Im Zukunftslabor einer Festivalkultur von morgen

Baden-Baden (kie) – Mit dem neuen, im Februar stattfindenden Takeover-Festival will das Festspielhaus altbekannte Wege ein Stück weit verlassen – und damit ein breiteres Publikum ansprechen.

Takeover, zu deutsch „Übernahme“, nennt sich das neue Festival. Die Besucher sollen sich eingeladen fühlen, Teil des künstlerischen Prozesses zu werden. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

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Takeover, zu deutsch „Übernahme“, nennt sich das neue Festival. Die Besucher sollen sich eingeladen fühlen, Teil des künstlerischen Prozesses zu werden. Foto: Uli Deck/dpa/Archiv

„Das Bild mit den Bäumen gefällt mir“, sagt Benedikt Stampa. Gerade in schlechten Zeiten – so besage schließlich eine alte Lebensweisheit – solle man ja einen Baum pflanzen, um für die Zukunft zu sorgen. „Wir gehen gleich in die Vollen: Trotz Pandemie starten wir ein neues Festival“, sagt der Festspielhausintendant deshalb. Die Zukunft hat das Festspielhaus Baden-Baden mit dem im Februar erstmals stattfindenden Takeover-Festival also im Blick.

Und so werden bei einer entsprechenden Online-Pressekonferenz Videos eingespielt, in denen junge Künstler zu wummernden Bässen und klimpernden Technosounds gezeigt werden – Tänzer und Musiker sind darunter, Puppenspieler oder ein DJ. Das neue Festival richtet sich explizit an junge Erwachsene, will aber gleichzeitig nicht die Verbindung zur „Tradition des Hauses“ verlieren, wie Festspielhaussprecher Rüdiger Beermann sagt. Das Konzerthaus an der Oos möchte sich damit auch ein Stück weit neu erfinden, will tradierte Wege auch verlassen, um ein breiteres Publikum anzusprechen.

Einen wichtigen – wenn nicht gar den wichtigsten – Aspekt des vom 4. bis 6. Februar stattfindenden Takeover stellt dabei die Teilhabe dar: Workshops mit Künstlern und klassische Veranstaltungsformate ergänzen sich – das partizipative Moment wird jedoch zum Kern des neuen Formats. Das Publikum kann – ja, soll sich sogar – direkt einbringen, mitmachen und im besten Fall getreu des Festivaltitels die Bühne übernehmen. „Wortwörtlich soll das Haus erobert werden“, stellt auch Dany Weyer, Leiter des Partizipationsprogramms im Festspielhaus und maßgeblich an der Organisation des Festivals beteiligt, fest.

Stampa relativiert zwar: „Man kann, muss aber nicht mitmachen“. Doch sei die Einbindung des Publikums für die Kulturbranche insgesamt wichtiger denn je: „Das Thema Partizipation muss Teil werden unserer DNA“, sagt er. Schließlich gehe es darum, „dass sich die Menschen mitgenommen fühlen, dass sie gefordert werden“. Das Festspielhaus habe zwar noch keine Erfahrungen mit einem solchen interaktiven und genreübergreifenden Festival, jedoch eine generelle Verantwortung für das Musikleben von morgen, fügt er an.

Mit dem DJ im Wald unterwegs

Wie gewinnt man ein junges, global und digital denkendes Publikum? Einige der Antworten aus Baden-Baden lauten: Durch einen Waldspaziergang mit dem DJ Dominik Eulberg, mit einem dreitägigen Bühnenworkshop der Künstlergruppe Oorkaan oder einem Puppenspielworkshop für die bis zu fünf Meter großen, leuchtenden Puppen des Ensembles Dundu. Auch das SWR Sinfonieorchester, die Münchener Jazzrausch Bigband oder das Uppercut Dance Theater beteiligen sich. „Es ist ein Festival, bei dem man Künstlern und Kunst so nah kommen kann wie bei keinem anderen Festival“, hebt Eulberg in einer Grußbotschaft während der Pressekonferenz gar hervor.

Im Festspielhaus begreift man das anstehende Takeover, das den Auftakt für einen wahren Festivalreigen – insgesamt sieben Stück – im kommenden Jahr bildet, als „Festivallabor“, so Sprecher Beermann. Der Projektcharakter ist demnach unverkennbar; nun geht es darum, Erfahrungen zu sammeln, auszuwerten und für kommende Festivals zu nutzen.

Neben dem Festspielhaus soll die ganze Stadt eingebunden werden. Derzeit befinde man sich noch in der Planung, wie Weyer sagt: Sicher sei, dass es eine Takeover-Bar in der Innenstadt geben wird und Veranstaltungen an Orten stattfinden werden, die sonst nicht für jeden zugänglich sind. Doch Weyer macht es spannend: Bisher könne man noch nichts Konkretes verraten.

Ein im Festspielhaus erstmals eingeführter Festivalpass, der für Unter-30-Jährige günstiger ist, erlaubt den Zugang zu allen Veranstaltungen und Workshops.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
16. Dezember 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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