Immobilien der Katholischen Kirche Bühl auf dem Prüfstand

Bühl (hol) – Alban Stolz ist Vergangenheit: Der Schriftzug auf dem katholischen Gemeindehaus in Bühl ist abmontiert worden. Die Kirchenleitung stellt derweil ihre Immobilien auf den Prüfstand.

Vorher: Mit den zehn Buchstaben auf dem Gemeindehaus Bühl ist der Name Alban Stolz aus dem Stadtbild verschwunden.  Foto: Siegfried Kachel

© Siegfried Kachel

Vorher: Mit den zehn Buchstaben auf dem Gemeindehaus Bühl ist der Name Alban Stolz aus dem Stadtbild verschwunden. Foto: Siegfried Kachel

Die zehn umstrittenen Buchstaben an der Fassade des katholischen Gemeindehauses in Bühl sind abmontiert. Alban Stolz ist damit aus dem Bühler Stadtbild verschwunden. Doch die Entfernung des Schriftzugs ist nur ein kleiner Schritt. Wie es mit den Immobilien der Kirche in der Zwetschgenstadt überhaupt weitergeht, ist dagegen eine große Frage.
„Ja“, sagt der Leiter der Seelsorgeeinheit Andreas Schneider, „der Schriftzug wurde entfernt. Und jetzt heißt das Haus erst einmal katholisches Gemeindehaus.“ Auf die Frage, ob es denn langfristig bei dieser recht schmucklosen Funktionsbezeichnung bleiben wird, muss der Pfarrer, der seinen Dienst in Bühl erst im Frühjahr angetreten hat, etwas weiter ausholen. „Die künftige Namensgebung des Gebäudes wird erst zum Thema, wenn wir wissen, was mit dem Gemeindehaus überhaupt passiert“, sagt er. Und darüber gibt es derzeit noch keine Klarheit.

Im Bürgerhaus Neuer Markt einmieten?

Sicher ist: Wenn die katholische Seelsorgeeinheit das Gemeindehaus im Herzen von Bühl weiter nutzen will, dann wird das eine Menge Geld kosten. „Das Haus müsste innen saniert und auch energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden“, sagt Schneider. Frühere Pläne für einen gemeinsamen Neubau mit der Stadt und der Volksbank Bühl haben sich zerschlagen. „Das ist nicht finanzierbar und nicht realisierbar“, so der Pfarrer. Und nun stelle sich eben die grundsätzliche Frage: „Braucht man überhaupt einen Neubau? Oder gibt es anderswo Nutzungskapazitäten für die Kirche?“

Erbaut wurde das katholische Gemeindehaus, als es das Bürgerhaus Neuer Markt noch nicht gab und die kirchlichen Räume auch für kulturelle Veranstaltungen vermietet werden konnten. Eine wichtige Einnahmequelle, die längst weggebrochen ist. Künftig könnte es deshalb auch andersherum laufen, wie Schneider durchblicken lässt. „Eine Kooperation mit der Kommune ist denkbar: Wir könnten uns im städtischen Veranstaltungszentrum einmieten. Das ist alles eine Kostenfrage.“ Aber auch andere Einrichtungen der katholischen Kirche in und um Bühl könnten von der Stadt-Gemeinde mitgenutzt werden, meint Schneider weiter.

Dazu müsse man aber erst einmal genau feststellen, wie groß der kirchliche Gebäudebestand überhaupt in Bühl ist, wie der Zustand der einzelnen Immobilien ist, auf welche Weise sie derzeit genutzt werden und ob es noch freie Kapazitäten gibt. „Zur Klärung dieser Frage lassen wir eine Gebäudenutzungsanalyse erarbeiten“, erläutert der Pfarrer weiter. In dem Papier, das bis Jahresende vorliegen könnte, soll der gesamte Bestand aller verfügbaren Immobilien der Kirche auf den Prüfstand gestellt werden.

Gebäude abstoßen und umwidmen

Das ist eine umfangreiche Arbeit – doch die schwierigere Aufgabe folgt danach. „Dann müssen wir entscheiden: Was brauchen wir denn überhaupt noch in und um Bühl?“ Die meisten Gebäude seien sanierungsbedürftig. „Wir müssen das knappe Geld auf die wichtigsten Projekte verteilen.“ Gebäude, die nicht mehr benötigt würden, müssten dann wohl abgestoßen oder umgewidmet werden, spricht er Klartext.

Und hier schließt sich der Kreis zur anfänglichen Frage nach dem neuen Namen fürs katholische Gemeindehaus: „Was nützt es denn, wenn wir jetzt einen neuen Namen vergeben, am Ende aber das Haus abgerissen werden muss?“ Schneider macht klar, dass dieser „Extremfall“ nicht unbedingt eintreten muss. Aber es mache überhaupt keinen Sinn, jetzt schon einen neuen Namen zu vergeben.

Der ursprüngliche Namensgeber Alban Stolz, ein 1808 in Bühl geborener Theologe, Pädagoge und Volksschriftsteller, war wegen seiner Judenfeindlichkeit in Verruf geraten, die in vielen seiner Veröffentlichungen deutlich wird. In Bühl wurde im vergangenen Jahr deshalb die Alban-Stolz-Straße in „Straße der Weißen Rose“ umbenannt. Der katholische Pfarrgemeinderat hatte sich im Frühjahr einstimmig bei einer Enthaltung für die Umbenennung des Gemeindehauses entschieden. Der Schriftzug wurde in den zurückliegenden Wochen entfernt.

Kommentar

Feingefühl und Gottes Segen

Von Harald Holzmann

Das wird nicht leicht: In den kommenden Jahren wird die katholische Kirche in und um Bühl abspecken müssen. Der große Immobilienbestand, der beileibe nicht nur die sakralen Gebäude umfasst, ist bei sinkenden Mitgliederzahlen und damit geringer werdenden Einnahmen nicht unverändert in die Zukunft zu führen. Der Sanierungsbedarf ist groß – der Platzbedarf dagegen zumindest an mancher Stelle gering. Sprich: Es herrscht mancherorts ein leicht maroder Leerstand. Dass der neue Pfarrer Andreas Schneider angesichts dessen davon spricht, dass wohl Gebäude abgestoßen, umgewidmet oder gar abgerissen werden müssen, mag für die Kirche und die betroffenen Gemeindemitglieder zwar schmerzlich sein. Aber es ist nur logisch, denn Sanierungen kosten – ganz profan und irdisch – auch die Kirche Geld. Und Schneider hat Recht, wenn er darauf hinweist, dass es wichtig sei, dass die Kirche verantwortungsvoll mit den Mitteln aus der Kirchensteuer umgehe. So ist dem neuen Mann an der Spitze der Seelsorgeeinheit ein glückliches Händchen zu wünschen bei der großen Aufgabe, die katholische Kirche in Bühl zukunftsfähig aufzustellen. Dazu braucht es sehr viel Fingerspitzengefühl – und Gottes Segen sowieso.

Nachher: Die umstrittenen Buchstaben sind entfernt. Ein neuer Name für das Gebäude ist noch nicht in Sicht.  Foto: Siegfried Kachel

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Nachher: Die umstrittenen Buchstaben sind entfernt. Ein neuer Name für das Gebäude ist noch nicht in Sicht. Foto: Siegfried Kachel

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
3. August 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 26sec

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