Igelbachbad soll eine Saison pausieren

Gernsbach (stj) – „Der Haushalt 2021 stellt eine harte Zäsur dar“: Das geht aus dem aktuellen Bericht zur finanziellen Situation der Stadt Gernsbach hervor.

Bleibt 2021 wohl geschlossen: Das Gernsbacher Igelbachbad. Foto: Stadt Gernsbach

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Bleibt 2021 wohl geschlossen: Das Gernsbacher Igelbachbad. Foto: Stadt Gernsbach

Was sich schon länger anbahnte, wird nun Gewissheit: Die Bürger Gernsbachs müssen sich auf teils drastische Einschnitte einstellen. Das geht aus dem Bericht zur finanziellen Lage der Papiermacherstadt hervor, der am Montag im Gemeinderat vorgestellt wurde. „Der Haushalt 2021 stellt eine harte Zäsur da“, heißt es in dem von Kämmerer Benedikt Lang und Bürgermeister Julian Christ unterzeichneten Papier.

Im Bereich der freiwilligen Leistungen habe der Rotstift bei Aufgaben angesetzt werden müssen, die seit Jahren auf der Agenda standen: „In Bereichen wie Kultur, Tourismus und Veranstaltungen wurden die Sachkosten pauschal um 50 Prozent gekürzt.“ Quer durch alle Produktbereiche seien die Ansätze flächendeckend um 20 Prozent reduziert worden: „De facto wird das Einsparziel der im Jahr 2020 eingeführten Haushaltssperre damit von zehn auf zwanzig Prozent ausgeweitet. Betroffen davon sind neben der Kernverwaltung auch Bauhof, Feuerwehr, Kindergärten und die Budgets der Schulen. Ebenso muss eine Kürzung aller Zuschüsse an Vereine sowie sozialen und kulturellen Einrichtungen von 20 Prozent vorgeschlagen werden.“ Im freiwilligen Aufgabenbereich werden die Auswirkungen des Sparkurses besonders spürbar: „Veranstaltungen werden ausfallen, Blumenschmuck und Grünpflege werden verringert und es wird vorgeschlagen, zumindest das Freibad in der Kernstadt im Corona Jahr 2021 nicht zu öffnen.“

Für Baumaßnahmen sind im Jahr 2021 rund 6,88 Millionen Euro veranschlagt

Trotz aller Sparzwänge möchte Bürgermeister Christ die Umsetzung geplanter Investitionen verlässlich fortsetzen, damit die Corona-Krise in Gernsbach keinen weiteren Anstieg des Sanierungsstaus verursacht. Für Baumaßnahmen sind daher im Jahr 2021 rund 6,88 Millionen Euro veranschlagt. Im Folgejahr sollen rund 10 Millionen folgen. Die Mittel sollen fast ausschließlich in die Sanierung von Schulen und Erziehungseinrichtungen (5,7 Millionen Euro zur Sanierung der Realschule, 1,37 Millionen für die Sanierung der Von-Drais Gemeinschaftsschule und 300 000 für die Sanierung der Kindertagesstätte Rockertstrolche) sowie mit 6,38 Millionen Euro bis 2023 in den Hochwasserschutz an der Murg fließen, listet die Verwaltungsspitze auf. Dringend notwendige Maßnahmen wie die Sanierung der Grundschule, die Sanierung des Rathauses und des Bauhofs können unter den gegebenen Rahmenbedingungen aber nicht veranschlagt werden, heißt es im Haushaltsvorbericht weiter.

Folgende weitere Einzelprojekte stehen für das Jahr 2021 im Haushaltsplanentwurf:

- Verwaltungsgebäude Rathaus: 140.000 Euro (davon 100.000 für dringende EDV-Kabelverlegungen und 30.000 für defekte Fenster).
- Feuerwehr: 250 000 Euro (davon 10.000 für Lichtgitter, 55.000 für die Sanierung von Umkleiden, 100.000 für den Einbau von Legionellenspülungen und 80.000 für die Reparatur des Dachs am Gerätehaus in Staufenberg).
- Gymnasium: 53.000 Euro (davon 15.000 für Brandschutz und 28.000 für die Folierung von Fenstern zum Hitzeschutz).
- Jugendhaus: 160.000 Euro (davon 150.000 für die Umgestaltung des Gebäudes).
- Staufenberghalle: 45.000 Euro (davon 36.000 für die Erneuerung der Notbeleuchtung).
- Bürgerhaus Lautenbach: 45.000 Euro (davon 12.000 für die Erneuerung der Notbeleuchtung).
- Ebersteinhalle Obertsrot: 70.000 Euro (davon 60.000 für die Erneuerung der Trennvorhänge zwecks Schulsport).
- Mietwohnungen: 115.000 Euro (davon 65.000 für die Instandsetzung der Wohnung Schwimmbad 1 in Obertsrot).
- Straßen und Plätze: 250.000 Euro.
- Spielplätze: 75.000 Euro (Ersatz und Reparatur Spielgeräte).
- Stadtwald: 67.000 Euro (Instandhaltung Waldwege).
- Tourismus: 28.000 Euro (Instandhaltung Wanderwege).
- Freibad im Igelbachtal: 250.000 Euro (220.000 für die Sanierung des Kinderplanschbeckens und 20.000 für die Reparatur der Absorberanlage).

Personalressourcen für Stadtteilbäder schaffen

Zum Freibad im Igelbachtal ergänzt die Verwaltungsspitze in ihrem Bericht, dass im Corona-Jahr 2020 nur rund 5.000 Besuche registriert wurden. Der coronakonforme Betrieb mit Online-System habe nach Anlaufschwierigkeiten gut funktioniert, ein größerer Andrang an Besuchern sei dennoch ausgeblieben. Als Grund dafür sei auch das defekte Kinderplanschbecken als fehlende Attraktionen zu nennen, weshalb viele Familien fern geblieben seien. Von einem Betrieb im Jahr 2021 soll zudem abgesehen werden, um hinreichend Personalressourcen für die Stadtteilbäder bereithalten zu können. Auch nach intensiven Bemühungen haben nicht alle vakanten Stellen besetzt werden können, erläutert die Stadt. Zudem ergebe sich ohne eine Saison im Igelbachbad eine Kostenersparnis von bis zu 150.000 Euro an Personalaufwendungen und Bewirtschaftungskosten, womit man einen Großteil der Reparaturarbeiten des Kinderplanschbecken decken könne. Ziel sei eine Wiederaufnahme des Betriebs im Igelbachbad in voll funktionstüchtigem Zustand im Jahr 2022.

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Erstellt:
18. Januar 2021, 15:30 Uhr
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