„Ignatz“ knickt auch in Mittelbaden Bäume um

Baden-Baden/Offenbach (dpa/BT) – Sturmtief „Ignatz“ ist am Donnerstag über Deutschland hinweggefegt. Auch in Mittelbaden gab es Einsätze wegen umgestürzter Bäume und herabgefallener Äste.

Sturm „Ignatz“ fegt mit hohen Geschwindigkeiten auch über Mittelbaden hinweg. Es gab aber nur wenige schwerere Vorkommnisse. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

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Sturm „Ignatz“ fegt mit hohen Geschwindigkeiten auch über Mittelbaden hinweg. Es gab aber nur wenige schwerere Vorkommnisse. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Das Sturmtief „Ignatz“ startete am frühen Donnerstagmorgen seinen Zug über Deutschland. Der erste kräftige Herbststurm des Jahres brachte vielerorts heftige Böen mit sich, teils auch Gewitter und Regen. Im Laufe des Donnerstags rechnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) in einem Streifen über die Mitte bis in den Osten und Nordosten Deutschlands mit schweren Sturmböen und teilweise orkanartigen Böen von bis zu 105 Kilometern pro Stunde. Im Bergland wurden sogar Orkanböen mit bis zu 120 Stundenkilometern erwartet. Für Teile des Schwarzwalds wurde am Donnerstagmorgen dann eine Unwetterwarnung herausgegeben. Seinen Höhepunkt erreichte der Sturm im Raum Mittelbaden im Laufe des Vormittags. Gegen Abend soll sich der Wind wieder abschwächen.

Einige Bahnstrecken mussten im Land gesperrt werden, weil Bäume oder Äste die Schienen blockierten. Die Deutsche Bahn berichtete von Zugausfällen und Verspätungen, einige Strecken wurden komplett gesperrt. Zu Behinderungen kam es auch im Stadtbahnbetrieb, unter anderem auf den Linien S7/S8 zwischen Karlsruhe und Rastatt.

Sturmschäden in Mittelbaden

Das für Mittelbaden und den Ortenaukreis zuständige Polizeipräsidium Offenburg verzeichnete mehr als 50 Einsätze. Hierbei waren der Landkreis Rastatt, der Stadtkreis Baden-Baden sowie der Ortenaukreis gleichermaßen betroffen. Größere Schadensereignisse blieben allerdings aus, teilte das Präsidium am Mittag mit. In erster Linie haben umgestürzte Bäume, umgefallene Bauzaunelemente und Verkehrsschilder, aber auch sich lösende Dachziegel und wegwehende Planen für einzelne Behinderungen gesorgt. Im Gaggenauer Stadtteil Michelbach ist um kurz nach 8 Uhr in der Siedlungsstraße ein Baum auf ein Dach gestürzt. Verletzt wurde hierbei offenbar niemand. Eine Fachfirma hob den Baum vom Haus weg, um weniger Schaden anzurichten, und die Feuerwehrabteilung Michelbach zersägte anschließend einen Teil und säuberte die Straße. Gleich im Anschluss blockierte ein Baum die Michelbacher Hagengasse. Die Feuerwehr beseitigte das Hindernis.

Zwischen 8.15 Uhr und 8.45 Uhr kam es in einzelnen Straßen in Offenburg zu einer Gefährdung durch herabfallende Dachziegel.

In der Baden-Badener Kaiserallee war die Fahrbahn infolge durch Laub verstopfter Gullys zwischen 7 Uhr und 9 Uhr teilweise überflutet. Der Betrieb der Merkur-Bergbahn war vorsichtshalber eingestellt worden, dort waren einzelne Äste auf die Gleise gefallen. In Sandweier stürzte ein Baum auf ein Garagendach, auch im Gewerbegiebt Oos-West und im Stadtwald fielen einige Bäume um. Spaziergänger sollten bei einem Aufenthalt im Wald in den kommenden Tagen Vorsicht walten lassen, weil weiterhin vereinzelt Äste herabstürzen können, teilte die städtische Pressestelle mit.

In der Schillerstraße in Rastatt sind gegen 9 Uhr mehrere Verkehrsschilder umgefallen. Eines davon ist in der Heckscheibe eines Autos eingeschlagen. In der Rauentaler Straße stürzte ein Baum auf einen Fußweg. Die Summe der durch den Sturm verursachten Sachschäden konnten zunächst noch nicht abgeschätzt werden.

Baum stürzt auf 64-jährigen Mann

Im Dienstbezirk des Polizeipräsidiums Karlsruhe wurden bis Mittag etwa 200 Einsätze mit Gefahrenlagen oder Unwetterschäden abgearbeitet. Zum überwiegenden Teil handelte es sich um abgebrochene Äste, umgestürzte Bäume und Bauzäune, umgeknickte Verkehrszeichen sowie beschädigte Dächer und Fahrzeuge. Die Polizei gibt den entstandenen Sachschaden laut einer ersten Schätzung mit etwa 500.000 Euro an. In Völkersbach brach gegen 9.30 Uhr ein größerer Baum am Waldrand und stürzte auf einen 64-Jährigen, der sich auf einer angrenzenden Pferdekoppel aufhielt. Er wurde dabei lebensgefährlich verletzt. In Zaisenhausen brachte der Sturm gegen 9.20 Uhr die Giebelwände eines eingerüsteten Rohbaus zum Einsturz. Ein daneben aufgestellter Baukran drohte umzustürzen, konnte jedoch rechtzeitig gesichert werden. Personen kamen nicht zu Schaden. Im Bereich Sulzfeld und Zaisenhausen blieben zwei Straßenbahnen aufgrund eines auf die Oberleitung gefallenen Baumes auf freier Strecke liegen. Die Fahrgäste konnten die Bahnen wohlbehalten verlassen.

Wegen des Sturms kommt es im Bahnverkehr zu Verspätungen und Zugausfällen. Foto: Markus Langer

Wegen des Sturms kommt es im Bahnverkehr zu Verspätungen und Zugausfällen. Foto: Markus Langer

In Baden-Württemberg waren vor allem Schwarzwald sowie die nördlichen Landesteile betroffen. Noch in der Dunkelheit wurden erste Schäden gemeldet. So trafen beispielsweise bei der Polizei in Pforzheim Berichte über zahlreiche beschädigte Autos ein. Ob Menschen verletzt wurden, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Als Reaktion auf die zerstörerische Kraft des Sturmtiefs blieben sowohl der Badener Wildpark als auch der Hauptfriedhof in Pforzheim geschlossen.

In Ludwigsburg war aufgrund der Wucht des Sturmtiefs ein größeres Gerüst auf ein Gebäude gestürzt, wie die Polizei mitteilte. Nähere Angaben waren zunächst nicht bekannt.

Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald waren Wege und Straßen durch umgestürzte Bäume teilweise nicht befahrbar. Bei Hinterzarten war ein Baum auf die Oberleitung und einen Zug gestürzt. Feuerwehr und Rettungsdienst waren im Einsatz, verletzt wurde ersten Angaben zufolge niemand.

Bei Philippsburg stürzte der Anhänger eines Lastwagens um, wie die Polizei mitteilte. Das Gespann sei am Donnerstagmorgen in Richtung Bruchsal unterwegs gewesen, als der Anhänger auf einer Brücke von einer starken Windböe erfasst und auf die Seite geworfen wurde. Auf der A61 blockierte ein umgestürzter Lkw-Anhänger die Fahrbahn. Der Sturm wütete auch in Mannheim und sorgte dafür, dass mehrere Lastwagen auf der Rheinbrücke querstanden. Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte waren im Einsatz.

In der Stadt konnten die Menschen am Donnerstag weder Parks noch Friedhöfe besuchen. Beerdigungen fanden statt. Im Stadtgebiet waren seit dem frühen Morgen Einsatzkräfte der Feuerwehr unterwegs, um Sturmschäden zu beseitigen. Ziegel waren von Dächern geweht worden, umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste sorgten für viel Arbeit.

Aufgrund des Unwetters blieb auch der Zoo in der Nachbarstadt Heidelberg am Donnerstag vorsorglich geschlossen. „Wir möchten kein Risiko eingehen“, hieß es vom Zoo.

Einen Bericht über die bundesweiten Auswirkungen können Sie hier lesen.

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Erstellt:
21. Oktober 2021, 10:49 Uhr
Aktualisiert:
21. Oktober 2021, 14:14 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 45sec

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