Im Bühler Sanierungsgebiet läuft es nicht rund

Bühl (BNN) – Im März hat der Bühler Gemeinderat das Sanierungsgebiet südlicher Stadteingang beschlossen. Doch bisher hat sich nur wenig getan. Hauseigentümer dort zeigen nur geringes Interesse.

Das Sanierungsgebiet südlicher Stadteingang ist das achte Bühler Sanierungsgebiet seit 1981.  Foto: Ulrich Coenen

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Das Sanierungsgebiet südlicher Stadteingang ist das achte Bühler Sanierungsgebiet seit 1981. Foto: Ulrich Coenen

Es läuft nicht rund. Das Sanierungsgebiet südlicher Stadteingang ist das achte Bühler Sanierungsgebiet seit 1981. Es betrifft auch die Hauptstraße zwischen Bühlotbrücke und Bühlertalstraße und damit den am wenigsten einladenden Bereich der Innenstadt. Oberbürgermeister Hubert Schnurr hatte sich mehr versprochen, als der Gemeinderat das Sanierungsgebiet im März beschlossen hat. Doch das Interesse der Hauseigentümer ist bislang überschaubar.

„Es gibt bisher nur vier unverbindliche Anfragen“, berichtet OB Schnurr. „Wir müssen dringend nacharbeiten.“ Dem Oberbürgermeister, der gelernter Architekt und Stadtplaner ist, ist dieses Sanierungsgebiet wichtig. Mit der Gaststätte „Rindfuß“ und zwei Geschäften gibt es dort gleich drei Leerstände, ein Problem, das man in Bühl sonst kaum kennt.

Als einen Grund, dass das Sanierungsgebiet „nicht durchgeschlagen“ hat, nennt Schnurr die Corona-Pandemie. „Eine Informationsveranstaltung für die Anwohner war bisher nicht möglich“, sagt er. „Online macht das wenig Sinn.“ Jetzt hofft er auf den nächsten Sommer. „Wir haben ja noch sechs Jahre Zeit und können das Sanierungsgebiet auch verlängern“, meint er.

Zuschüsse und Abschreibungsmöglichkeiten gegeben

Die Hauseigentümer haben sich, so Schnurr, bisher „beratungsresistent“ gezeigt. Der OB betont, dass es für Bauvorhaben nicht nur Zuschüsse, sondern vor allem auch weit überdurchschnittliche steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten gibt. „Ohne das Engagement der Eigentümer kann die Stadt nichts machen“, bedauert er. Und: „Unser Team im Rathaus steht natürlich allen Interessenten für Beratungsgespräche jederzeit zur Verfügung.“

Das Sanierungsgebiet ist etwa 13,5 Hektar groß. Es umfasst auch das katholische Gemeindehaus, den Stadtgarten und die Eisenbahnstraße bis zur Herbert-Odenheimer-Straße. Kernstück des Sanierungsgebiets ist die Hauptstraße zwischen Bühlotbrücke und Bühlertalstraße. Hier stehen zweigeschossige Bestandsbauten des 18. bis 19. Jahrhunderts neben dreigeschossigen flach gedeckten modernen Wohn- und Geschäftshäusern. Teilweise geben die Häuser den Blick in ungepflegte Hinterhöfe frei. Der unmittelbare südliche Stadteingang vom Kreisverkehr an der Jäger-Tankstelle bis zur Bühlertalstraße gehört nicht dazu.

Unterschiedliche Charakter der Teilbereiche

Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtentwicklung im Rathaus, bezeichnete das Sanierungsgebiet mit seinen weit gezogenen Grenzen in der Gemeinderatssitzung im März als ausgesprochen inhomogen. Die Hauptstraße hat als Geschäftsstraße beispielsweise einen völlig anderen Charakter als die Wiedigstraße oder der Stadtgarten. Neben reinen Wohnhäusern gibt es Wohn- und Geschäftshäuser sowie Gebäude mit öffentlicher Nutzung.

Das Gebiet westlich der Karl-Reinfried-Straße wird als reines Wohngebiet ausgewiesen. Der übrige größere Bereich ist ein Mischgebiet. Für die zukünftige Entwicklung des Sanierungsgebietes hat der Gemeinderat Eckpunkte festgelegt, die dem sehr unterschiedlichen Charakter der Teilbereiche gerecht werden sollen. Dabei geht es unter anderem um die Grundflächenzahl (GRZ), die das Ausmaß der baulichen Nutzung eines Grundstücks festlegt. Eine GRZ von 0,3 bedeutet beispielsweise, dass 30 Prozent eines Grundstücks bebaut werden dürfen. Im Sanierungsgebiet liegt die GRZ zwischen 0,5 und 0,7. Grünverbindungen sollen im Hinblick auf das Mikroklima freigehalten werden. Ärger droht jetzt offensichtlich im Hinblick auf die mögliche Nachverdichtung in der zweiten Reihe der Hauptstraße, die die Sanierungsrichtlinien ausdrücklich zulassen. „Die Nachbarn rühren sich und wollen das wie immer verhindern“, sagt Schnurr.

Bina: Verlagerung in Richtung Süden

Bei der Höhenfestlegung auf rückwärtigen Potenzialflächen für Nachverdichtung soll auf die Bebauung der unmittelbaren Nachbarschaft Rücksicht genommen werden. Im Bestand betragen die Höhen bis zu 15 Meter. Bei Neubauten entlang der Erschließungsstraßen im Sanierungsgebiet (also auch in der Hauptstraße) wird das Satteldach vorgeschrieben. Störende Flachdachbauten, die es entlang der Bühler Hauptstraße bereits gibt, werden in Zukunft also nicht mehr möglich sein. Im rückwärtigen Bereich sind allerdings Neubauten mit begrünten Flachdächern erlaubt.

Catrin Hammig, Vorstand der Innenstadtgemeinschaft „Bühl in Aktion“ (Bina), findet das neue Sanierungsgebiet gut. „Eine Belebung der südlichen Innenstadt wäre begrüßenswert“, sagt sie und weist darauf hin, dass im Bereich des südlichen Stadteingangs zwei große Geschosswohnungsbauten vor der Fertigstellung stehen. „Da findet eine gewisse Verlagerung statt“, meint die Bina-Vorsitzende. Gerade vor diesem Hintergrund sei eine Weiterentwicklung des Sanierungsgebiets wichtig.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
14. Dezember 2021, 20:30 Uhr
Lesedauer:
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