Illegales Bordell in Kartung

Sinzheim (nie) – Ein anonymer Hinweis führt in Sinzheims Teilort Kartung zu Ermittlungen: Aufgedeckt wird ein illegales Bordell, getarnt als Massagesalon.

Was für eine Anwendung darf es sein? Ein als Massagesalon angemeldetes Gewerbe entpuppt sich nach einer Durchsuchung als Bordell. Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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Was für eine Anwendung darf es sein? Ein als Massagesalon angemeldetes Gewerbe entpuppt sich nach einer Durchsuchung als Bordell. Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Ein Termin im Massagesalon? Da ist doch nichts Verwerfliches dran. Sollte man meinen. Doch was der potenzielle Kunde vor Ort vorgefunden hat, das hatte dann doch eher weniger mit Massage zu tun. Nichtsahnend war er ins Rotlichtmilieu geraten – und zwar im beschaulichen Kartung.
Uwe Müller vom Sinzheimer Ordnungsamt bestätigt die Gerüchte, die jüngst im Seeräuberdorf die Runde machten: Im Dorf wurde ein Bordell betrieben. Illegal wohlgemerkt. Laut Müller ist es von Rechts wegen nicht gestattet, in einer Gemeinde mit unter 35.000 Einwohnern ein Bordell zu betreiben. In der offiziellen Verordnung der Landesregierung über das Verbot der Prostitution heißt es: „Zum Schutze der Jugend und des öffentlichen Anstandes wird für das ganze Gebiet von Gemeinden bis zu 35.000 Einwohnern verboten, der Prostitution nachzugehen.“ Sinzheim hat samt Teilorten etwa 11.500 Einwohner.

Gewerbe in der Straße In den Lissen

„Wir haben eine anonyme Mitteilung erhalten“, beschreibt Müller auf Nachfrage die Lage der Dinge. Am 7. Oktober sei der Gemeindeverwaltung ein Schreiben zugespielt worden, in dem ein anonymer Verfasser andeutet, dass sich in Kartung ein Bordell befindet. Wohl müssen ihm bei seinem vereinbarten Termin im „Massagesalon“ etwas andere Dienste angeboten worden sein. Wo genau das Gewerbe untergebracht war, verriet Uwe Müller nicht. Wolfgang Kramer, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Offenburg, bestätigte dagegen die BT-Informationen, dass es sich in der Straße In den Lissen befand. Welches Haus genau, sagte er jedoch nicht. Fakt ist laut Müller aber, dass es sich um ein Gebäude mit mehreren Wohnungen handelt, in dem wohl auch Kinder zuhause sind.

Und Fakt ist auch, dass das Bordell nicht mehr betrieben wird. Und das ging relativ schnell: Nachdem die Gemeinde den anonymen Brief erhalten habe, habe man den beschriebenen Vorwurf der Gewerbeaufsicht im Landratsamt gemeldet. Denn der Gemeinde habe lediglich eine Anmeldung für einen Massagebetrieb zum 1. August dieses Jahres vorgelegen. Mit zwei Kräften der Kriminalpolizei habe es dann am 27. Oktober eine Durchsuchung der Räumlichkeiten gegeben, so Müller.

Eindeutige Utensilien in den Räumen gefunden

Und tatsächlich: Drei junge ausländische Frauen, drei Zimmer mit je einem Bett und Nachttischchen mit eindeutigen Utensilien (laut Müller nicht nur „Schälchen mit Kondomen“) wurden vorgefunden. Ob der Sprachbarriere seien sich die Kripobeamten und Müller nicht sicher gewesen, ob die Damen verstanden hätten, was ihnen aufgetragen wurde: Müller habe vor Ort mündlich verfügt, dass das illegale Bordell geschlossen werden muss. Ausgemachte Sache sei da dann auch gewesen, dass die Polizei dort in den folgenden Tagen vermehrt Streife fahren soll.

Doch so weit musste es gar nicht kommen: Als am nächsten Tag Polizisten zur Kontrolle vor Ort waren, sei ein Möbeltransporter vor dem Haus gestanden und noch in derselben Woche sei das Gewerbe „Massagesalon“ bei der Gemeinde abgemeldet worden. Die Verantwortlichen vermuten, dass das Vorgehen eine Masche ist und schon längst wieder anderswo eine Unterkunft angemietet wurde. Denn es habe Anzeichen gegeben, so Müller, dass sich die Damen, schon in verschiedenen Städten aufgehalten hätten. Müller: „Wir waren froh darüber, dass die so schnell reagieren.“ Für ihn war dies der erste Fall dieser Art, und er hofft auch der letzte. Denn kalt gelassen habe ihn die Sache nicht: „Es war traurig, das mitzubekommen.“

Mit dem Gebäudeeigentümer habe die Gemeinde noch keinen Kontakt aufnehmen können, und auch von den Bewohnern habe es keine Hinweise gegeben. Mittlerweile laufen die Ermittlungen. Polizei-Pressesprecher Kramer erläuterte, dass ein Strafverfahren eingeleitet wurde. Hintergründe sind der „Verdacht der Ausübung verbotener Prostitution“ sowie arbeitsrechtliche Verstöße.

Bereits im Juli hatte die Betreiberin des legalen Bordells „Agentur Marlene“ im BT gesagt: „Je länger das Verbot anhält, desto mehr verlagert sich die Sexarbeit in die Dunkelheit.“ Hier können Sie den Artikel lesen.

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Erstellt:
11. November 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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