Hügelsheim: Auf den Spuren der Römer?

Hügelsheim (stn) – Luftbildaufnahmen belegen die Existenz einer alten Trasse, die von Sandweier in Richtung Hügelsheim verläuft. Sie stammt möglicherweise aus der Römerzeit.

Auf der Luftaufnahme wird ein hellerer Streifen mit etwas lichterem Bewuchs sichtbar, der dem Verlauf in älteren Karten entspricht. Infografik: jv/dr

© pr

Auf der Luftaufnahme wird ein hellerer Streifen mit etwas lichterem Bewuchs sichtbar, der dem Verlauf in älteren Karten entspricht. Infografik: jv/dr

Was in der Gemeinderatssitzung Mitte Juni, in der die Teiländerung des Bebauungsplanentwurfs der Aldi-Erweiterung gebilligt wurde, nur äußerst beiläufig erwähnt wurde, dürfte womöglich manch einen überraschen: Durch das Gebiet des bestehenden Lebensmitteldiscounters und das Areal, auf dem zukünftig ein Seniorenzentrum entstehen soll, verläuft eine Straße aus der – so vermutet das Landesamt für Denkmalpflege – Römerzeit. Doch ein endgültiger Beweis dafür, wie alt die Straße wirklich ist, steht noch aus.
„Dass eine Römerstraße von Baden-Baden-Sandweier Richtung Hügelsheim zog, vermutet man seit 1856, da damals bei der Korrektur des Sandbaches ,alte Pfähle‘ auffielen“, erläutert Sven Jäger vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. „Der Weg, der hier von Osten nach Westen durch das Waldstück zog, war damals auch als sogenannte Römerstraße – ein im Wald besonders gut verfolgbarer breiter Weg mit begleitenden Straßengräben – bezeichnet, sodass man die Pfähle als Reste einer römischen Brücke interpretierte.“ Allerdings sei das Alter dieser Straße bis heute nicht gesichert.

Dendrochronologische Untersuchungen, bei denen das Alter des Holzes über die Jahresringe ermittelt wird, von Pfahlresten, die auf Iffezheimer Gemarkung im Bereich der vermuteten Trasse gezielt freigelegt wurden, hätten bisher lediglich auf das Mittelalter – in die Zeit um das Jahr 1440 – verwiesen, was jedoch einen älteren Ursprung der Straße nicht ausschließe.

„In den vergangenen Jahrzehnten haben sich auch Heimatforscher immer wieder mit dieser Straßentrasse auseinandergesetzt, doch eindeutige Ergebnisse können nach bisherigem Wissensstand nicht geliefert werden und ein gesicherter Nachweis für einen römischen Ursprung liegt aktuell nicht vor“, berichtet Jäger.

Während der Planung des Seniorenheims gegenüber dem Aldi-Discounter habe sich Anfang April dieses Jahres die Gelegenheit ergeben, eine Prospektion (also eine Erkundung und Erfassung) durchzuführen, um zu prüfen, ob – und wenn ja, in welchem Zustand – der vermutete Straßenkörper erhalten ist.

Hellerer Streifen mit lichterem Bewuchs

Dass im 19. Jahrhundert ein Weg von Osten nach Hügelsheim in der Verlängerung der Römerstraße über den Sandbach zog, ist zumindest auf Karten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sichtbar.

Erstmals bekannt wurde die archäologische Struktur, als das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) des Regierungspräsidiums Stuttgart 1994 Luftaufnahmen in diesem Gebiet durchführte. „Auf Basis der öffentlich zugänglichen Satellitenbilder und der Luftbildaufnahmen des LAD ist der Verlauf eines alten Wegekörpers in der Form eines helleren Streifens mit etwas lichterem Bewuchs sichtbar, der dem Verlauf in den bekannten älteren Karten entspricht und darum zumindest eine Trasse für die Neuzeit belegt“, erklärt Jäger. „Das schließt natürlich einen älteren Ursprung dieser Trasse nicht aus, da mittelalterliche und neuzeitliche Wege häufig älteren, einst römischen Wegen folgen.“

Die archäologische Untersuchung habe dann tatsächlich einen Weg nachweisen können, der allerdings im sandigen Boden und landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteten Areal nicht gut erhalten geblieben sei. „Der Weg selbst, der sich im archäologischen Befund nur als dunkles aufgeschichtetes Erdpaket erhalten hätte (Römerstraßen, aber auch mittelalterliche und neuzeitliche Wege sind im ländlichen Bereich nicht zwingend mit Steinen gepflastert), ist also nicht überliefert.

Letzte Reste von Straßengräben

Lediglich die letzten Reste der begleitenden Straßengräben konnten dokumentiert werden“, so Jäger. „Das spärliche Fundmaterial verweist dabei ältestenfalls auf die frühe Neuzeit, sodass auch hier kein eindeutiger Beleg erbracht werden kann, dass diese Straße auf eine Römerstraße zurückgeht.“

Die Annahme, dass es sich hierbei um eine Römerstraße handeln könnte, ist dennoch nicht abwegig. Laut der Heimatforscherin und Hobby-Historikerin Eva-Maria Eberle lassen vier Anhaltspunkte darauf schließen: Zum einen sei da der gerade Verlauf der Straße, die sich auf einem Luftbild aus dem Wald heraus durch die Feldflur direkt auf das Wohngebiet Römerstraße in Hügelsheim verfolgen lässt. Auch die Breite der Straße, die bis zu acht Metern beträgt, und die stellenweise leichte Wölbung des Weges, die typisch für eine römische Straße sei, gebe zu denken. Außerdem sei im gesamten Mittelalter der Bau einer solchen aufwendigen Straße nicht bekannt – damals habe man sich auf natürlichen Pfaden bewegt, so Eberle.

Doch auch wenn ein endgültiger Beweis aussteht: „Die Straße von Baden-Baden nach Hügelsheim ist auf jeden Fall eine Altstraße, ein historischer Weg, der wichtige Städte und Orte miteinander verband“, ist sich die Mitarbeiterin des Kreisarchivs im Landratsamt Rastatt sicher. Möglicherweise sei auch der Transport von Weinfässern, der Rebensaft für die Soldatenbäder in Aquae (das heutige Baden-Baden) enthielt, auf genau dieser Straße erfolgt. Zumindest gebe es Darstellungen aus der Römerzeit, die den Transport von Weinfässern auf dem Rhein bezeugen. „Dann“, so Eberle, „müssten die Weinfässer auch über die Römerbrücke gerollt sein, deren Natursteinfundamente noch heute ein Brückenbauwerk tragen, das so mancher ahnungslose Wanderer und Radfahrer im Hügelsheimer Hardtwald überquert.“

Zum Artikel

Erstellt:
25. August 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 24sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.