Hundseck: Eigentümer abgetaucht

Bühl/Ottersweier (sre) – Die Zukunft der Ruine und des Areals von Hundseck an der Schwarzwaldhochstraße steht weiter in den Sternen. Auch nach dem jüngsten Gerichtsurteil sind noch viele Fragen offen.

Trauriger Anblick: Und nach wie vor lagert rund um die Reste der Hundseck-Ruine Schutt. Foto: Bernhard Margull/Archiv

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Trauriger Anblick: Und nach wie vor lagert rund um die Reste der Hundseck-Ruine Schutt. Foto: Bernhard Margull/Archiv

Auch nach einem Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichts Karlsruhe sind rund um die Ruine Hundseck noch viele Fragen offen. Der Schutt vom Teilabriss Anfang des Jahres bleibt erst einmal auf dem Gelände der ehemaligen Hotelanlage liegen – und obwohl es interessierte Investoren gibt, steht die Zukunft des Areals in den Sternen.

Wer muss zahlen für die Schuttentsorgung nach dem ersten Teilabriss der Hundseck-Ruine? Darüber hatten sich der Landkreis Rastatt und das Land Baden-Württemberg vor Gericht gestritten. Dabei war es um den Teilabbruch im Herbst 2012 gegangen: Diesen hatte die Stadt Bühl als zuständige Baurechtsbehörde angeordnet, weil Gebäudeteile drohten, auf die Straße zu stürzen, und die Eigentümer untätig blieben. Die Entsorgung des Abfalls ordnete das Landratsamt Rastatt als zuständige Abfallbehörde an.

Weil das Landratsamt die entstandenen Kosten von den laut Gericht mittellosen Eigentümern nicht zurückbekam, wandte man sich ans Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe. Dieses lehnte eine Erstattung aber ab: Der Landkreis müsse sich an die Stadt Bühl halten, die aufgrund ihrer Abbruchanordnung als Erzeugerin des Abfalls anzusehen sei, wurde argumentiert. Durch ihr Vorgehen würden Stadt und Landratsamt bewusst zusammenwirken, um die Entsorgungskosten nach dem Abbruch baufälliger Immobilien ans Land weiterzureichen. Laut Gericht war das Vorgehen von Landkreis und Stadt jedoch richtig – und das Land muss zahlen.

Schutt diesmal auf Privatgrundstück

Ob das RP dagegen Berufung einlegen wird, ist noch unklar. Derzeit prüfe man das mehr als 40 Seiten starke Urteil, hieß es dazu vonseiten der Behörde. Zudem befinde man sich noch in Abstimmung mit den zuständigen Ministerien. Oberbürgermeister Hubert Schnurr fühlt sich durch das Gerichtsurteil jedenfalls in seinem Vorgehen bestätigt: „Wir müssen tätig werden, wenn Gefahr in Verzug ist“, macht er klar. Das war nach dem ersten Abriss 2012 Anfang dieses Jahres erneut der Fall: Ein weiterer großer Teil der Ruine musste abgerissen werden, weil er einsturzgefährdet war. Der in diesem Jahr entstandene Schutt liegt allerdings immer noch vor Ort – und das wird diesmal wohl bis auf Weiteres auch so bleiben. Denn: Anders als 2012 liegt das Material nicht auf öffentlicher Fläche, sondern auf dem Privatgrundstück selbst. Deshalb, so Schnurr, werde auch das Landratsamt diesmal nicht tätig werden: „Das ist Sache des neuen oder des jetzigen Eigentümers.“ Schnurr schätzt die Chancen, dass sich auf dem Areal etwas tut, allerdings als gering ein, zumal die Eigentumsverhältnisse nicht eindeutig geklärt seien.

Komplettabriss in weiter Ferne

Auch Ottersweiers Bürgermeister Jürgen Pfetzer hat in diesem Zusammenhang wenig Positives zu berichten. „Wir sind immer noch auf der Suche nach einer Lösung, wie ein Eigentumsübergang stattfinden kann“, macht er klar. Das Problem: Es gibt laut Pfetzer interessierte Investoren, die das Areal gern kaufen würden. Doch dafür müsste man den Kontakt zu den bisherigen Eigentümern herstellen. Und die sind offenbar ins Ausland abgetaucht. „Wir versuchen permanent, in Kontakt zu treten“, berichtet Pfetzer. Man habe bisher aber noch nicht einmal eine Adresse ermitteln können.

Damit ist auch der von vielen Bürgern erhoffte Komplettabriss des „Schandflecks“ an der Schwarzwaldhochstraße in weiter Ferne. Die einzige Chance könnte ein schneereicher Winter sein: Wenn erneut ein Einsturz droht, würde die Stadt Bühl als Baurechtsbehörde wieder tätig werden. „Es gibt ständige Kontrollen“, sagt OB Schnurr. Auf den Abbruchkosten würde dann allerdings wieder die Stadt sitzen bleiben. Diese hat laut Schnurr für die bisherigen Abrissarbeiten bereits einen knapp sechsstelligen Betrag zahlen müssen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
23. November 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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