Hühnerställe auf Fahrt durchs Ried

Rastatt (fuv) – Ei, ei,ei: Wer auf den Feldern rund um Plittersdorf unterwegs ist, kann das Rieder Hühnermobil entdecken. Rieder Bürger gehen damit neue Wege.

Vom Rieder Hühnermobil profitieren auch die Obstbauern in und um Plittersdorf. Foto. Frank Vetter

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Vom Rieder Hühnermobil profitieren auch die Obstbauern in und um Plittersdorf. Foto. Frank Vetter

Ostersonntag, da wird das Ei wieder eine zentrale Rolle spielen. Bunt gefärbte, mehr oder weniger hart gekochte Hühnereier werden wie die verschiedensten Süßvarianten von Groß und Klein gesucht und gefunden oder verschenkt. Wer nun noch auf den letzten Drücker Hühnereier benötigt, der kann auch zu zwei Automaten in Plittersdorf fahren. Dort gibt es ganz besondere Eier.
Im vergangenen Sommer hat die Rieder Automaten GbR die erste mechanische Eierverkaufsstelle kurz nach dem Ortseingang an der Fährstraße installiert. Bestückt wird der Automat mit Eiern, die rund um den Riedort gelegt werden. Dafür zeichnet die Rieder Hühnermobile GbR verantwortlich.

Vor sechs Jahren hatten die Plittersdorfer Nicolai und Dominic Bühler, Thomas Fritz und der Wintersdorfer Tierarzt Dr. Michael Götz die Idee zu ihrem Hühnermobil, erzählen sie. Ein ausgedienter Bauwagen als mobiler Hühnerstall war der Beginn. Mittlerweile haben die Züchter drei Hühnermobile im Einsatz. Die Vermarktung der Eier erfolgt über die Automaten. Die Plittersdorfer Geflügelfreunde haben also einen landwirtschaftlichen und einen gewerblichen Betrieb gegründet. Wobei die wirtschaftlichen Interessen nicht im Vordergrund stehen, wie sie betonen. Sie wollen ökologisch nachhaltige Produkte anbieten. „Immer mehr Menschen legen Wert auf solche Lebensmittel; mit unseren Eiern erfüllen wir diesen Anspruch“, sagen Michael Götz und Thomas Fritz.

Ungewohnte Wege der Eierproduktion

Und da gehen sie ungewohnte Wege bei der Eierproduktion. Die Hühner, die die Rieder züchten, sind keine sogenannten Hybridhühner, reine Legetiere, die unnatürlich viele Eier legen, wie Tierarzt Götz erläutert; 250 bis 300 im Jahr. Die Rassen, die in den Hühnermobilen unterwegs sind, haben eine Legeleistung von etwa 180 bis 200 Eiern. Dazu kommt, dass zu den Plittersdorfer Hühnern keine reinen Legerassen gehören, sondern nur solche, deren Fleisch gegessen werden kann. Die Experten nennen diese Rassen Zweinutzungs- oder Zwiehuhn. Und die Plittersdorfer Eier haben auch noch außergewöhnliche Farben. „Unser Plan ist es, bunte Automatenpackungen anzubieten“, sagen die Gründer der Hühnerinitiative.

Dafür sorgen Marans und Araucanahühner. Marans wurden um die gleichnamige französische Stadt erstmals gezüchtet. Die Eier haben eine dunkelbraune Farbe, die mit Ende der Legeperiode ins Hellbraun mit dunklen Flecken wechselt. In der neuen Periode sind die Eier dann wieder dunkelbraun. Türkisgrün oder gar hellblau ist, was die Araucana-Hennen legen. Noch allerdings produziert das Geflügel nicht genügend dieser ganz besonderen Eier, damit wirklich bunte Packungen im Automaten stecken.

Zwei weitere Rassen sind das in Baden gezüchtete Sundheimer Huhn und Les Bleus. Für beide gilt: Die Hennen legen Eier, die Hähne sind Fleischlieferanten. Das Sundheimer Huhn gilt als das älteste deutsche Zwiehuhn. Les Bleus stammt, wie der Name vermuten lässt, aus unserem Nachbarland Frankreich, heißt dort Bressehuhn und wird als König des Geflügels bezeichnet. Bei so viel Liebe zum Huhn versteht es sich von selbst, dass das Geflügel auch heimisches Futter erhält. Bis das dunklere und geschmacklich intensivere Rieder Hühnerfleisch zum Verzehr in den Verkauf gelangt, wird es wohl Winter werden, schätzt Michael Götz.

Der ökologisch nachhaltige Anspruch wird auch in der Haltungsform fortgesetzt. Die Hühnermobile stehen auf nicht bewirtschafteten Feldern und Obstwiesen. Dort fressen die Rieder Hühner Fallobst und sorgen dafür, dass sich Parasiten nicht ausbreiten. Obstbauern greifen auf die Hühnermobile zurück und könnten so auf das Spritzen verzichten, erläutert Michael Götz.

Die Hühnerautomaten – den ersten nannten die Gründer Paul – sind nicht nur mit Eiern bestückt. Wurst- und Grillwaren, Honig eines Ottersdorfer Imkers, Nudelprodukte aus Steinmauern, Käse und Butter einer kleinen Allgäuer Molkerei und alkoholfreie Getränke können die mobilen Kunden ebenfalls aus den Automaten „ziehen“.

Die Idee der vier Tierfreunde habe sich sehr positiv entwickelt, bilanziert Michael Götz. So gut, dass die offenbar sehr beliebten Eier oft viel zu schnell verkauft seien, bedauert er.


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