon vor der Pandemie, im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten und Standortbestimmungen, ihre Arbeitswelt individuell zu gestalten: Wenn es mit ihrem Job vereinbar sei und der Vorgesetzte zustimme, könnten Firmenangehörige in Deutschland im Schnitt 20 Prozent ihrer Arbeitszeit von zu Hause aus arbeiten. „Und auch nach der Pandemie wollen wir das Thema Homeoffice vorantreiben“, so Necker.

Attraktive Alternativen

Bei Daimler gibt es schon seit 2009 eine Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten. „Diese wurde im Dezember 2016 erweitert, seitdem haben alle Beschäftigten der Daimler AG grundsätzlich ein Recht, mobil zu arbeiten, wenn dies mit der jeweiligen Aufgabe vereinbar ist“, so ein Sprecher auf BT-Nachfrage. Seit Frühjahr 2020 arbeiten die Mitarbeiter wo immer möglich mobil von zu Hause aus, um das Infektionsrisiko weiter einzugrenzen. Das gilt auch für die Mercedes-Benz-Werke in Rastatt und Gaggenau.

Neue digitale Formate hätten sich innerhalb kurzer Zeit als attraktive Alternativen etabliert. „Die letzten Monate haben gezeigt, dass die digitale Zusammenarbeit gut funktioniert. Wir setzen auch in Zukunft auf vielfältige Zusammenarbeitsmodelle“, teilt das Unternehmen mit.

Zu Hause produktiver

Bei der Volksbank Karlsruhe, die heute offiziell mit der Volksbank Baden-Baden/Rastatt fusioniert, sollen Beschäftigte ebenfalls weiter die Möglichkeit haben, von zu Hause aus zu arbeiten – allerdings immer in Absprache mit den jeweiligen Führungskräften, betont Pressesprecher Thomas Nusche. Im Verwaltungsbereich sei Homeoffice relativ unproblematisch, in den Filialen müsse immer darauf geachtet werden, dass auch noch Mitarbeiter an den einzelnen Standorten sind. „Bereits im ersten Lockdown haben wir die Homeofficeplätze von 100 auf 280 hochgefahren und die Plätze danach sukzessive erhöht“, so Nusche. Zunächst habe es viele Kollegen gegeben, die dem Homeoffice skeptisch gegenüberstanden. „Sie waren die Arbeit von zu Hause aus einfach nicht gewohnt.“ Mittlerweile seien die meisten aber anders eingestellt und im Homeoffice sogar produktiver. Viele der Beschäftigten äußerten laut Nusche den Wunsch, auch künftig von zu Hause aus tätig zu sein – zwar nicht dauerhaft, aber zumindest für einige Tage pro Woche.


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