Im schlimmsten Fall droht Dammbruch

Elchesheim-Illingen (ans) – Die Freiwillige Feuerwehr Elchesheim-Illingen ist während des Hochwassers täglich unterwegs, um den Damm zu kontrollieren. Im schlimmsten Fall könnte er sonst brechen.

Der Damm hält das Wasser. Zu sehen sind (von links) Neuling Domink Fink und die Feuwehrleute Manuel Schöpfle, Ramona Siia, Michael Fritz und Manuel Haubich (von links). Foto: Anna Strobl

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Der Damm hält das Wasser. Zu sehen sind (von links) Neuling Domink Fink und die Feuwehrleute Manuel Schöpfle, Ramona Siia, Michael Fritz und Manuel Haubich (von links). Foto: Anna Strobl

Festes Schuhwerk, regendichte Jacken und ein Funkgerät, diese Dinge müssen bei einer Dammwache immer dabei sein. Jeden Tag sind die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Elchesheim-Illingen unterwegs, um während des Hochwassers die Sicherheit des Damms zu gewährleisten.

„Ab sieben Metern sprechen wir von Hochwasser“, sagt der zweite stellvertretende Kommandant Michael Fritz. Je nach Wasserstand kontrollieren die Feuerwehrleute den Damm im Zwei-bis-fünf-Stundentakt. Dann sind sie von der Gemarkung Steinmauern ausgehend bis Au am Rhein insgesamt knapp fünf Kilometer, unterwegs. Die Aufgaben sind vielfältig: Pegelstände müssen gemessen und dokumentiert werden, und der Damm wird auf Löcher überprüft. Natürlich gehöre es auch dazu, Spaziergänger und Jogger darauf hinzuweisen, dass das Betreten des Damms bei Hochwasser verboten ist, sagt Pressesprecher Manuel Haubrich.

Michael Fritz befestigt ein kaputtes Flatterband. Foto: Anna Strobl

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Michael Fritz befestigt ein kaputtes Flatterband. Foto: Anna Strobl

Im schlimmsten Fall könne es zum Dammbruch kommen, erklärt Fritz. Das habe es in Elchesheim-Illingen aber noch nie gegeben, fügt er hinzu. Abgelesen werden die Pegel „beim Fußballclub und am Schöpfwerk“. Bei hohem Wasserstand sollte der Damm keiner zusätzlichen Belastung ausgesetzt werden, weiß Haubrich. Auf ihren Rundgängen träfen sie teilweise auf verständnisvolle Bürger. Ein Mal mussten sie jedoch Strafanzeige wegen Beleidigung stellen, erzählt Fritz.

„Tierwelt liegt der Bevölkerung am Herzen“

Einmal habe Haubrich bei einer Dammwache zwei Rehe im Wasser entdeckt. „Ich wusste bis dahin nicht, dass Rehe schwimmen können“, gibt er zu. Die Wiederkäuer haben sich aber rechtzeitig an Land retten können. Die Tierwelt „liegt der Bevölkerung am Herzen“, sagt der Feuerwehrsprecher. Das merke man auch daran, dass der Post mit den schwimmenden Rehen über 1.500 Mal auf Facebook geteilt wurde. Am Mittwoch habe die Truppe einen Vater, der mit seinem Kind im Hochwasser im Wald unterwegs war, auf die nasse Gefahr hingewiesen. Im schlimmsten Fall könne man im aufgeweichten Boden stecken bleiben, erläutert der Sprecher. Weitere Gefahrenquellen bei Sturm bildeten Bäume in Dammnähe, die durch den aufgeweichten Boden nicht stabil stehen.

In der Nacht von Freitag auf Donnerstag, gegen Mitternacht, „sollte der Höchststand des Hochwassers erreicht sein“, meint Haubrich. Danach rechnen die Fachmänner damit, dass das Wasser jeden Tag einen halben Meter zurückgehen wird. Am Dienstag werde es dann wahrscheinlich vorbei mit dem Hochwasser sein, meint Fritz. Danach könne es zwei bis vier Wochen dauern, bis der „Normalzustand“ wieder erreicht sei.

Niederschlag, Tauwetter und Regen lassen Pegel steigen

„Viel Wasser, wenig Flussbett ist gleich Hochwasser“, fasst Haubrich zusammen. Wie das Phänomen entsteht, erklärt der Fachmann so: „Viele Niederschlag, dazu kommt Tauwetter und Regen in den Hochlagen“. Über Zuflüsse gelangt das Wasser dann in den Rhein.

Kürzlich habe die Feuerwehr einen Aufruf auf Facebook gestartet, um neue Mitglieder zu finden. Seit Kurzem mit dabei ist Ramona Siia. Sie ist bereits aufgenommen und ausgestattet worden. „Durch das Hochwasser hatte ich die Chance, einen Einblick zu bekommen“, berichtet die junge Frau. Es sei eine „neue Herausforderung“, auf die sie sich freue. Auch noch nicht lange bei der Feuerwehr aktiv ist Dominik Fink, der gerade in Kurzarbeit ist. Als er am Damm bei der Absperrung Richtung Altrhein mit seinem Hund „Krümel“ unterwegs war, wurde er von Fritz eingeladen, mit auf die Dammwache zu kommen. „Ich bin gerne hilfsbereit“, sagt Fink, der sofort dabei war.

Das Wasser sucht sich seinen Weg aus dem zu engen Flussbett. Foto: Manuel Haubrich

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Das Wasser sucht sich seinen Weg aus dem zu engen Flussbett. Foto: Manuel Haubrich

Die Nachmittagstour beginnt um 15 Uhr. Dann steigen die Floriansjünger ins Feuerwehrauto und fahren los. In Gruppen aufgeteilt, gehen sie von zwei Seiten den Damm ab. Startpunkt der Dammbegehung ist das Schöpfwerk an der Gemarkungsgrenze Au am Rhein. Das Schöpfwerk „sorgt für trockene Füße hier im Ort“, merkt Haubrich scherzhaft an.

Dort angekommen wird erst mal der Pegelstand abgelesen. Unterwegs repariert Fritz ein durchtrenntes Flatterband. Eigentlich soll dieses symbolisieren: „Hier ist Schluss“, erklärt Haubrich. Daran halten sich aber nicht alle: Mitten auf dem Weg treffen die Feuerwehrleute auf einen Spaziergänger. Diesen bitten sie sogleich höflich, den Damm zu verlassen. „Oft biegen die Leute auch einfach ab, wenn sie uns aus der Ferne sehen“, erzählt Fritz.

Ihr Autor

BT-Volontärin Anna Strobl

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Erstellt:
6. Februar 2021, 11:45 Uhr
Lesedauer:
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