IG Metall bereitet sich auf Warnstreiks vor

Gaggenau (uj) – Die Friedenspflicht endet am 2. März. Dann könnten in der Metall-Industrie Warnstreiks beginnen. Dass betonte Claudia Peter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, am Montag.

Bei der Fertigung von Achsen für den Arocs-Lkw tragen Mitarbeiter des Benz-Werks Gaggenau Schutzmasken. Foto: Ulrich Jahn/Archiv

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Bei der Fertigung von Achsen für den Arocs-Lkw tragen Mitarbeiter des Benz-Werks Gaggenau Schutzmasken. Foto: Ulrich Jahn/Archiv

Eine gesperrte Hauptstraße in Gaggenau, mitten im Benz-Werk, und Tausende Teilnehmer an Protestkundgebungen – das wird es in diesem Jahr im Zuge der Tarifverhandlungen nicht geben. Die Gewerkschaft werde sich an Abstands- und Hygienebedingungen halten, auch in Tarifauseinandersetzungen, sagte Peter.

Die Corona-Pandemie zog sich wie ein roter Faden durch das Pressegespräch, zu dem die Gewerkschaft am Montag geladen hatte. „Wenn Corona nicht wäre, wären wir auf einem guten Weg“, sagte Udo Roth, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender des Benz-Werks Gaggenau. Wichtig sei, dass Industriebetriebe nicht komplett vom Lockdown betroffen seien. Bezüglich der Infektionen stehe man bei Benz in Gaggenau sehr gut da. Die Leute würden Masken tragen, auch andere Maßnahmen wie Desinfektionen würden wirken. Ähnlich schilderte Murat Sür, Betriebsratsvorsitzender im Benz-Werk Rastatt, die Situation. Positiv sei, dass man am Standort wieder Fahrzeuge herstellen könne. Die Kurzarbeit ende am 8. Februar. Er sei froh, dass dann mit Nachtarbeit und in Wechselschichten produziert werde.

Gute Auftragslage bei Siemens Rastatt

Von einer guten Auftragslage und Auslastung seit Beginn der Corona-Pandemie sprach Alexandra Schlager, Betriebsratsvorsitzende bei Siemens Rastatt. Die Beschäftigten hätten sich mit Corona arrangiert. Im Unternehmen seien richtige und gute Maßnahmen getroffen worden. Auch für Ruf Betten Rastatt sei 2020 ein relativ erfolgreiches Jahr gewesen. „Im Endeffekt haben viele Möbel gekauft“, betonte Betriebsratsvorsitzender Klaus Schulz. Dieses Jahr seien dagegen alle Läden zu. Ab Donnerstag sei die Kurzarbeit beendet, man könne bei Ruf eine Woche lang produzieren und müsse dann schauen, wie es mit dem Lockdown weitergeht.

Claudia Peter beschrieb die aktuelle Corona-Situation mit drastischen Worten: „Es geht allen auf den Keks.“ Die Betriebe in der Region seien dagegen diesbezüglich vorbildlich unterwegs und hätten entsprechende Maßnahmen ergriffen. Die Mitarbeiter seien besser geschützt, wenn sie arbeiten gehen, schlussfolgerte die IGM-Chefin.

Auch die IG Metall Gaggenau bleibt nicht verschont vom bundesweiten Trend bezüglich des Rückgangs bei den Mitgliederzahlen. Im vergangenen Jahr habe man 1.500 verloren. Darunter seien mehr als 700 Leiharbeiter gewesen. Außerdem hätten einige Betriebe Stellen abgebaut oder ganz zu gemacht. Aktuell zählt die IG Metall Gaggenau 23.038 Mitglieder, darunter 14.122 betriebliche Mitglieder. Bei den neu eingestellten Auszubildenden habe man rund 80 Prozent für eine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft gewinnen können, freute sich Peter.

Bezüglich der Tarifrunde meinte sie, für die Arbeitgeber gebe es nie den richtigen Zeitpunkt, um Neuerungen umzusetzen. „Die IG Metall macht eine gute Tarifpolitik“, sagte die Erste Bevollmächtigte. Die Forderungen würden sich nicht nur auf die Erhöhung der Einkommen beziehen.

In diesem Jahr gehe es auch um eine Beschäftigungssicherung durch Arbeitszeitreduzierung mit Teilentgeltausgleich. Für beide Themen gebe es ein Forderungsvolumen von insgesamt vier Prozent.

Manteltarifvertrag für Azubis muss modernisiert werden

Der Manteltarifvertrag für Auszubildende sei mittlerweile 42 Jahre alt. Dieser habe sich bewährt, müsse aber überarbeitet und modernisiert werden. Dies natürlich mit den dual Studierenden, die drei Monate an der Hochschule und drei Monate im Betrieb seien. Für diesen Monat sind die Fortsetzung der Diskussionen und die Aktivitäten in der Friedenspflicht Schwerpunkte der gewerkschaftlichen Arbeit. Am 2. März endet die Friedenspflicht, es könnten, so Peter, Warnstreiks beginnen. Zusammenfassend meinte sie: „Es knirscht ganz gewaltig.“

In der Branche Textil und Bekleidung gibt es nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Martin Obst nichts Positives zu vermelden. Die Arbeitgeber hätten alles abgelehnt – „aus ideologischen Gründen“. Gestern habe die Friedenspflicht geendet.

Bei Mayr Melnhof Gernsbach wurde ein neuer Haustarifvertrag vereinbart, berichtete Bodo Seiler, Zweiter Bevollmächtigter der IGM. In der Summe ergebe das in zwei Stufen eine Erhöhung um 2,5 Prozent. Abschließend erinnerte Claudia Peter daran, dass im März 2022 die nächsten Betriebsratswahlen anstünden.

Mit Blick auf die Landtagswahl veranstaltet die Gewerkschaft insgesamt vier Webtalks mit den Kandidaten der im Landtag vertretenen demokratischen Parteien.

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Erstellt:
1. Februar 2021, 22:00 Uhr
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