Hornisgrinde: Dämpfer für Windkraftprojekt

Achern (ab) – Das Regierungspräsidium Freiburg sieht wegen des Artenschutzes sehr hohe Hürden für den Bau einer zweiten Anlage. Windkraft-Projektentwickler Matthias Griebl will aber weitermachen.

Das Wappentier des Schwarzwalds: Das Auerhuhn – hier ein Auerhahn – ist streng geschützt. Foto: Holger Hollemann/dpa/Archiv

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Das Wappentier des Schwarzwalds: Das Auerhuhn – hier ein Auerhahn – ist streng geschützt. Foto: Holger Hollemann/dpa/Archiv

Lange hat Matthias Griebl auf die Stellungnahme des Regierungspräsidiums (RP) Freiburg gewartet – nun liegt sie vor, und die Begeisterung des Windkraft-Projektentwicklers aus Achern hält sich in engen Grenzen. Denn das RP lässt mit Verweis auf den Artenschutz deutliche Skepsis erkennen, dass das zweite Windrad auf der Hornisgrinde verwirklicht werden kann. „Aufgrund des Standorts im Vogelschutzgebiet ist bei der Planung der zweiten Anlage ein hohes natur- und artenschutzrechtliches Konfliktpotenzial gegeben“, erläutert die Behörde schriftlich auf BT-Anfrage, und verweist insbesondere auf die Auerhuhnpopulation oder auch den Vogelzug. „Aus Sicht des Regierungspräsidiums stellt der rechtssichere und vollumfängliche Ausgleich der mit diesem Windkraftprojekt verbundenen Eingriffe daher eine sehr hohe Hürde dar.“

Das Auerhuhn – immer wieder ist es das zentrale Thema, wenn es um eine zweite Windkraftanlage auf der Hornisgrinde geht. Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA gehen nämlich davon aus, dass das Bauprojekt dem streng geschützten und seltenen Tier schaden könnte.

Bisherige Erfahrungen als Gegenargument

Griebl sieht das zwar anders – er verweist auf Erfahrungen, die mit der bisherigen Anlage auf der Hornisgrinde gemacht worden seien und darauf, dass der neue Standort noch weiter weg von den Auerhuhngebieten liegen würde als der alte. Dennoch will er nach eigenem Bekunden die notwendigen Auflagen erfüllen. Die freilich hätten es in sich: 53 Hektar Fläche für Ausgleichsmaßnahmen müsste Griebl voraussichtlich bereitstellen, davon etwa 18 Hektar als sogenannte Brut-, Balz- und Aufzuchtgebiete für Auerhühner – „rekordverdächtig“, wie der Betreiber der bestehenden Anlage auf der Hornisgrinde anmerkt.

Dazu kommen weitere Schwierigkeiten: Die Ausgleichsflächen beziehungsweise -maßnahmen müssen abgestimmt werden mit jenen Maßnahmen, die in sogenannten Managementplänen für die vorhandenen Schutzgebiete festgelegt werden. Diese Pläne liegen aber noch gar nicht vor; voraussichtlich Ende des Jahres werden sie veröffentlicht. „Damit hängt man in der Luft“, kommentiert Griebl.

„Sehr hohe Hürden“ bei Flächensuche

Generell beklagt er die „sehr hohen Hürden“ bei der Suche nach Ausgleichsflächen, gerade bei den neuen Aufzuchtgebieten, und eine damit verbundene fehlende Planungssicherheit. Dass insbesondere das Thema Aufzuchtgebiete schwierig werden könnte, sieht auch das RP so: „Damit die Ausgleichsmaßnahmen tatsächlich als Schadensbegrenzungsmaßnahmen (...) anerkannt werden können, darf an der Wirksamkeit der Maßnahmen bei Realisierung des Vorhabens kein vernünftiger Zweifel bestehen“, heißt es gegenüber dem BT. Und weiter: „Die wirksame Herstellung eines Lebensraums in der Qualität eines Brut-, Balz- und Aufzuchtgebiets in der Größe von 18 Hektar stellt aus fachlicher Sicht mit Sicherheit eine große Herausforderung dar.“

Trotz aller sich abzeichnenden Probleme versucht Griebl, das Positive zu sehen. „Ich bin froh, dass man überhaupt einen Weg aufzeigt“, sagt er. Die Stellungnahme des RP ist quasi eine Art Vorabprüfung aus natur- beziehungsweise artenschutzrechtlicher Sicht. Sie soll einem Projektentwickler eine Einschätzung ermöglichen, ob er überhaupt in das aufwendige Genehmigungsverfahren einsteigen will.

Griebl sieht auch Politik in der Pflicht

Diese Frage hat Griebl für sich beantwortet – er macht weiter. Er sei in Kontakt mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe, das für die Managementpläne zuständig ist, um sich genauer zu informieren. Und er will an die Gemeinden vor Ort herantreten, um sich potenzielle Ausgleichsflächen zu sichern. Möglichst in deutlich größerem Umfang als die 53 Hektar, um noch Spielraum zu haben.

Beim Thema Windkraft sieht Griebl auch die Politik in der Pflicht – nicht zuletzt wegen des Kampfs gegen den Klimawandel. „Der Ministerpräsident hat gesagt, dass 1.000 Windräder in Baden-Württemberg gebaut werden sollen“, erinnert der Acherner. Wichtig sei, dass die Landtagsabgeordneten jetzt der Regierung „etwas Druck machen“. Er sei jedenfalls von Abgeordneten fast aller Parteien positiv auf sein Windkraftvorhaben angesprochen worden. Und Griebl, dessen Familie seit den 90er-Jahren Windkraftanlagen auf der Hornigsgrinde betreibt, weiß eine Sache aus Erfahrung: „Es war immer eine politische Entscheidung.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Armin Broß

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Erstellt:
20. August 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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