Immobilien: Preisauftrieb in Mittelbaden ungebrochen

Baden-Baden/Rastatt (tas) – Im Corona-Lockdown ist das Interesse an Wohnimmobilien noch größer geworden. Das sorgt für kräftig steigende Preise – auch in der Region.

Das Angebot an Wohnimmobilien ist überschaubar geworden.Foto: Tobias Hase/dpa

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Das Angebot an Wohnimmobilien ist überschaubar geworden.Foto: Tobias Hase/dpa

Seit Jahren kennen die Immobilienpreise nur eine Richtung: aufwärts – egal ob in den deutschen Metropolen, im Speckgürtel drumherum oder im ländlichen Raum. Die Corona-Krise hat diesen langfristigen Trend noch einmal beschleunigt. Die Nachfrage ist groß, das Angebot begrenzt, das macht kaum Hoffnung auf eine Entspannung der Lage.

Laut einer Studie der Postbank haben sich in mehr als 94 Prozent aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland die Preise für Wohnimmobilien im Bestand im vergangenen Jahr verteuert, im Schnitt um 9,6 Prozent (inflationsbereinigt). Bereits 2019 lag der Preisanstieg bei 9,3 Prozent. Die teuersten Pflaster in Baden-Württemberg sind traditionell in Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Ulm zu finden, aber auch im Stadtkreis Baden-Baden. Hier lagen die Kaufpreise für einen Quadratmeter zuletzt im Schnitt über 3.100 Euro und reichten bis zu 8.600 Euro. Im Landkreis Rastatt lag die Spanne zwischen 2.500 und 3.100 Euro.

Die vom Online-Immobilienportal Scoperty erfassten Daten für das erste Quartal 2021 bestätigen diese Einschätzung. Denen zufolge lag der durchschnittliche Quadratmeterschätzwert für Einfamilienhäuser im Landkreis Rastatt bei 2.796 Euro, bei Wohnungen sind es 2.617 Euro. Seit 2018 liegt der durchschnittliche Preisanstieg bei rund 32 Prozent. Im Stadtkreis Baden-Baden fällt dieser mit etwas mehr als 27 Prozent zwar geringer aus, dafür lag der durchschnittliche Quadratmeterschätzwert für Einfamilienhäuser und Wohnungen im ersten Quartal mit 3.586 Euro beziehungsweise 3.178 Euro auch deutlich höher.

Die Lust auf die eigenen vier Wände, eventuell noch mit etwas Grün dazu, ist während der Corona-Lockdowns also nicht gerade kleiner geworden. „Wohnimmobilien werden noch deutlich stärker wertgeschätzt als vor der Covid-19-Krise, sodass sie sich weiter kontinuierlich verteuern“, ist Jens Tolckmitt, der Geschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP), überzeugt. Der VDP hatte für das erste Quartal 2021 ein Preisplus bei Wohnimmobilien von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ermittelt.

Zinsen für Immobilienkredite leicht angestiegen


Doch wer kann sich die eigenen vier Wände angesichts der deutlich steigenden Preise überhaupt noch leisten? Denn die Lohnentwicklung in Deutschland hinkt der Wertentwicklung bei Immobilien deutlich hinterher. Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden sind die Bruttolöhne in der Republik zwischen 2010 und 2020 jährlich im Schnitt um jeweils 2,5 Prozent angestiegen. Ungefähr im selben Zeitraum legten die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum aber doppelt so stark zu.

Der Frage, ob sich Verbraucher derzeit trotzdem an den Immobilienkauf wagen sollten, ist die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 8/2021) nachgegangen. Ein entscheidender Faktor dabei ist: Wieviel Miete zahlt man langfristig im Vergleich zum Kauf einer Immobilie? Hier lautet die gute Nachricht: „In den meisten Städten und Landkreisen sieht die Rechnung für Käufer viel besser aus, weil die Quadratmeterpreise niedriger und im Verhältnis zu den Mieten deutlich günstiger sind“, urteilen die Finanzexperten. „Nach einem Kauf ist die Monatsbelastung in vielen Regionen nicht oder nur wenig höher als nach Abschluss eines neuen Mietvertrags – mitunter sogar niedriger.“ Das gelte sogar für große Städte. Beim Kauf gilt die Faustregel: Kostet die Immobilie mehr als 25 Jahres-Netto-Kaltmieten vor Ort, ist sie vergleichsweise teuer.

Doch Vorsicht: In den vergangenen Monaten sind die Zinsen für Immobilienkredite leicht angestiegen. Nach Angaben der FMH-Finanzberatung lag die mittlere Zinsbelastung im Januar noch bei 0,95 Prozent – bei einer Laufzeit von 15 Jahren –, derzeit sind es 1,21 Prozent (Stand: 14. Juli). Auch solch kleine Veränderungen können das Darlehen schnell um einige Tausend Euro verteuern.

Laut Scoperty bleibt der Immobilienwunsch aber weiterhin finanzierbar. „Wer jetzt mit einem Darlehen von 240.000 Euro an einer Eigentumswohnung interessiert ist, kann sich in rund 95 Prozent der etwa 11.000 Orte in Deutschland eine durchschnittliche Wohnung leisten“, urteilen die Marktbeobachter. Für die Berechnung hat Scoperty die aktuelle durchschnittliche Wohnungsgröße in Deutschland bestimmt, die bei 67 Quadratmetern liegt. Um sich mit 240.000 Euro eine Wohnung dieser Größe leisten zu können, darf der Quadratmeterpreis bei höchstens 3.580 Euro liegen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
15. Juli 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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