Illustre Musikgeschichte Baden-Badens: Brahmstage starten bald

Baden-Baden (cl) – Wichtiger Teil Baden-Badener Musikgeschichte: Die Brahmstage (24.-26. 9.) eröffnen erstmals die Festspielhaus-Saison. Mit ihnen wird auch der Unterhalt des Brahmshauses finanziert.

In dem original erhaltenen Haus aus dem 19. Jahrhundert in Lichtental hat der Komponist Johannes Brahms einige Sommer verbracht, um zu komponieren.  Foto: Brahmsgesellschaft

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In dem original erhaltenen Haus aus dem 19. Jahrhundert in Lichtental hat der Komponist Johannes Brahms einige Sommer verbracht, um zu komponieren. Foto: Brahmsgesellschaft

Die 28. Brahmstage Baden-Baden beginnen in einer Woche und werden wieder international bekannte Musikerinnen und Musiker anlocken, die seit jeher zur einstigen Sommerresidenz des berühmten deutschen Komponisten Johannes Brahms pilgern. Genauso wie viele Gäste seit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown wieder den Weg ins Brahmshaus finden, darunter auch etliche aus Übersee.

Erst kürzlich, so erzählt, Christof Maisch, der Präsident der engagierten Baden-Badener Brahmsgesellschaft, sei ein Ehepaar aus Alaska auf seiner Europareise eigens nach Baden-Baden gekommen, um das Brahmshaus zu besuchen, nur noch Heidelberg als zweite Station in Deutschland stand auf ihrer Liste. Bis in die USA ist das Baden-Badener Andenken an Brahms‘ „Komponierhäuschen“ in Lichtental mit dem herrlichen Blick auf sanfte Schwarzwaldhügel bekannt – und nicht nur in Musikerkreisen. Die Ehefrau des ungarischen Pianisten Andras Schiff, die Violinistin Yuuko Shiokawa, weilt hier gerne, während ihr Mann im Festspielhaus für sein Konzert probt. Die Synergien in Baden-Badens reicher Kunst- und Kulturgeschichte sind groß.

Das hat auch Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa zu einem an Baden-Badens illustrer Geschichte orientierten Programm inspiriert. Das Festspielhaus wird sich in diesem Jahr auch größer als sonst an den Brahmstagen, die von der Brahmsgesellschaft durchgeführt werden, als Partner engagieren – und eröffnet damit seine Spielzeit am 25. September. Beim Festprogramm im Rahmen der Brahmstage werden die Münchner Philharmonikern unter der Leitung ihres Chefdirigenten Valery Gergiev mit dem Starpianisten Igor Levit auftreten – der eine enge Beziehung zum Brahmshaus in Lichtental hat. Wo natürlich auch der zentrale Platz nach Brahms benannt ist – hat er sich hier doch auf den Wanderwegen rund herum viel Inspiration für Kompositionen geholt. Das Horntrio in Es-Dur, das heuer zur Sonntagsmatinee im Kurhaus von Hornist Felix Klieser interpretiert wird, hat der junge Brahms 1865 in der Berglandschaft ersonnen – und nach einem schnellen Marsch zurück ins Brahmshaus zu Papier gebracht. Auch das Doppelkonzert des Festspielhaus-Konzerts am 26. September von Brahms für Violine, Violoncello und Orchester (gespielt von den Würth Philharmonikern und dem Geiger Lars Vogt) entstand hier.

Zwei Konzertabende der Brahmstage im Festspielhaus

Brahms hatte es an seine Intimfreundin Clara Schumann, die ebenfalls über zehn Jahre lang ein Sommerhaus an der Allee bewohnte und mit der er regen „empfindsamen“ Briefwechsel führte, mit den Worten angekündigt: „Von mir kann ich Dir recht drolliges erzählen – den lustigen Einfall ein Concert für Geige und Cello zu schreiben. Wenn es einigermaßen gelungen ist, so könnte es uns wohl Spaß machen.“ Das tat es wohl, der damalige Stargeiger Joseph Joachim war eigens angereist, um zusammen mit Clara Schumann und anderen Brahms-Freunden das Werk zu proben. Im September 1887 ist es im Kurhaus erstaufgeführt worden. Die Musikfreunde um Clara Schumann und Brahms, genauso wie die Sängerin Pauline Viardot, deren 200. Geburtstag sich im Juli jährte) und ihr Musiksalon, sind Teil dieser reichen Baden-Badener Kulturgeschichte seit den Bénazets im 19. Jahrhundert, auf die der Bau des Kurhauses samt Spielbank und die Lichtentaler Allee als Flaniermeile zurückgehen – kurz, denen jener Ruf als Sommerhauptstadt des europäischen Hochadels, dem neben den Musikkünstlern auch Schriftsteller folgten, zu verdanken ist. Ein so vielfältig und erlesen erhaltenes Erbe, das die Unesco nun zusammen mit weiteren Bäderstädten zum Weltkulturerbe gekürt hat.

Architekt der preisgekrönten Sanierung der Gernsbacher Zehntscheuern leitet Brahmshaus-Umbau

Das über 150 Jahre alte „hübsche Haus auf dem Hügel“ war in den Sommermonaten der Jahre 1865 bis 1874 die Brahms-Wohnung. Hier fand er die gesuchte Stille, Abgeschiedenheit, bescheidene Gemütlichkeit. Hier komponierte oder vollendete Brahms viele seiner berühmten Werke. Noch heute sind Grundstück und das schindelgedeckte Haus unverändert. Die früheren Wohnräume in der Mansarde des Hauses sind als Museum eingerichtet, Exponate, Autographen, Dokumente und viele Brahms-Fotos sind ausgestellt.

Derzeit wird das Brahmshaus fit für die Zukunft gemacht. Die historisch erhaltenen Erdgeschoss-Säle sollen zu Erlebnisräumen mit musikalischem und interaktivem Angebot umgebaut werden. Der Gernsbacher Architekt Bernd Säubert, der die von der Technologie-Region Karlsruhe (2018) ausgezeichnete Sanierung der Gernsbacher Zehntscheuern leitete, wird die denkmalschonende Instandsetzung überwachen. Der renommierte Lübecker Musikwissenschaftler Wolfgang Sandberger steuert das kuratorische Konzept bei. Er gehört auch zu den vielen Musikkennern und Komponisten, die bereits in der gerade neu hergerichteten Stipendiatenwohnung im Brahmshaus wohnen durften.

Fürs Großprojekt hat wiederum Igor Levit einen Betrag (50.000 Euro) durch ein Benefizkonzert in Baden-Baden beigesteuert; auch Stadt, Land und das Leader-Programm der EU unterstützen, sagt Maisch. Das 2020 in Karlsruhe entdeckte Klavier der Gebrüder Trau aus der Brahms-Zeit konnte dank einer Stiftung nun ins Museum geholt werden; die Heidelberger Trau’sche Werkstatt hatte auch Brahms-Freundin Clara regelmäßig zum Klavierstimmen nach Baden-Baden geholt. Ob Brahms seine Finger einst im Spiel hatte auf diesen Tasten, ist historisch allerdings nicht belegbar.

Die Brahmstage 2021 allerdings sind belegt: vom 24. bis 26. September; das Eröffnungskonzert freitags leitet der designierte Chefdirigent der Philharmonie Baden-Baden, Heiko Mathias Förster, im Bénazetsaal des Kurhauses. Neben Brahms gibt es Werke von Mendelssohn-Bartholdy und Robert Schumann. Die Brahmstage werden von der Brahmsgesellschaft zum Erhalt des Brahmshauses durchgeführt. Die Corona-Lockdowns hätten den Etat der Gesellschaft ins Minus rutschen lassen, so Maisch, aber nach dem Festival hofft man, dass das Budget wieder ins Plus geht.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Christiane Lenhardt

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Erstellt:
19. September 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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