Hunde und Wäsche in bester Nachbarschaft

Rastatt (schx) – Es ist eine ungewöhnliche Kombination: Diana und Helmut Rose betreiben eine Heißmangel und einen Hundesalon. Nach 40 Jahren ist zu Weihnachten Schluss.

Besondere Duftnote: Diana und Helmut Rose in ihrem Heißmangelladen.  Foto: Xenia Schlögl

© schx

Besondere Duftnote: Diana und Helmut Rose in ihrem Heißmangelladen. Foto: Xenia Schlögl

Für Brigitte Wagner alias „Raschdadder Lumpegrott“ ist Heißmangel Rose in der Fuhrmannstraße 19 der Ort, der so gut riecht; für viele langjährige Stammkunden eine lieb gewonnene Anlaufstelle zur Abgabe von Wäsche verbunden mit einem kleinen Plausch. Der Aushang im Schaufenster des Betriebs läutet jedoch das Ende ein: Am 24. Dezember schließt das Pächterehepaar Diana und Helmut Rose nach 40 Jahren sein Geschäft aus Altersgründen.

Sie gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge, sagt die 66-jährige Diana Rose, „es ist schön, dass wir bald mehr Zeit für unsere Familie und unseren siebenjährigen Enkel Matteo haben.“ Aber sie werde ihre Kundschaft sehr vermissen, denn „gemeinsam sind wir alle älter geworden und das verbindet.“

Man habe bisher keinen Nachfolger gesucht, antwortet sie auf Nachfrage, da sich die Besitzverhältnisse des Gebäudes Anfang des Jahres geändert haben. Die weitere Nutzung der Immobilie obliege dem neuen Eigentümer.

Das Ehepaar schließt genauer gesagt zwei Geschäfte in der Fuhrmannstraße zum Ende des Jahres. Auch der von Helmut Rose geführte Hundesalon, der über einen Nebeneingang der Wäscherei betreten werden kann, wird aufgegeben. Eine ungewöhnliche Kombination? Nicht für die beiden Hundeliebhaber. Als gelernte Bürokauffrau machte Diana Rose Mitte der 1970er Jahre ihre Passion für Hunde zum Beruf. Jedoch war der Umsatz sehr schwankend: „Die Nachfrage ist ähnlich wie bei den Eisdielen“, erklärt sie lachend, „vom Frühjahr bis zum Herbst laufen die Geschäfte besser, wenn Hundebesitzer ihre Tiere verstärkt pflegen lassen.“

Trotz Corona gut besucht

Nach ihrer Heirat beschlossen beide, ein zweites berufliches Standbein mit einem Heißmangelbetrieb aufzubauen. „Wir waren firmenfremd und mussten viel lernen. Am Anfang half glücklicherweise ihre Schwiegermutter tatkräftig mit, die beruflich in diesem Metier erfahren war.

Dreimal mussten die Roses mit ihren Ladengeschäften innerhalb Rastatts umziehen, von der Veilchenstraße in die Oberwaldstraße, dann in die Scheffelstraße und zu guter Letzt zogen sie vor 25 Jahren in die Räumlichkeiten der ehemaligen Metzgerei Merklinger. „Unsere Stammkundschaft ließ uns nie im Stich und folgte uns überall hin, dafür sind wir sehr dankbar.“

Von Achern über Baden-Baden bis Durmersheim kommen inzwischen die Kunden, auch die örtlichen Gastronomie- und Hotelleriebetriebe nehmen gerne ihre Dienstleistungen in Anspruch. Im Laufe der Jahre boten die Roses neben dem Heißmangeln auch das Waschen und Bügeln von Kleidungsstücken an.

Auf besonderen Wunsch der Kundschaft kam zuletzt die Reinigungsannahme hinzu.

Nach so vielen Berufsjahren kennt Diana Rose ihre Kunden mit Namen, ihre offene und herzliche Art lässt manchen auf ein kleines Schwätzchen verweilen.

Obwohl das Jahr 2020 beherrscht wird von Corona-Maßnahmen, bleiben beide Geschäfte gut frequentiert: „Unser großes Plus sind die durchgehenden Öffnungszeiten an den Werktagen von 8 bis 18 Uhr“, ist sie überzeugt.

Zwei ihrer Angestellten werden sich ebenfalls zur Ruhe setzen, eine weitere Mitarbeiterin sucht ein neues Betätigungsfeld. Die professionellen Bügelstationen und die Waschmaschinen haben schon neue Abnehmer gefunden, nicht jedoch die Heißmangel: „Das ist mein Schätzchen, das möchte ich nicht unter Wert verkaufen.“ Zur Not stehe das Gerät erst mal in der heimischen Garage in Ottersdorf, wo das Ehepaar inzwischen wohnt.

Im Laden hängt noch eine Doppelstange mit nicht abgeholten Kleidungsstücken. Hat sie dafür eine Erklärung? „Vergessen, verstorben, weggezogen, kein Interesse mehr“, antwortet Diana Rose. Sie habe immer versucht, die Besitzer zu kontaktieren und zur Abholung zu bewegen. Nach der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist von zwölf Monaten möchte sie nun die liegen gebliebene Ware kostengünstig abgeben. Was nicht verkauft werden könne, werde als Spende weitergegeben.

Helmut Rose kommt zum Gespräch hinzu. Seine Arbeitstage sind eng getaktet, viele Hundebesitzer ergreifen die Chance, noch Termine für ihre Tiere wahrzunehmen. Bereits vor einem Jahr plante das Ehepaar seinen beruflichen Rückzug, verwarf aber den Gedanken wieder: „Unsere Arbeit macht uns einfach noch so viel Spaß.“

Aber Helmut Rose zuckt mit den Achseln: „Tja, wann ist jemals der richtige Zeitpunkt aufzuhören?“ Wenn es nach ihm ginge, würde er noch fünf Jahre dranhängen wollen. „Aber dann wäre ich 75 Jahre alt, und wer weiß, was dann ist?“

Beide haben ihren Frieden mit ihrer Entscheidung gemacht und freuen sich auf die Zeit, die vor ihnen liegt. Für den Abschied wünscht sich Diana Rose, „dass wir in guter Erinnerung bleiben.“


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.