Im Dauereinsatz für den Tierschutz

Murgtal (birk) – Die Auffangstation für Greifvögel und Eulen in Baiersbronn-Mitteltal betreut zwischen 250 und 350 Vögel pro Jahr.

Achim Klumpp zeigt einen Rotmilan, der zurzeit Gast in der Vogelauffangstation ist. Foto: Joachim Birk

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Achim Klumpp zeigt einen Rotmilan, der zurzeit Gast in der Vogelauffangstation ist. Foto: Joachim Birk

Tausende Greifvögel konnten durch die Arbeit der Vogelauffangstation in Baiersbronn-Mitteltal in den zurückliegenden Jahren gerettet werden. Die Tierfreunde um Achim Klumpp sind entschlossen, ihre Arbeit trotz schwieriger finanzieller Bedingungen auch künftig fortzusetzen.

Die Passion für heimische Greifvögel begleitet Achim Klumpp schon gut 40 Jahre lang. Begonnen hat alles mit einem Habicht, erinnert er sich, den ein bekannter Förster aufgezogen hatte. Bald konnte Klumpp seinen ersten eigenen Vogel, einen Turmfalken, aufziehen. Nach behördlicher Genehmigung begann er, in Mitteltal eine Auffangstation für Greifvögel und Eulen aufzubauen. Mittlerweile betreut er zwischen 250 und 350 Vögel jährlich.

Die Tiere finden auf verschiedenen Wegen in die Vogelauffangstation. Oft bringen Vertreter der Polizei oder der Naturschutzverbände die hilfebedürftigen Tiere in die Station, in anderen Fällen finden Förster, Jäger oder aufmerksame Privatleute, die zum Beispiel als Wanderer unterwegs sind, die Vögel in der Natur. In einem Radius von 150 Kilometern werden Vögel in der Auffangstation abgegeben. Es handelt sich dabei um Jungvögel, die aus dem Horst gefallen sind, oder verunfallte Anflugopfer gegen Pkw, vergiftete oder sonst geschädigte Greifvögel und Eulen.

Bereit zur Auswilderung

In der Greifvogelstation werden die Tiere pflegefachmännisch versorgt, intensivmedizinisch betreut und Jungvögel mit dem richtigen Futter aufgezogen. Nach ihrer Genesung werden sie wieder ausgewildert. Dies geschieht nach Bedarf in mehreren Etappen. Geschwächte Nestlinge oder verletzte Vögel nach einer tierärztlichen Operation werden zunächst auf der Intensivpflege- und Aufzuchtstation aufgepäppelt, die aus 15 speziellen Edelstahlboxen besteht. Zu den momentanen Insassen dort zählen viele Jungvögel, da um diese Zeit im Frühsommer zahlreiche Vögel brüten. Unter ihnen ein Roter und ein Schwarzer Milan, ein Mäusebussard und vier junge Turmfalken. „Acht Mäuse braucht der Bussard täglich, ein Uhu etwa die doppelte Menge“, weiß Klumpp zu berichten. Greifvögel sind Fleischfresser und benötigen artgerechte Nahrung wie Mäuse und Vögel. „Haare und Federn sind für den Vogel wichtig, um Gewölle zu bilden, aus dem er Kalk für sein Wachstum bezieht,“ so Klumpp.

Solange die Vögel jung oder verletzt sind, ist eine Haltung in den Boxen notwendig für die Genesung und ein sauberes Wachstum des Gefieders. Wenn sie wieder mehr Bewegungsdrang zeigen, stehen ihnen drei große Volieren zur Verfügung. Im Moment wird eine davon von einem männlichen Uhu bewohnt, der imposant wirkt mit seinen grell blickenden Augen und den mächtigen Krallen. „Weibliche Uhus werden noch um ein Drittel größer“, weiß Klumpp, „sie machen selbst auf Füchse Jagd.“ Wenn die Greifvögel dann in der Lage sind, lebende Beute zu schlagen, sind sie fit zur Auswilderung.

Achim Klumpp ist stolz auf die neue hausgroße Auswilderungsvoliere, die der Greifvogelschutzverein am Ortsrand vor rund zwei Jahren hat bauen lassen. Aus ihr sind bereits rund 50 Vögel in die Freiheit entlassen worden. Hier können die genesenen oder aufgepäppelten Greifvögel ganz stressfrei ihre Flugversuche starten. Mittels installierter Kameras und Fernüberwachung hat Klumpp das Verhalten der Tiere dort stets im Blick. Wenn ein Vogel bereit ist für die Rückkehr in die freie Wildbahn, öffnet Klumpp für ihn eine große, ebenfalls elektronisch steuerbare Klappe in der Freivoliere.

Bis zu fünfmal täglich Fütterung

Die Betreuung der Tiere lässt Klumpp kaum freie Zeit. Drei- bis fünfmal täglich müssen die Taggreifvögel gefüttert werden und die nachtaktiven Eulen und Käuzchen mehrmals in der Nacht. Hinzu kommen weitere Arbeiten für Pflege und die aufwendige Reinigung sowie der Kontakt zu anderen Naturfreunden, Verbänden und auch den Naturschutzbehörden. Das bringt nicht nur etliche Fahrtkilometer im Jahr mit sich, sondern auch rund 8.000 Euro jährlich allein an Kosten für das benötigte Futter. Hinzu kommt einiges an Büroarbeit: „Greifvögel sind als geschützte Arten meldepflichtig, entsprechend muss ich Statistiken über die Ein- und Ausgänge in der Station führen“, sagt Klumpp.

Dieser Einsatz für den Vogelschutz, den Achim Klumpp lange Jahre neben seinem Hauptberuf geleistet hat, ist ohne die Unterstützung weiterer Mitstreiter kaum möglich. Tatkräftige Hilfe hat er vor allem in dem Mitteltaler Tierarzt Dr. Jürgen Seybold, der sich in seiner Praxis unermüdlich und ehrenamtlich um verletzte Greifvögel kümmert. Im Jahr 2004 wurde der „Verein zum Schutz und Erhalt der Greifvögel im Nordschwarzwald“ zur Unterstützung der Greifvogelauffangstation gegründet. Aktuell bringt die Corona-Pandemie jedoch zusätzliche Belastungen für die Arbeit der Tierschützer.

Das Spendenaufkommen für die Station ist zurückgegangen, wie Klumpp berichtet, ebenso die Unterstützung durch Sponsoren. Durch die Kontaktbeschränkungen sind überdies weitere Einnahmequellen des Vereins weggefallen, weil Vorträge und andere Veranstaltungen nicht durchgeführt werden konnten.

Eine große Hilfe in dieser schwierigen Zeit ist Joachim Hoffmann, der sich zurzeit in die Aufgaben der Vogelauffangstation einarbeitet. Hoffmanns Einsatz hilft mit, die Arbeit des Greifvogelschutzes im Murgtal auch künftig zu sichern – was für Achim Klumpp ein ganz besonderes Anliegen ist.

Kontakt: Verein zum Schutz und Erhalt der Greifvögel im Nordschwarzwald, Vorsitzender Achim Klumpp, Ellbachweg 11, 72270 Baiersbronn-Mitteltal, (0 74 42) 59 33, (01 77) 3 69 11 15.

Die neue, große Auswilderungsvoliere am Ortsrand von Mitteltal bereitet die Vögel auf die Freiheit vor. Foto: Joachim Birk

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Die neue, große Auswilderungsvoliere am Ortsrand von Mitteltal bereitet die Vögel auf die Freiheit vor. Foto: Joachim Birk


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