Humusaufbau als Beitrag zum Klimaschutz

Bühlertal (vn) – Der Naturpark arbeitet an einem Projekt, CO2-Emissionen regional durch Humusaufbau auszugleichen. Dafür gibt es Zuschüsse des Landes. Auch der Bund verteilt reichlich Geld.

Fleißige Helfer im Boden: Regenwürmer leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Bodenqualität. Foto: Martin Schutt/dpa

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Fleißige Helfer im Boden: Regenwürmer leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Bodenqualität. Foto: Martin Schutt/dpa

Mit einer Förderung in Höhe von fast 23 Millionen Euro unterstützt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) entsprechende Projekte. Humus kann CO2 binden und somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Auch im Südwesten will man dieses Potenzial nutzen.

Die Förderbescheide hat Minister Cem Özdemir (Grüne) am Mittwoch an den Deutschen Bauernverband und den Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft überreicht. Beide Verbände sollen ein Modell- und Demonstrationsvorhaben koordinieren, für das sich vergangenes Jahr Betriebe bewerben konnten. Gesucht werden langfristig wirksame Maßnahmen, die den Humuserhalt und -aufbau etablieren. Zudem sollen die Methoden dann möglichst weit in der Praxis verbreitet werden.

„Wir wollen Innovationen aus dem Ökobereich stärker in der konventionellen Landwirtschaft verankern“, sagt Özdemir. Durch eine bundesweite Gesamtkoordination, die Kooperation, Wissenstransfer sowie Organisation der wissensbasierten Betreuung umfasst, sollen sich konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe besser austauschen und Synergieeffekte schaffen.

Lange galt Humus als „vergessene Klima-Chance“ – so lautete 2009 der Titel eines Dokumentarfilms. Immerhin ist mittlerweile im Klimaschutzprogramm 2030 festgelegt, dass „das Kohlenstoffspeicherpotenzial landwirtschaftlich genutzter Böden verstärkt aktiviert werden soll“.

Resistenter gegen Erosion und Klimaschäden

In diesen Böden – Acker und Grünland – sind nach Angaben des Thünen-Instituts in Braunschweig rund 2,4 Milliarden Tonnen organischer Kohlenstoff in den oberen 90 Zentimetern eingelagert. Lässt sich der Humusgehalt auf einer Fläche von einem Hektar Ackerboden um ein Prozent steigern, können dadurch etwa 50 Tonnen CO2 gespeichert werden, so die Berechnung.

Gleichzeitig werden die Böden durch eine humusfördernde Bewirtschaftung fruchtbarer. Sie können mehr Wasser speichern und werden insgesamt resistenter gegen Erosion und Klimaschäden. So überstehen landwirtschaftliche Kulturen auch längere Trockenphasen. Außerdem fördert Humus die Biodiversität, da sich in humusreichen Böden mehr Leben entfaltet.

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord ist zwar nicht an dem Großprojekt des Bundes beteiligt, erklärt Geschäftsführer Karl-Heinz Dunker. Allerdings habe man 2021 im Rahmen des Naturpark-Klimaprojekts das Thema Humusaufbau besprochen. Aufgrund der großen Nachfrage werde es mit Mitteln des Ministeriums für Ländlichen Raum in Stuttgart „gut finanziert“, so Dunker.

Gemeinsam mit positerra, ein am Gemeinwohl orientiertes Unternehmen aus Rosenheim, bietet der Naturpark Kommunen, Institutionen und Firmen die Möglichkeit, nicht vermeidbare Treibhausgas-Emissionen in der Region auf freiwilliger Basis auszugleichen. Die Emittenten erwerben sogenannte Humusprämien.

Emittent und Landwirt profitieren

Der Sanitärkeramik-Hersteller Duravit aus Hornberg, Partner des Naturparks, hat als erstes Unternehmen Humusprämien für 1.500 Tonnen CO2 erworben, sagt Dunker. Im Gegenzug unterstützt positerra Landwirte in der Naturpark-Kulisse, die ihre Betriebe auf humusschonende, regenerative Bewirtschaftung umstellen wollen. Ein Weiterbildungsangebot für Landwirte startete bereits. Später im Jahr folgen Feldtage auf Vorbild-Betrieben.

„Das ist eine Win-Win-Situation“, so Dunker. „Die Firmen können Ausflüge zu den Bauern unternehmen und sich erklären lassen, was mit dem CO2 im Humusboden passiert. Die Bauern können zeigen, wie sie ihren Beitrag zur Klimawende leisten. Für beide ist das ein Imagegewinn und das Klima profitiert auch.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
10. Februar 2022, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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