Im Murgtal sieht man sich gut versorgt

Murgtal (ham) – Die Elektromobilität soll im Vorwärtsgang sein. Wie ist das Angebot an Ladesäulen in der Region? Das BT hat nachgehakt.

Die Ladesäule der Firma Deer in Loffenau wurde im Juli 2020 von Gemeinderätin Manuela Nuber (von links), Christian Elfendahl und Markus Burger eingeweiht. Foto: Hartmut Metz/Archiv

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Die Ladesäule der Firma Deer in Loffenau wurde im Juli 2020 von Gemeinderätin Manuela Nuber (von links), Christian Elfendahl und Markus Burger eingeweiht. Foto: Hartmut Metz/Archiv

Baiersbronn schreckte im oberen Murgtal zuletzt mit der Meldung auf, dass im Ortszentrum die Ladesäule deaktiviert wird. So steht nur noch im Ortsteil Schönmünzach gemeindeweit die letzte öffentliche Ladesäule, berichtete der „Schwarzwälder Bote“. Wie gestaltet sich die Ladesituation im Murgtal?

Immerhin bietet jede Kommune den eigenen Bürgern und Durchreisenden öffentlich zugängliche Lademöglichkeiten – so rosig wie die Politik mit ihren üppigen Fördersummen für Elektroautos suggeriert, ist die Lage aber nicht. In den meisten Kommunen existieren nur wenige Ladepunkte, eilige Touristen könnten somit im Murgtal Probleme bekommen, wenn die Säulen belegt sind. Ein Überblick:

Gaggenau. An dem Daimler-Standort ist die Ladesituation noch am besten im Murgtal. Die Stadtwerke betreiben bereits seit 2011 Ladesäulen in Gaggenau: Im Juni 2020 wurden die neuen E-Ladesäulen eingeweiht. Im ersten Schritt wurden fünf 22-kW-Ladesäulen aufgestellt.

Die 100-kW-Schnellladesäule am Annemasseplatz sei aktuell die schnellste Ladestation im Murgtal, berichtet Judith Feuerer von der Pressestelle der Stadt. Diese Säule sei „besonders frequentiert“, ergänzt Simon Mühlhäuser vom Marketing der Stadtwerke. Er sieht das E-Mobilitätskonzept der Stadtwerke, zu der auch die zwei im Oktober 2020 eingeweihten E-Bike-Stationen am Rathaus und im Kurpark Bad Rotenfels zählen, als „Investition in die Zukunft“.

Im vergangenen halben Jahr registriert das Unternehmen „monatlich deutlich zunehmende Ladevorgänge an unseren Ladesäulen“. Mittelfristig planen die Gaggenauer, „nach einer Erprobungsphase in jedem Stadtteil eine 22-kW-Ladesäule aufzubauen“. Der Strom fürs Auto kann hier wie bei den folgenden Ladepunkten andernorts per App gefunden und auch bezahlt werden.

Gernsbach. Seit Oktober 2019 gibt es am Rathaus in Gernsbach zwei Ladesäulen, deren Einrichtung rund 15.000 Euro kostete. Diese betreibt laut Stadtwerke-Leiter Sean Allen Brent die Netze BW. Eine davon ist laut dem Betreiber eine „Schnellladestation mit bis zu 50 kW Ladeleistung“. Die Stadt selbst verfügt über eine Wallbox zum Laden eines städtischen Smarts. An der Papiermacherschule soll überdies unter Federführung des Landkreises Rastatt alsbald eine weitere öffentliche Ladestation zur Verfügung stehen.

Kenntnis hat Brent außerdem von drei privaten Lademöglichkeiten bei Gernsbacher Betrieben (Casimir Kast, Autohaus Haitzler und Glatfelter Gernsbach GmbH für Mitarbeiter und Betriebsfahrzeuge).

Heiko Willrett, Pressesprecher Vertrieb und Elektromobilität bei der EnBW, erzählt, dass sein Unternehmen bis 2025 mehr als 2.000 Ladepunkte bundesweit anbieten will. Das entspreche der Dichte „großer Tankstellenbetreiber“. Im Murgtal sind momentan jedoch keine weiteren Ladesäulen des größten deutschen Betreibers, der mehr als 500 Schnellladestation unterhält, geplant. Die EnBW hält sich hier zurück, weil zwar „eine gestiegene Auslastung“ der Säulen festzustellen sei. „Diese ist jedoch noch deutlich von einer Spitzenauslastung entfernt“, sieht Willrett noch genügend Luft, um mehr Elektroautos mit Energie zu versorgen.

Kostenlos in Weisenbach

Loffenau. In Loffenau hat die Gemeinde im Sommer 2020 eine Ladesäule eingeweiht; sie plant laut Bürgermeister Markus Burger vorerst keine weiteren. Eigentümer ist zwar die Gemeinde, betrieben wird die Ladesäule jedoch von der Firma Deer. „Wir sind bisher zufrieden mit der Auslastung. Dabei müssen wir auch berücksichtigen, dass die Ladesäule nicht direkt an einer Bundesstraße liegt, wo die Frequenz und damit die Auslastung höher wäre. Jeden Monat können wir konstant Ladevorgänge verzeichnen. Der geladene Strom befindet sich bis einschließlich Januar 2021 im mittleren dreistelligen kWh-Bereich pro Monat“; berichtet Andree Stimmer als Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit der Energie Calw GmbH.

Besonderheit laut Stimmer: „Darüber hinaus nutzen wir die Ladesäule in Loffenau für unser Deer E-Carsharing mit derzeit knapp 150 Stationen in Baden-Württemberg, mit dem unsere Kunden auch Einwegfahrten unternehmen können, das heißt, die Buchung kann an einer beliebig anderen Station im Deer- Mobilitätsnetz beendet werden.“

Weisenbach. In Weisenbach ist das Tanken beim katholischen Gemeindehaus besonders günstig: Er kostet nämlich gar nichts. Hauptamtsleiter Walter Wörner erläutert die Gründe für die Förderung von Elektroautos und E-Bikes: „Diese Anlage ist mit Solarmodulen versehen. Deren Strom wird, sofern er nicht gerade für das Laden von E-Fahrzeugen oder E-Bikes benötigt wird, in das Gemeindehaus eingespeist. Von dort wird auch der Strom für das Laden bezogen, falls der über die Solarmodule erzeugte Strom nicht ausreicht.“ Weitere Anlagen seien in Weisenbach „zwar mittelfristig im Gespräch, aber aktuell gibt es noch nichts Konkretes“, erzählt Wörner von den Planungen der in diesem Bereich spendablen Kommune.

Forbach. Die Gemeinde Forbach offeriert eine E-Ladestation mit zwei Ladepunkten (22 kW) in der Landstraße (Parkplatz gegenüber der Sparkasse). Diese werden wie in Gernsbach von EnBW Mobility unterhalten. „Die Nutzung und Bezahlung läuft nach unserem Kenntnisstand problemlos“, sagt Ortsbaumeister Oliver Dietrich.

Eine weitere Ladesäule der EnBW-Tochter steht an der Schwarzenbachtalsperre. Dieses Angebot genügt der Kommune vorerst: „Derzeit haben wir keine weiteren E-Ladestationen in Planung, behalten aber die weitere Entwicklung in Bereich E-Mobilität im Auge“, verspricht Dietrich.

Baiersbronn. Der Nachbarort Baiersbronn darf derweil auf Besserung seiner Misere hoffen: „In den kommenden Wochen geht ein High Power Charging (HPC)-Standort bei unserem Partner Trigema in Betrieb“, kündigt Willrett die Zusammenarbeit mit dem schwäbischen Textilhersteller Wolfgang Grupp an. Bei der Trigema-Verkaufsfiliale in der Murgtalstraße sollen dadurch Laden und Shoppen gemeinsam elektrisieren.

Auf dem Annemasseplatz in Gaggenau kann man Elektroautos schnell aufladen. Foto: Stadt Gaggenau

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Auf dem Annemasseplatz in Gaggenau kann man Elektroautos schnell aufladen. Foto: Stadt Gaggenau


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