Immer mehr Schüler bei weniger Lehrern

Rastatt (mak) – In den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZen) wird es künftig mehr Schüler und gleichzeitig einen gravierenden Lehrermangel geben.

Der stark steigende Platzbedarf in der Pestalozzi-Schule setzt den Landkreis unter Druck. Es müssen möglichst rasch neue Räume geschaffen oder gefunden werden. Foto: pr/av

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Der stark steigende Platzbedarf in der Pestalozzi-Schule setzt den Landkreis unter Druck. Es müssen möglichst rasch neue Räume geschaffen oder gefunden werden. Foto: pr/av

Diese Entwicklung wurde in der jüngsten Sitzung des Kreistag-Ausschusses für Schulen und Kultur deutlich. Bereits in diesem Schuljahr musste an der Pestalozzi-Schule Rastatt und der Astrid-Lindgren-Schule Iffezheim regulärer Nachmittagsunterricht wegen Lehrermangels ausfallen. An den SSBZen mit dem Förderschwerpunkt Lernen, der Augusta-Sibylla-Schule Rastatt, der Erich-Kästner-Schule Gaggenau sowie der Rheintalschule Bühl, konnten fest etablierte freiwillige Förderangebote nicht mehr angeboten werden, verdeutlichte Lysann Jakob, Sachgebietsleiterin Schulverwaltung beim Amt für Finanzen, Gebäudewirtschaft und Kreisschulen.

Der Wegfall der Bildungs- und Förderangebote sei durch die Corona-Pandemie verstärkt worden, aber nicht alleine auf diese zurückzuführen. Bei gleichzeitig steigenden Schülerzahlen und einem bei vielen Schülern zunehmenden Betreuungs- und Förderbedarf sei eine adäquate Unterrichtsversorgung an den Sonderschulen „nicht hinreichend gesichert“.

Zusätzliche Stunden an Regelschulen

Hinzu komme, dass mit der Verankerung von Inklusion im Schulgesetz die Anzahl an inklusiv beschulten Kindern in den Regelschulen angestiegen ist. Diesen inklusiven Schülern stehen sozialpädagogische Lehrerstunden zu, die von den SBBZen zusätzlich an den Regelschulen geleistet werden müssten. Lösungen, die zur Entlastung beitragen können, seien nicht in Sicht.

Der Ansatz, dem veränderten Förderbedarf der Schüler besser gerecht zu werden, indem an einem SBBZ mehrere Förderschwerpunkte eingerichtet und mit entsprechend ausgebildeten Lehrkräften versorgt werden, müsse im Blick behalten werden.

Sorgen bereitet den Verantwortlichen vor allem die steigenden Schülerzahlen an der Pestalozzi-Schule Rastatt, die vom Schuljahr 2019/2020 von 110 auf 146 Schüler im kommenden Schuljahr steigen wird. Bei einem Klassenteiler von sechs sei diese Steigerung gleichbedeutend mit sechs zusätzlichen Klassen innerhalb von drei Schuljahren, betonte Jakob. Ein weiteres Ansteigen der Schülerzahl sei bereits rein aus demografischen Gründen zu erwarten. Daneben sei der seit Jahrzehnten kontinuierlich steigende Anteil an Kindern mit Förderbedarf in der geistigen Entwicklung mitursächlich für die höheren Schülerzahlen. Die Ursachen für den Anstieg seien allerdings nicht eindeutig zu klären. Um den wachsenden Raumbedarf zu erfüllen, seien Maßnahmen zur Schaffung von zusätzlichen Klassenzimmern und Fachräumen an der Stammschule sowie weiterführende Standortüberlegungen erforderlich.

An drei Tagen Ganztagsbetreuung

Die landesweit angestrebte Ausweitung der Ganztagsangebote sei an den SBBZen größtenteils umgesetzt. Alle fünf Einrichtungen bieten an drei Tagen in der Woche eine ganztägige Beschulung an. Zusätzlicher Bedarf bestehe vereinzelt in der Grundstufe der Augusta-Sibylla-Schule Rastatt sowie am Schulkindergarten Iffezheim. „Für eine Deckung dieses Bedarfs durch klassische Betreuungsangebote wie verlängerte Öffnungszeiten oder einen Hort ist die konkrete Nachfrage jedoch zu gering und kann auch aufgrund weiterer Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die Schülerbeförderung, an den kreiseigenen Schulen weder pädagogisch sinnvoll noch wirtschaftlich umgesetzt werden“, erläuterte Jakob. Tanja Hofmeister (Grüne) wollte wissen, ob die Ursachen für die gestiegenen Schülerzahlen noch erforscht werden. Lysann Jakob erläuterte, dass der massive Schüleranstieg verschiedene Ursachen habe. So sei unter anderem die medizinische Entwicklung ein wesentlicher Faktor, aber auch die Zahl der Zuzüge in den Landkreis Rastatt seien zu berücksichtigen. Frank Kiefer (CDU) schlug vor, außerhalb der im Oktober geplanten Schulbereisung einen Termin zu vereinbaren, um sich für die Pestalozzi-Schule Zeit nehmen zu können. Die Stadt und die Schulleitung sollten frühzeitig eingebunden werden.


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