Immer mehr Lieferfahrzeuge in Baden-Badens Zentrum

Baden-Baden (hez) – Die Stadtverwaltung lässt Konzept für die Chancen zur Reduzierung der Anlieferungen in der Innenstadt erarbeiten. Doch nicht jede Anregung lässt sich auch realisieren.

Immer mehr Lieferungen müssen zu den Bestellern gebracht werden. Das macht sich auch im Straßenverkehr bemerkbar. Foto: Jan Woitas/dpa

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Immer mehr Lieferungen müssen zu den Bestellern gebracht werden. Das macht sich auch im Straßenverkehr bemerkbar. Foto: Jan Woitas/dpa

Zum täglichen Verkehrsgewühl in der Innenstadt tragen neben den privaten Autofahrern zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auch die zahlreichen Lieferfahrzeuge teil. Um den Anlieferverkehr besser zu ordnen und möglichst zu reduzieren, hat die Stadt jetzt ein City-Logistik-Konzept erarbeiten lassen, das jüngst im Bauausschuss vorgestellt wurde.

„Eines hat sich ganz deutlich gezeigt: Die Zahl der Lieferfahrzeuge in der hiesigen Innenstadt steigt“, betonte Sebastian Scherer vom beauftragten Karlsruher Fachbüro, als er in der Sitzung des Bauausschusses über die Ergebnisse der Untersuchung berichtete. Fahrzeuge zum Be- und Entladen werden nicht nur von Logistikdienstleistern, sondern auch von Einzelhändlern und Gastronomiebetrieben zeitweise abgestellt.

Die starke Zunahme, die bei den Auslieferungen zu verzeichnen ist, führt Scherer besonders auf den Internethandel zurück. Ein weiterer Faktor für die schwierige Anliefersituation in Baden-Baden ist die räumliche Beengtheit in der Altstadt. In der Analyse wird auch darauf verwiesen, dass vor der jetzigen Untersuchung überhaupt keine Daten zum Güterverkehr in der Kurstadt ermittelt worden sind.

Zahlenerhebungen zum Lieferverkehr wurden nun am Leopoldsplatz, Hindenburgplatz, Jesuitenplatz und Willy-Brandt-Platz vorgenommen. Dabei hat sich gezeigt, dass rund zwei Drittel der Haltevorgänge eindeutig dem Wirtschaftsverkehr zuzuordnen sind, wobei die Haltezeit bei 78Prozent der Fälle maximal 20 Minuten dauert. Festgestellt wurde auch, dass die eingerichteten Ladezonen oft zu weit entfernt liegen und von anderen Fahrzeugen „fehlbelegt“ werden.

Projekt: „Lieferung an den Arbeitsplatz“

Um den gesamten Anlieferverkehr stadtverträglicher abzuwickeln, schlägt das Fachbüro diverse Maßnahmen vor. Dabei geht es einmal um die Überarbeitung der Ladezonenstruktur und die stärkere Sanktionierung von widerrechtlichem Parken in diesen Bereichen. Weiter empfehlen die Gutachter die Förderung emissionsfreier Lieferfahrzeuge. Diesen könnten zum Beispiel beim Ausliefern besondere Privilegien eingeräumt werden.

Als weiteres Projekt wird der Aufbau eines städtischen Liefernetzwerkes ins Gespräch gebracht. Die Stadtverwaltung muss ohnehin einen gewissen Lieferverkehr zwischen Ämtern im Stadtgebiet organisieren. Dies könnte man, so die Idee, noch ausbauen und dabei auch private Lieferungen (Pakete) annehmen beziehungsweise verteilen.

Um den Lieferverkehr bei Päckchen- und Paketzustellungen zu reduzieren, wird auch eine Überprüfung vorgeschlagen, inwieweit sich ein Projekt „Lieferung an den Arbeitsplatz“ realisieren lässt. Die Stadtverwaltung könne da mit gutem Beispiel vorangehen. Natürlich so Thomas Schwarz, Leiter des städtischen Fachbereichs Planen und Bauen, dürfe so etwas gewisse Größenordnungen nicht überschreiten: „Ein zerlegtes Gartenhaus kann man sich nicht zum Arbeitsplatz bringen lassen.“

Andere gängige Konzepte zur Ordnung und Reduzierung des Lieferverkehrs lassen sich nach Gutachtermeinung hingegen in Baden-Baden nicht realisieren. So sei eine Zusammenarbeit der Logistikdienstleister nur schwer zu erreichen. Für die Einrichtung von Güterverkehrszentren und Mikrodepots sind die Liefermengen in Baden-Baden zu gering. Die Stadtverwaltung, so Thomas Schwarz, will die Anregungen aus dem Logistik-Gutachten vertiefen und klären, was davon realisiert werden könnte.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
30. Juli 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
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