Im März beginnt der Abriss des Esselwehrs

Gaggenau (BT/vgk) – Die Baumaßnahme in Hörden soll bis August abgeschlossen sein. Ziel des Abbruchs ist es, Wanderfischen einen besseren Aufstieg im Gewässer zu ermöglichen.

Wilde Murg: Künftig sollen hier, direkt unterhalb des Lieblingsfelsens, Fische eine bessere Aufstiegsmöglichkeit in den Oberlauf bekommen. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Wilde Murg: Künftig sollen hier, direkt unterhalb des Lieblingsfelsens, Fische eine bessere Aufstiegsmöglichkeit in den Oberlauf bekommen. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Die raue Rampe am Esselwehr an der Murg in Hörden ist nach dem aktuellen Stand der Technik für Fische und Kleinstlebewesen nicht durchwanderbar. Im Auftrag des Landesbetriebs Gewässer im Regierungspräsidium Karlsruhe wird deshalb die Wehranlage unterhalb des Lieblingsfelsens vollständig zurückgebaut.

Ziel ist es, die ökologische Durchgängigkeit für Fische und Kleinstlebewesen im Gewässer herzustellen. Dieser Schritt ist die letzte Durchgängigkeitsmaßnahme des Landes Baden-Württemberg zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie an der Murg.

Ab März wird die Gewässersohle oberhalb des Wehrs eingetieft und das bestehende Wehr zu einem Großteil zurückgebaut. Um den vorhandenen Höhenunterschied von rund 1,30 Meter auszugleichen, wird die Sohle auf 160 Meter Länge neu modelliert. An der bisherigen Stelle des Esselwehrs wird anschließend eine vierzeilige Riegelrampe mit Beckenstruktur errichtet. Auf der rechten Gewässerseite werden dafür die Leitmauern zurückgebaut und ein flaches Ufer modelliert.

Linke Leitmauer soll erhalten bleiben

Die Leitmauer auf der linken Seite soll erhalten bleiben, um den dahinterliegenden Auwald und den dort vermutlich brütenden Eisvogel zu schützen. Während der Arbeiten müssen der Weg auf dem Murgdamm und der Vorlandbereich der Murg zwischen Weinauerstraße und dem Parkplatz am Sportgelände gesperrt werden. Der Parkplatz des Sportgeländes wird freigehalten und ist weiterhin nutzbar.

Die Baumaßnahme wird voraussichtlich bis August 2022 abgeschlossen werden. Die Baukosten betragen etwa 230.000 Euro und werden vom Land Baden-Württemberg getragen.

Für die Sperrungen und Beeinträchtigungen durch den Baustellenverkehr bittet das Regierungspräsidium um Verständnis. Es wird außerdem darum gebeten, die Absperrungen während der Bauzeit und insbesondere die nicht absperrbaren Bereiche im Vorland der Murg zu respektieren.

Abbruch ist schon lange Thema im Ortschaftsrat

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert bis zum Jahr 2027 einen guten hydromorphologischen Zustand aller Gewässer ein. Bezogen auf das Esselwehr in Hörden heißt das, dass Wanderfische in naher Zukunft an dieser Stelle in der Murg mühelosere Aufstiegsmöglichkeiten in den oberen Flusslauf vorfinden.

Dieses Thema beschäftigte die Hördener Ortschaftsräte schon seit längerer Zeit. Bereits im Sommer 2020 diskutierte der Ortschaftsrat über den Umbau des Esselwehrs in Hörden und forderte mehr Maßnahmen für den Hochwasserschutz.

Einstimmig nahmen sie vor knapp zwei Jahren die Planungen zur Kenntnis, verbunden mit dem Wunsch, in diesem Bereich Hochwasserschutzmaßnahmen zu berücksichtigen. „Die Hydromorphologie beschreibt die tatsächlich vorhandenen Gewässerstrukturen und das damit verbundene Abflussverhalten eines Gewässers in seiner räumlichen und zeitlichen Ausdehnung“, gibt dazu das Online-Lexikon Wikipedia Auskunft.

Optimierung der Raurampe auf 100 Metern

Vor mehr als zehn Jahren wurde im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe auf der linken Flussseite, im Bereich des Wehrs, eine Fischrampe errichtet, erläuterte Christian Gaida von der Tiefbauabteilung der Stadt Gaggenau. Diese weise jedoch erhebliche ökologische Defizite auf. Der Wanderkorridor ist für wandernde Fischarten entweder nur schlecht oder gar nicht auffindbar.

Weitere Kennzeichen sind in Teilbereichen turbulente Wasserabschnitte und geringe Wassertiefen. Die Stelle kann nur von großen Wanderfischen wie Forelle und Lachs passiert werden, informierte Gaida. Erste Baumaßnahmen an dieser Stelle erfolgten zwischen 1951 und 1955, um das Gefälle in zu regulieren. Die Entwurfsplanung sieht für den Murgabschnitt Essel nun die Optimierung der sogenannten Raurampe auf einer Länge von rund 100 Metern vor.

Die noch bestehende 1,35 Meter hohe Teilrampe soll abgebrochen werden. Die so erzeugte pendelnde Wasserströmung begünstigt den Aufstieg der Fische in den Oberlauf der Murg. Einbezogen in den Entwurf wurde ein 100-jähriges Hochwasser. Denn in einigen Bereichen der Essel könnte es zu Verschlechterungen kommen. Zudem befindet sich das Wehr im Naturschutzgebiet Lieblingsfelsen.

Die jüngste Maßnahme aus dem Jahr 2000 wurde nach den Regeln der damaligen Technik durchgeführt. Die komplette Durchgängigkeit für Fische mache mittlerweile einen deutlichen Mehraufwand notwendig. Maßnahmen, die auch noch an anderer Stellen in Gaggenau durchgeführt werden müssen, führte dazu Bürgermeister Michael Pfeiffer aus und nannte als Beispiel den Gaggenauer Murgsee. Nach Meinung des Ortschaftsrats muss bei der Planung mehr in den Hochwasserschutz gegangen werden.

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Erstellt:
17. Februar 2022, 19:00 Uhr
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