Im Theater in Baden-Baden „brummt es wieder“

Baden-Baden (nof) – Nach mehreren Corona-Zwangspausen steht nun die neue Spielzeit im Theater unter dem Motto „Berühren“ an. Intendantin Nicola May ist aus ihrem Sabbatjahr wieder zurück.

Es kann wieder losgehen: Die Theater-Belegschaft freut sich auf die neue Spielzeit. Foto: Nico Fricke

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Es kann wieder losgehen: Die Theater-Belegschaft freut sich auf die neue Spielzeit. Foto: Nico Fricke

Berühren – im doppelten Wortsinn: Das möchte das Theater Baden-Baden nach all den coronabedingten Unbilden in der nun beginnenden Spielzeit. Die Belegschaft ist gerüstet. Am Freitag, 10. September, steht mit „Verbrechen und Strafe“ die erste Premiere an.

Wie sehr das Theaterleben während der Lockdowns gefehlt habe, betonte Oberbürgermeisterin Margret Mergen am Dienstag bei der Begrüßung der Mitarbeiter nach der Sommerpause im Theatersaal: „Plötzlich war abends nichts mehr los in der Stadt. Das Leben war bestimmt von Videokonferenzen. Ich hatte den Eindruck, Menschen bestehen nur noch aus Bildschirmkacheln.“ Sie dankte den Theaterschaffenden, denen Interaktion und Applaus besonders gefehlt hätten, für ihr Engagement auch während der Zwangspausen. „Mit tollen Ideen wie dem Maskennähen und neuen Online-Formaten haben Sie uns Mut gemacht und uns die Lebensfreude erhalten.“

OB: „Wir brauchen Interaktion“

Das aktuelle Spielzeitmotto „Berühren“ sei mutig gewählt, viele wollten zum Beispiel künftig aufs Händeschütteln verzichten, berichtete die OB: „Doch wir brauchen Interaktion.“ Das habe sie bei Umarmungen durch Freunde anlässlich ihres 60. Geburtstags kürzlich wieder ganz besonders gemerkt.

Mergen dankte in ihrer Rede Interimsintendantin Kekke Schmidt, die den Staffelstab nach der Rückkehr von Nicola May aus dem Sabbatjahr wieder an die Theaterchefin zurückgab. „Sie haben das super gemacht“, lobte das Stadtoberhaupt Schmidts Wirken an der Spitze des Theaters während der schwierigen Corona-Zeit. Langer Applaus der Mitarbeiter schloss sich an.

Zurück an alter Wirkungsstätte begrüßte die OB Intendantin Nicola May, deren Sabbatical ihr wegen Corona wohl nur wenig Möglichkeiten geboten habe, „in die Weite, dafür aber in die Tiefe zu gehen“.

Sie sei zumindest nicht die einzige, die lange auf den „normalen Theateralltag“ habe verzichten müssen, so May, die auch einräumte, „heute ein bisschen aufgeregt“ zu sein: „Wir müssen uns wohl alle gegenseitig wiedereingliedern“, schaute sie optimistisch in die nun beginnende neue Saison. Die Endproben einiger Stücke stehen an, der Patronatsempfang und auch das Theaterfest Ende des Monats werden vorbereitet. „Es brummt wieder im Theater. Und gemischt mit Applaus ist das ein tolles Geräusch.“

Dank an Interimschefin Kekke Schmidt

Auch May sprach der Chefdramaturgin Kekke Schmidt ihren Dank für die Vertretung in ihrem Sabbatjahr aus, „das sich alle anders vorgestellt hatten“. Schmidt habe den „Laden zusammengehalten“ und sich nicht beirren lassen. „Hohe Professionalität und ein gutes Miteinander zeichnen die Belegschaft aus“, betonte May.

Sie sei tatsächlich nicht auf Weltreisen gewesen, knüpfte die Intendantin an Mergens Worte an, „dafür aber viel in Baden-Badens Natur.“ Und natürlich habe sie dabei viel Zeit zum Nachdenken gehabt und sich die Frage gestellt: „Machen wir alles richtig?“

Corona habe nun viele Veränderungen mit sich gebracht, „weil wir reagieren mussten. Und einige werden auch bleiben.“ Über diese Erfahrungen und neue Ideen wolle sie in nächster Zeit mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen. „Ich freue mich nun auf die Menschen und die Wiederbegegnungen“, sagte May, die auch während ihrer Auszeit ab und an von der Sehnsucht nach dem Theater gepackt wurde: „Dann habe ich mich heimlich auf die Bühne geschlichen, um zu schauen, ob es ihr gut geht“, verriet sie schmunzelnd. Nun hofft sie aber auf eine Saison, bei der Corona nicht wieder die Finger im Spiel hat. Bei vielen Dingen werde man Schritt für Schritt agieren müssen: Zum Beispiel bei der Sitzplatzvergabe, die von der jeweiligen Corona-Verordnung abhängig sei. Dazu kündigte sie noch gesonderte Informationen an. Zudem verzichte sie in dieser Spielzeit auf eine eigene Inszenierung. Sie vergebe den Job an freischaffende Kollegen, die besonders unter der Corona-Krise gelitten hätten, so May.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
31. August 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 50sec

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