Immer mehr Anzeigen bei der Stadt Gaggenau

Gaggenau (stj) – Die Große Kreisstadt Gaggenau registriert verstärkte Bauaktivitäten im Außenbereich – und will nun gegensteuern, unter anderem mit einem Außennutzungskonzept.

Inzwischen wieder entfernt wurden diese Pfosten zur Einfriedung eines Grundstücks am Kuppelsteinbad. Foto: Stephan Juch

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Inzwischen wieder entfernt wurden diese Pfosten zur Einfriedung eines Grundstücks am Kuppelsteinbad. Foto: Stephan Juch

Gartenhütten, Terrassenanlagen, Outdoor-Küchen, Treppen, Zäune, Stellplätze, Spielgeräte: Wer auf dem Sauberg zwischen Ottenau und Selbach spazieren geht, der kommt sich teilweise vor wie im Grünzug zwischen Häuserreihen eines schicken Neubaugebiets. Dabei ist die Wiesenlandschaft „ganz sicher besonders schützenswert“. Diese Einschätzung der Stadt Gaggenau deckt sich indes nicht mit den baulichen Aktivitäten, die dort zuletzt massiv zugenommen haben.

Bürger, die gerne auf dem Sauberg unterwegs sind, haben gerade in den zurückliegenden rund 18 Monaten der Pandemie einen starken Anstieg neuer baulicher Anlagen registriert. Manche sprechen von mehr als einem Dutzend, die zuletzt dort entstanden sein sollen. Einige davon wurden bei der Stadt Gaggenau angezeigt, wie Pressesprecherin Judith Feuerer auf BT-Anfrage bestätigt.

Deshalb gab es zu der Problematik kürzlich ein Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Rastatt. „In diesem Rahmen haben wir ein paar der Fälle besprochen, die in den letzten Monaten bei uns angezeigt wurden. Wir werden in denjenigen Bereichen, in denen die angezeigten baulichen Anlagen sich befinden und nur wenige weitere bauliche Anlagen vorzufinden sind, Fälle aufgreifen“, kündigt Feuerer an. Denn: Grundsätzlich darf im Außenbereich nicht gebaut werden.

Stellungnahme von der Unteren Naturschutzbehörde erwartet

Von der Unteren Naturschutzbehörde erwartet die Stadt Gaggenau nun eine Stellungnahme, welche Bereiche aus naturfachlicher Sicht besonders schützenswert sind, welche einen mittleren Schutzstatus haben und welche nicht schützenswert sind beziehungsweise schon aufgrund der Vielzahl der baulichen Anlagen aufgegeben werden müssen. „Geplant ist eine entsprechende Abstufung beim Vorgehen gegen diese baulichen Anlagen“, erläutert Feuerer weiter. Da der Sauberg bei der Stadt als besonders schützenswert eingestuft wird, kann man davon ausgehen, dass Grundstücksbesitzer, die dort zuletzt an was auch immer gewerkelt haben, in absehbarer Zeit aufgefordert werden, bestimmte Anlagen zurückzubauen.

Heil als Landschaftsschutzgebiet wohl nicht mehr zu retten

Nicht jedes Wiesengrundstück (hier ein Beispiel an der L79a in Richtung Selbach) darf einfach so mit einem festen Zaun versehen werden. Foto: Stephan Juch

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Nicht jedes Wiesengrundstück (hier ein Beispiel an der L79a in Richtung Selbach) darf einfach so mit einem festen Zaun versehen werden. Foto: Stephan Juch

Anders sieht das wohl hinsichtlich der Heil aus. Dort sei es laut Feuerer „fraglich, ob da noch etwas gerettet werden kann. Dies ist umso bedauerlicher, denn ursprünglich hat es sich auch dort um Landschaftsschutzgebiet gehandelt“.

Die aktuelle Planung der Stadt Gaggenau sieht wie folgt aus: „Unsere Baurechtsabteilung, die sich bereits länger mit der Thematik beziehungsweise Problematik befasst, wird ihre Strategie zu Beginn des neuen Jahres (vermutlich zwischen Januar und März) im Gemeinderat vorstellen und auch darlegen, welche ersten Maßnahmen ergriffen werden sollen. In der zweiten Jahreshälfte 2022 erwarten wir das Außennutzungskonzept. Hierzu sehen wir uns gezwungen, weil im letzten Jahr wirklich sehr viele bauliche Anlagen hinzu gekommen sind, wir immer mehr Anzeigen bekommen und wir eben davon ausgehen müssen, dass es immer so weiter geht, wenn wir nicht eingreifen und auf Genehmigungspflicht und Regeln hinweisen.“


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