Immerhin eine kleine Solaranlage auf der Deponie

Gaggenau (red/tom) – Die Energiegenossenschaft Durmersheim plant die Erzeugung von Sonnenstrom auf dem Dach des Deponiegebäudes in Oberweier.

Das Deponiegelände in Oberweier ist abgedeckt und gilt damit als nicht geeignet für eine Solarstromanlage. Foto: Senger/Archiv

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Das Deponiegelände in Oberweier ist abgedeckt und gilt damit als nicht geeignet für eine Solarstromanlage. Foto: Senger/Archiv

Der Bau des Betriebsgebäudes auf der Entsorgungsanlage in Oberweier liegt trotz Corona-Pandemie im Zeitplan. Vergeben wurden Arbeiten an der Verkehrsanlage. Außerdem soll der Bau einer Solarstromanlage auf dem Dach doch realisiert werden.

Damit könnte nun doch ein Anliegen aus Gaggenau realisiert werden – zumindest in einer kleinen Variante. Immer wieder wurde angemahnt, dass auf dem Deponiegelände ein Solarpark entstehen könnte. So wurde die ehemalige Ortsvorsteherin Rosalinde Balzer nicht müde darauf hinzuweisen, dass zum Beispiel in Rheinland-Pfalz auf stillgelegten Deponien Solarparks errichtet werden dürften. Die gesamte ehemalige Deponie in Oberweier habe eine Fläche von etwa zwölf Hektar. Etwa ein Drittel komme für einen Solarpark in Frage, meint Balzer. Dagegen hatte der Abfallwirtschaftsbetrieb stets argumentiert, dass die Kombiabdichtung der Deponie aus Folie und einer darüber gelagerten 90 Zentimeter dicken Erdschicht auf keinen Fall beschädigt werden dürfe. Dies sei aber beim Errichten von Solarmodulen zu erwarten.

Die jüngste Sitzung des Betriebsausschusses „Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises“ ist wegen Corona verschoben worden. Die vorgesehenen Beschlüsse fielen im Wege der Eilentscheidung. Die teilte gestern das Landratsamt mit. Von den neuen Überlegungen zur Erzeugung von Sonnenstrom nahm der Ausschuss Kenntnis.

Durch das Ingenieurbüro KW2 Ingenieure aus Karlsruhe waren bereits für eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung mehrere Berechnungsvarianten geprüft worden. Durchweg lautete allerdings das Ergebnis: unwirtschaftlich.

Ungeachtet dessen will die Bürger-Energiegenossenschaft Durmersheim eG eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des neuen Gebäudes errichten und betreiben.

Hartmut Oesten ist Vorstandssprecher der Genossenschaft. Er bestätigte gestern im BT-Gespräch: „Wir planen eine Anlage mit 40 kwp auf dem neuen Betriebsgebäude.“

Derzeit arbeite man an einem Nutzungsvertrag. Der Strom, der auf dem Dach erzeugt werden soll, werde vor Ort auch für das Gebäude genutzt. Als Investitionskosten rechne die Genossenschaft mit 60 000 bis 70 000 Euro. Angestrebt werde eine Ausschreibung der Arbeiten Anfang Juni. Im Idealfall könne die Genossenschaft dann ab September/Oktober Strom liefern.

Das Vorhaben ist nicht das erste der Durmersheimer Genossenschaft. Sie wurde 2010 gegründet. Noch in diesem Sommer soll auf den Dächern der Sporthalle Bischweier und des Kinderhauses Regenbogen Fotovoltaikanlagen installiert werden (wir berichteten).

Neubau soll Ende 2020 bezugsfertig sein

Bisher installierte und betreibt sie zwölf Photovoltaikanlagen in Durmersheim, Au am Rhein, Würmersheim, Rastatt, Rheinstetten und Karlsruhe. Der eingesparte CO2-Ausstoß belaufe sich pro Jahr auf rund 450 Tonnen.

Für das Deponiegebäude müssen noch Statik, Modulbelegung, Technische Installation und Kosten abschließend geklärt werden, so das Landratsamt.

Der Auftrag zur Durchführung der Leistungen für das Gewerk Nummer 28 „Verkehrsanlagen“ für den Neubau des Betriebsgebäudes wird an die Firma Huber Bau, Ottenhöfen für knapp 297 000 Euro brutto vergeben. Das sind gut 20 Prozent weniger als erwartet. Der Neubau sowie die Sanierung der angrenzenden Fahrzeughalle einschließlich Zufahrtsstraße von der Waage bis zur Umladehalle und des Wertstoffhofs soll insgesamt 1,6 Millionen Euro kosten.

Die Innenausbauarbeiten für das Betriebsgebäude können voraussichtlich in den nächsten Wochen abgeschlossen werden.

Danach ist vorgesehen, die Übergangscontaineranlage für das Deponiepersonal zu entfernen. Ab der Kalenderwoche 23 werde mit den Straßenbauarbeiten begonnen. Dabei wird auch auf dem Vorplatz der Fahrzeughalle ein Waschplatz eingerichtet und der derzeitige Wiegemeistercontainer von der Waageninsel entfernt und umgesetzt. Der Wiegemeistercontainer wird Bestandteil der geplanten Umweltbildungsstation.

Danach steht die Sanierung der älteren der beiden Straßenfahrzeugwaagen an. Noch in diesem Jahr soll die Gesamtmaßnahme abgeschlossen sein.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises will einen sogenannten Abfallerlebnispfad auf der Deponie in Oberweier einrichten. In Baden-Württemberg gibt es einen solchen Lehrpfad bereits seit 2008 im Landkreis Tübingen. Der mit Unterstützung des Umweltministeriums auf der Restdeponie Dußlingen eingerichtete Abfallerlebnispfad wurde als außerschulischer Lernort konzipiert.

Aus Gründen der Nachhaltigkeit soll in Oberweier der alte Wiegehaus-Container, der im Zuge des Neubaus auf dem Deponie-Gelände nicht mehr benötigt wird, als kleines Labor eingerichtet und so zur Anlaufstation des Abfallerlebnispfads werden.

An der Umweltbildungsstation sollen erlebnispädagogische Exkursionen mit Experimenten, Labor- und Selbstversuchen rund um das Thema Abfallwirtschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbildung stattfinden. Die Station für den Lehrpfad soll auf dem westlichen Teil des Wiesengeländes errichtet werden, weil dort ein artenarmes Gebiet attestiert worden sei und somit kein erheblicher Eingriff in den Naturhaushalt vorliege. Die Gesamtfläche für das Projekt beträgt rund 2 000 Quadratmeter (wir berichteten).


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