Iffezheim: Spezielles Futter für Allergiker in Pferdeklinik

Baden-Baden/Iffezheim (nie) – Mit Bedampfen gegen Atemwegsprobleme: In der Iffezheimer Pferdeklinik bekommen Allergiker speziell zubereitetes Futter. Das Personal ist auch bei der Großen Woche dabei.

Das duftet gut und kommt bei den Pferden gut an: Tierärztin Gabriella Werner beim sogenannten Heubedampfer. Foto: Nina Ernst

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Das duftet gut und kommt bei den Pferden gut an: Tierärztin Gabriella Werner beim sogenannten Heubedampfer. Foto: Nina Ernst

„Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein.“ Das soll schon Hippokrates gesagt haben. Auch in der Pferdeklinik in Iffezheim arbeitet man gewissermaßen nach dieser Aussage. Neben Operationen und Medikamenten, die den Vierbeinern helfen sollen, gibt es beispielsweise für Patienten, die unter Atemwegsproblemen leiden, spezielles Futter: Bedampftes Heu.

Wenn Tierärztin Dr. Gabriella Werner den Deckel der schwarzen großen Kiste öffnet, steigt einem ein angenehm würziger Geruch in die Nase: Dort im Heubedampfer wird das angelieferte Futter für die kranken Pferde zubereitet. „Es geht um die Staubminimierung“, bringt es Gabriella Werner auf den Punkt. Denn selbst qualitativ gutes Heu sei nicht frei von vielen kleinen Schwebepartikeln, die in die – oft sowieso schon kranken – Atemwege der Pferde gelangen und dort für Entzündungen und allergische Reaktionen sorgen können. Und genau da setze die gängige Methode des Bedampfens an, erklärt die engagierte Tierärztin: die Schwebeteilchen werden gebunden, Pilze, Bakterien und Sporen werden abgetötet.

Temperaturen bis zu 100 Grad

Allergeiauslösende Eigenschaften des Heus werden so ausgelöscht. Für das Bedampfen wird Wasser in einem großen „Wasserkocher“ (auf dem Foto rechts neben der Kiste zu sehen) gekocht, der entstehende Dampf wird über einen Schlauch in die Kiste und über Düsen durch das Heu geleitet. Temperaturen bis zu 100 Grad sollten erreicht werden. Und im Gegensatz zum Wässern des Heus (Heu in Wasser, abtropfen lassen und verfüttern) bleiben dabei mehr Nährstoffe erhalten. Und den Pferden schmeckt es, weiß Gabriella Werner, die seit 1998 in der Klinik an der Rennbahn arbeitet, aus Erfahrung.

Doch das so behandelte Heu sei nicht nur gutes und angenehmes Futter für die sogenannten Heustauballergiker oder Pferde mit chronischer Bronchitis, sondern auch willkommen bei Patienten mit Magen-Darm-Geschichten.

Und ebenso bunt ist sowieso die Palette an Krankheitsbildern, die die insgesamt 13 Tierärzte in der Klinik tagtäglich zu behandeln haben. Dafür ist alles vorhanden: Große Operationssäle, Aufwachboxen für nach der Narkose, ein großer CT-Raum, Boxen für Pferde, die intensiv betreut werden müssen, Gerätschaften für die Szintigrafie und vieles mehr. Rund um die Uhr sind die Veterinärmediziner erreichbar und im Einsatz.

„Zwei Ärzte von uns sind auf der Bahn“

Und auch bei der Großen Woche auf der direkt benachbarten Galopprennbahn mischen sie traditionell mit. „Zwei Ärzte von uns sind auf der Bahn“, blickt Werner auf die Veranstaltung. Und ein Mitarbeiter aus dem Team sei vom normalen Klinikalltag freigestellt, um bereit zu sein, wenn die Galopper ärztliche Hilfe benötigen. Bei den Rennpferden würde es sich hauptsächlich um orthopädische Einsätze handeln – aber auch auf alle anderen Bereiche sei man vorbereitet. Und auch bei Kleinigkeiten oder bei der Dopingabnahme sei der Rat der Ärzte gefragt. Aber natürlich hoffe man immer, dass nichts passiert und keine Verletzungen auftreten. Auch das sei glücklicherweise schon vorgekommen. Und so wird im Tierarzt-Team die ganze Woche über die Daumen gedrückt für verletzungsfreie Rennen und wenig Einsätze. Nicht, um sich vor der Arbeit zu drücken, sondern einfach für die Gesundheit der Pferde.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nina Ernst

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Erstellt:
1. September 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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