Im Einsatz für Behinderte in Baden-Baden

Baden-Baden (hez) – Die Probleme von Behinderten in Baden-Baden sind vielfältig und reichen von Gewalt bis zur Arbeitssuche. Darüber hat die städtische Behindertenbeauftragte Nora Welsch berichtet.

Auf Behinderte im Rollstuhl warten im Alltag viele kleine und größere Hindernisse, die bewältigt werden müssen. Foto: Uwe Anspach/dpa

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Auf Behinderte im Rollstuhl warten im Alltag viele kleine und größere Hindernisse, die bewältigt werden müssen. Foto: Uwe Anspach/dpa

Über eine große Aufgaben- und Tätigkeitspalette informierte die städtische Behindertenbeauftragte Nora Welsch jetzt den gemeinderätlichen Hauptausschuss. Die Kommunikationswissenschaftlerin ist seit Februar 2020 weisungsungebundene Ansprechpartnerin für die Belange behinderter Menschen im Stadtkreis.

„Jeder siebte Mensch in Baden-Baden ist behindert“, betonte Welsch. Sie berät nicht nur Betroffene, sondern erarbeitet zahlreiche Vorschläge und Initiativen, um dem Inklusionsgedanken Rechnung zu tragen.

Im Hauptausschuss verwies sie besonders auf einige ihrer aktuellen Vorhaben. Dazu zählt die Umwandlung des Runden Tisches der Menschen mit Behinderung. Diese Einrichtung gibt es schon länger als eine Austauschplattform zwischen Verwaltung und Organisationen der Behindertenhilfe. Welsch hat hier nun auch Behinderte selbst als Teilnehmer integriert. Der erste Runde Tisch in diesem Rahmen befasste sich mit der Situation auf dem Wohnungsmarkt, im November dieses Jahres wird man sich mit dem Thema Freizeitmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung befassen.

Nora Welsch präsentiert Info-Broschüren. Foto: Ulrich Philipp/Archiv

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Nora Welsch präsentiert Info-Broschüren. Foto: Ulrich Philipp/Archiv

Gewalt erleben Behinderte deutlich öfter als andere Menschen, darauf wies Welsch nachdrücklich hin. Damit will man sich in einer Veranstaltungsreihe auseinandersetzen, wobei es zum Auftakt im November unter anderem um Schutzkonzepte gehen soll. Ebenfalls mehrere Termine sind im kommenden Jahr geplant, wenn das Thema Sucht bei Behinderten in den Blickpunkt gerückt wird. Daher soll hier auch die Suchthilfe mit einbezogen werden.

Gestartet hat die Behindertenbeauftragte eine Umfrage zur Barrierefreiheit von Arztpraxen, wobei es nicht nur um Hindernisse wie Treppenstufen gehen soll, sondern zum Beispiel auch um die Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Patient und Praxis. Barrierefreies Wohnen und die Schwierigkeit für Behinderte, überhaupt eine Wohnung zu finden, stehen ebenso im Mittelpunkt von Veranstaltungen wie Probleme bei der Arbeitssuche. Welsch beklagt, dass Behinderte oft vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt würden.

Ein weiteres Projekt betrifft die Kooperation mit dem Theater: Erarbeitet wurde ein Konzept für einen inklusiven Theaterworkshop, der von zwei erfahrenen Tanz- und Theaterpädagoginnen geleitet wird, die selbst eine Form der Behinderung haben. Beschäftigt ist Nora Welsch ebenso mit einer Aktualisierung des Baden-Badener Behindertenwegweisers.

Verbesserungen an Merkur-Bergbahn

Zu tun hatte sie zuletzt auch mit den Stadtwerken, wobei es um die Merkur-Bahn ging. Hierbei wurde vor allem die Erarbeitung von taktilen Leitlinien und Leitsystemen für blinde Menschen in Angriff genommen.

In ihrem Bericht unterstrich Welsch: „Menschen mit Behinderungen zu den gleichen Rechten zu verhelfen wie Menschen ohne Behinderungen, ist eine Mammutaufgabe, die Aktivismus in vielen verschiedenen Lebensbereichen erfordert.“ Im Hauptausschuss wollte Fabrice Gireaud (Grüne) von Welsch wissen, ob die Ratsuchenden auch mehr Infos über die Gemeinderatsarbeit wünschen. Sie antwortete: „Menschen mit Behinderung haben so viele Alltagsprobleme, da bleibt keine Zeit für politische Partizipation.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
20. Oktober 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 18sec

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