Im Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung

Gaggenau/Gernsbach (stn) – Der Foodsharing-Bezirk Gaggenau-Gernsbach rettet Essen vor der Tonne. Dafür arbeiten die ehrenamtlichen Helfer eng mit Bäckereien, Supermärkten und Wochenmärkten zusammen.

Andrea Harrer (links) und Alexandra Weber-Holfelder (rechts) bestücken den Gaggenauer Gabenzaun am Bahnhof mit Backwaren, Obst und Gemüse. Ihre Töchter helfen ihnen dabei. Foto: Nora Strupp

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Andrea Harrer (links) und Alexandra Weber-Holfelder (rechts) bestücken den Gaggenauer Gabenzaun am Bahnhof mit Backwaren, Obst und Gemüse. Ihre Töchter helfen ihnen dabei. Foto: Nora Strupp

Brötchen, Brezeln, süße Teilchen, Mandarinen und Gemüse: Die Michelbacherin Alexandra Weber-Holfelder sorgt mit anderen ehrenamtlichen Helfern dafür, dass der Gabenzaun am Bahnhof regelmäßig mit Leckereien bestückt wird. Sie ist Foodsaverin (zu deutsch Essensretterin) und setzt sich gegen Lebensmittelverschwendung ein.

Sogenannte Foodsaver gehören dem 2012 gegründeten deutschlandweiten Netzwerk an, das Lebensmittel vor der Mülltonne rettet und sie unentgeltlich an Interessierte, Bedürftige und Organisationen verteilt. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen und Menschen für das Thema Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren.

In Gaggenau begann die Foodsharing-Bewegung im August 2020. Seinen Anfang nahm alles zunächst im nördlichen Landkreis rund um Rastatt Anfang 2020 mit der Botschafterin Judith Großmann. „Die Botschafterinnen übernehmen sozusagen die Bezirksleitung. Sie haben den ganzheitlichen Überblick und stehen mit Rat und Tat zur Seite“, verdeutlicht Weber-Holfelder.

Geschockt von Masse an weggeworfenem Essen

Mit Unterstützung von Großmann habe man im September 2020 die erste Kooperation mit einem Betrieb in Gaggenau aufbauen können. Mit Gritli Nyvall aus Loffenau habe Weber-Holfelder weitere Betriebe angesprochen und so den Foodsharing-Bezirk Gaggenau-Gernsbach ausgedehnt. Seit Frühjahr dieses Jahres sind die Foodsaver auch in Baden-Baden aktiv. Mittlerweile kommt das Netzwerk der Region auf 250 Foodsaver, vier Botschafterinnen und 43 Kooperationen.

Im Murgtal fährt Weber-Holfelder mit ihren Mitstreiterinnen regelmäßig Bäckereien, den Wochenmarkt Gaggenau sowie zwei Supermärkte in Gaggenau und Gernsbach an, um dort Lebensmittel abzuholen, die nicht mehr verkauft werden dürfen und ansonsten weggeworfen werden würden. Auch eine Gaststätte war dabei. Mit den Lebensmitteln versorgen die Foodsaver unter anderem Wohnheime und den Gaggenauer Gabenzaun.

Diesem hat Weber-Holfelder am Mittwoch wieder einen Besuch abgestattet. Unterstützt wurde sie von ihrer Freundin Andrea Harrer. Auch die Töchter haben mitgeholfen. Doch was hat Weber-Holfelder und Harrer dazu bewogen, dem Foodsharing-Netzwerk beizutreten? „Durch den Ferienjob meiner Tochter in einer Bäckerei bekam ich mit, was täglich weggeworfen wird. Sie war geschockt, was sie jeden Tag entsorgen musste, obwohl sie das von zu Hause ganz anders gelernt hat. Seit dieser Zeit schauen wir genau hin, machen uns Gedanken und kaufen anders ein. Meine Tochter hat von Foodsharing gehört und mich mit begeistert“, schildert Weber-Holfelder. Daraufhin hat die Michelbacherin eine Ausbildung zur Foodsaverin absolviert.

Öffentliche Ausgabe in der Adventszeit

Mit ihrer Begeisterung hat sie Andrea Harrer angesteckt, die nun seit einem Jahr als Foodsaverin aktiv ist. „Alexandra stand eines Tages mit dem Auto voller Lebensmittel vor meiner Tür, die sie verteilen wollte. Das hat mich gleich interessiert. Ich habe zu dem Zeitpunkt in einem Lebensmittelgeschäft gearbeitet und war erschrocken von der Masse, die dort weggeworfen wurde“, berichtet sie.

Während der Adventszeit findet am Gaggenauer Gabenzaun immer mittwochs am 1., 8. und 15. Dezember eine öffentliche Ausgabe statt. Dann bestückt ein Team ehrenamtlicher Essensretter den von Alica Charles und Canan Kilic initiierten Gabenzaun wieder mit diversen Köstlichkeiten.

Doch der Fokus liegt nicht einzig und allein auf Bedürftigen. „Die wichtigste Mission bei Foodsharing ist es, dass die Lebensmittel verbraucht und nicht weggeworfen werden. Wenn dadurch Bedürftigen geholfen werden kann, ergibt das natürlich eine runde Sache“, meint Weber-Holfelder.

Fairteiler in Bietigheim und Malsch

Gerne würden sie und Harrer noch anderen Menschen mit gerettetem Essen eine Freude bereiten. Für Tipps, an welchen Orten sie die Lebensmittel abliefern können, sind sie dankbar.

Eine weitere Möglichkeit, Lebensmittel zu spenden, besteht in Form von sogenannten „Fairteilern“. Das sind Orte, zu dem die Foodsaver die Lebensmittel bringen. Interessierte können diese von dort kostenlos mitnehmen. Zwei dieser Anlaufstellen stehen im Landkreis Rastatt in Bietigheim und Malsch. Weitere Informationen und eine Karte mit allen Fairteilern gibt es unter https://foodsharing.de.

Doch so sehr sie auch für ihr Ehrenamt brennen, wünschen sich Alexandra Weber-Holfelder, Andrea Harrer und all die anderen Foodsaver eigentlich nur eins: „Dass wir irgendwann überflüssig sind und erst gar kein Essensabfall entsteht.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

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Erstellt:
27. November 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 58sec

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