„Ich habe gehofft, dass Macron mehr Stimmen im Bas-Rhin holt“

Haguenau/Lauterbourg (ar) – Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat Amtsinhaber Macron im Elsass zwar gesiegt, aber auch Le Pen war stark. Der Bürgermeister von Soufflenheim ist enttäuscht.

Im Elsass hat zwar Macron gewonnen, doch Le Pen liegt nur knapp hinter ihm – in einigen  Kommunen hat die Rechtspopulistin teils deutlich die Nase vorn. Foto: Foto: Ludovic Marin/AFP/dpa

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Im Elsass hat zwar Macron gewonnen, doch Le Pen liegt nur knapp hinter ihm – in einigen Kommunen hat die Rechtspopulistin teils deutlich die Nase vorn. Foto: Foto: Ludovic Marin/AFP/dpa

Sie wohnen im Elsass und arbeiten im Badischen. Sie profitieren vom europäischen Binnenmarkt mit seinen offenen Grenzen und dennoch wählten viele von ihnen am Sonntag wieder eine Politikerin, die als europafeindlich gilt.

In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich erhielt in diesem Jahr zwar Amtsinhaber Emmanuel Macron im Bas-Rhin (Unterelsass) 30,7 Prozent der Stimmen, doch die Rechtspopulistin Marine Le Pen folgt ihm dicht auf mit 25,3 Prozent. In der Stichwahl am 24. April werden die Weichen für Frankreichs Zukunft gestellt.

Wieder waren es insbesondere die kleinen Gemeinden entlang des Rheins, in denen Le Pen die Mehrheit holte. Doch während bei den letzten Präsidentschaftswahlen vor fünf Jahren Marine Le Pen und ihre damalige Front National im Unterelsass als Siegerin hervorging, konnte Emmanuel Macrons Partei La République en Marche einige Kommunen zurückerobern.

Großer Verlierer ist im Bas-Rhin die bis vor fünf Jahren gut im Rennen liegende Partei Les Républicains mit ihrer bürgerlich-rechtsliberalen Orientierung. Sie verlor ihre Stimmen an Macron, wie auch in Lauterbourg. Die Republikaner mit ihrer Kandidatin Valérie Pécresse kamen im Bas-Rhin auf lediglich 4,3 Prozent. „Für meine Partei Les Républicains sieht es nicht gut aus“, hatte Frédéric Reiss, Abgeordneter in der Nationalversammlung, bereits vor dem Wahlsonntag gesagt. Seine Hoffnungen ruhen nun auf den Parlamentswahlen im Juni dieses Jahres.

Auch die Sozialisten und linksgerichteten Parteien sind bei den Wählern im Bas-Rhin nicht mehr gefragt. Lediglich in der elsässischen Hauptstadt Straßburg mit ihrer multikulturellen Vielfalt konnte Jean-Luc Mélenchon von der linken Partei La France Insoumise (Unbeugsames Frankreich) mit 35,5 Prozent der Stimmen punkten den Amtsinhaber mit 30,2 Prozent auf Platz zwei verweisen. Marine Le Pen fiel zurück auf 11,06 Prozent, weniger als vor fünf Jahren.

„Die Krise in der Demokratie verschärft sich“, schrieb Frédéric Bierry, Präsident der Collectivité Européenne d’Alsace, noch am Wahlabend. Tatsächlich machten rund 25 Prozent aller im Elsass eingeschriebenen Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch. Dies sei das Ende der Treue zu den traditionellen politischen Regierungsparteien, so Bierry.

„Ich bin enttäuscht, ich habe gehofft, dass Macron mehr Stimmen im Bas-Rhin holt“, sagte Camille Scheydecker, Bürgermeister aus Soufflenheim und Vizepräsident des Pamina-Rheinpark. Viele Leute seien unzufrieden, hofften, dass sie mit Le Pen mehr verdienten und sie ihre Versprechen halten würde. Die Wirklichkeit sehe aber anders aus. Scheydecker hat keine Erklärungen, warum insbesondere in der Grenzregion die Menschen sich für eine europafeindliche Kandidatin aussprechen. „Sie leben und jammern auf einem hohen Niveau, denn es geht ihnen hier besser als den Menschen im Inneren Frankreichs“.

Die Ergebnisse:

Haguenau: Macron 31,4 Prozent, Le Pen 27,7 Prozent
Soufflenheim: Le Pen 35,5 Prozent, Macron 28 Prozent
Drusenheim: Le Pen 35,6 Prozent, Macron 30,1 Prozent
Dalhunden: Le Pen 45,6 Prozent, Macron 23,4 Prozent
Fort-Louis: Le Pen 42,9 Prozent, Macron 26,3 Prozent
Roeschwoog: Le Pen 34,5 Prozent, Macron 30,6 Prozent
Roppenheim: Le Pen 43 Prozent, Macron 27,8 Prozent
Beinheim: Macron 36,3 Prozent, Le Pen 31,7 Prozent
Seltz: Le Pen 41,2 Prozent, Macron 27,3 Prozent
Munchhausen: Macron 37,1 Prozent, Macron 35,3 Prozent
Lauterbourg: Macron 31,2 Prozent, Le Pen 24,7 Prozent
Wissembourg: Macron 34,3 Prozent, Le Pen 23,8 Prozent

Ihr Autor

BT-Mitarbeiterin Anne-Rose Gangl

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Erstellt:
12. April 2022, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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