Illegale Geschäfte in Kiffer-WG

Gernsbach (stj) – Weil ein 20-Jähriger Marihuana konsumiert und verkauft haben soll, hat ihn das Amtsgericht Gernsbach zu einer Geldstrafe verurteilt.

Das Amtsgericht Gernsbach verurteilt einen 20-Jährigen zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro an den Sozialen Kraftsportverein Gaggenau, weil bei einer Razzia in seiner früheren Wohnung mehr als zehn Gramm Marihuana gefunden wurden. Foto: dpa

Das Amtsgericht Gernsbach verurteilt einen 20-Jährigen zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro an den Sozialen Kraftsportverein Gaggenau, weil bei einer Razzia in seiner früheren Wohnung mehr als zehn Gramm Marihuana gefunden wurden. Foto: dpa

1.500 Euro muss ein 20-Jähriger an den Sozialen Kraftsportverein Gaggenau bezahlen, weil am 24. Januar dieses Jahres bei einer Razzia in seiner damaligen Wohnung mehr als zehn Gramm Marihuana gefunden wurden. Der Großteil davon befand sich portioniert und in Zip-Tütchen verpackt unter der Bettdecke versteckt. Zudem entdeckten die Polizisten zwei Feinwaagen und 125 Euro mutmaßliches Dealgeld im Zimmer des Angeklagten, der sich deshalb gestern wegen unerlaubten Besitzes von und Handeltreibens mit Betäubungsmitteln vor dem Amtsgericht Gernsbach zu verantworten hatte.

Den Drogenfund und seinen Konsum gab der junge Mann aus Gernsbach zu. Aber: „Ich habe nicht gehandelt.“ Das kaufte ihm der erste Oberamtsanwalt Helmut Schäfer als Vertreter der Staatsanwaltschaft Baden-Baden nicht ab: „Wollen Sie uns für dumm verkaufen?“, fragte er mit Blick auf die eindeutigen Indizien, die die Beamten bei der Razzia in der von Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch als „Kiffer-WG“ bezeichneten Wohnung in Gernsbach sichergestellt hatten. Die früheren Mitbewohner sind allesamt amtsbekannt und mussten sich ebenfalls schon vor Gericht verantworten. Einer von ihnen hatte in einer Aussage im Rahmen eines anderen Strafverfahrens den 20-Jährigen dahingehend belastet, dass auch er mit Marihuana gehandelt habe.

Ausbildungsplatz in Aussicht

Ein Großteil des gestrigen Strafverfahrens widmete sich der Vita des Angeklagten, dessen Eltern früher oft umgezogen und mittlerweile getrennt seien. Zum Vater habe der 20-Jährige schon länger keinen Kontakt mehr. Inzwischen sei er aus „dem schlechten Umfeld“ der WG ausgezogen, habe den Drogen größtenteils abgeschworen und sei dabei, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Von seinem Verdienst als Leiharbeiter zahle er seine knapp 10.000 Euro hohen Schulden ab. In der zweiten Jahreshälfte 2021 habe er zudem einen Ausbildungsplatz in Aussicht. „Das wäre eine echte Chance für Sie“, redete Koch ihm ins Gewissen, die Finger von den Drogen zu lassen. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, verpflichtete der Richter den jungen Mann in seinem Urteil, Kontakt zur Drogenberatungsstelle aufzunehmen. Die sichergestellten Beweismittel samt der 125 Euro werden eingezogen, auch die Verfahrenskosten hat der Angeklagte zu übernehmen.

Der 20-Jährige, der bereits drei Einträge im Bundeszentralregister vorzuweisen hat (untere anderem gefährliche Körperverletzung), akzeptierte das Urteil, das somit rechtskräftig ist. Sollte er seinen Zahlungs- und weiteren Auflagen nicht nachkommen, droht Freizeitarrest. Zwei Wochen davon hatte die Staatsanwaltschaft gefordert, „als klares Signal“, dass er sich nichts mehr erlauben könne. Zumal für den zur Tatzeit 19-Jährigen diesmal noch Jugendstrafrecht zur Anwendung kam, was in Zukunft nicht mehr der Fall wäre.

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Erstellt:
3. November 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 17sec

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