Impfangebote in der Region werden reduziert

Rastatt/Baden-Baden (BT) – Das Land Baden-Württemberg will ab Anfang April das Impfangebot wegen fehlender Nachfrage zumindest bis Herbst reduzieren. Das betrifft auch Impfstützpunkte in Mittelbaden.

Hier wird weiter gepikst: Der Betrieb im Kreisimpfzentrum im ehemaligen Café an der Pagodenburg in Rastatt wird voraussichtlich bis Ende September fortgesetzt. Foto: Martina Holbein

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Hier wird weiter gepikst: Der Betrieb im Kreisimpfzentrum im ehemaligen Café an der Pagodenburg in Rastatt wird voraussichtlich bis Ende September fortgesetzt. Foto: Martina Holbein

In den Impfzentren in Mittelbaden hat sich die Nachfrage seit dem Jahreswechsel sukzessive verringert, wie Benjamin Wedewart, Pressesprecher des Landkreises Rastatt, auf BT-Nachfrage mitteilt. Auch das baden-württembergische Sozialministerium nimmt einen schwindenden Bedarf an Impfungen wahr, weshalb die Landesregierung die Impfangebote ab April herunterfahren möchte – auch um Kosten einzusparen.

„Etwa seit der sechsten Kalenderwoche werden wöchentlich in Summe zwischen 400 und 500 Impfungen in den Impfambulanzen in Bühl und Gaggenau sowie dem Kreisimpfzentrum in Rastatt verabreicht“, schildert Wedewart die Situation.

Fehlende Nachfrage

In den meisten anderen Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg verhält es sich ähnlich, weshalb die Regierung das Impfangebot im Südwesten ab April wegen fehlender Nachfrage zumindest bis zum Herbst reduzieren will. Statt der bisher etwa 350 mobilen Impfteams und 135 Impfstützpunkten soll es jeweils nur noch ein Team und einen Stützpunkt in allen 44 Stadt- und Landkreisen geben. Das geht aus der Kabinettsvorlage des Sozialministeriums hervor. So sei es möglich, flexibel zu reagieren, etwa wenn sich die Pandemie wegen einer neuen Virusvariante erneut dramatisch zuspitzen sollte.

Dieses angepasste Landesimpfkonzept wirkt sich auch auf die Impfangebote in Mittelbaden aus, wie aus einer Pressemitteilung des Landratsamts Rastatt hervorgeht. Demnach ist im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden ab April bis voraussichtlich Ende September ebenfalls nur noch der Betrieb einer Impfstelle möglich. Der Impfbetrieb in den Impfambulanzen Bühl und Gaggenau wird deshalb Ende März eingestellt. Nach vier Monaten wird in Bühl am 25. März zum letzten Mal eine Impfung verabreicht, in Gaggenau erfolgt der letzte Piks am 26. März.

Kurzfristig auf Bedarf reagieren

Das Kreisimpfzentrum im ehemaligen Café an der Pagodenburg in Rastatt will der Landkreis als zentrale Impfstelle bis Ende September weiterbetreiben. „Dadurch sind wir in der Lage, der Bevölkerung weiterhin und bis in den Herbst hinein Impfungen anzubieten“, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts. Mit dem Kreisimpfzentrum in Rastatt habe man bereits im Februar eine zentrale Impfstelle in Betrieb genommen, „mit der wir flexibel auf sich verändernde Bedarfe reagieren können“, merkt Wedewart an. Denn wie sich die Nachfrage in den nächsten Wochen entwickle, lasse sich aktuell nicht belastbar prognostizieren. Durch vorausschauende Planung sei es aber möglich, den Betrieb bei Bedarf zu skalieren und – auch kurzfristig – auf schnell ansteigende Nachfragen zu reagieren. „Damit sehen wir uns für den Herbst im Hinblick auf steigende Bedarfe gut gerüstet“, betont Wedewart.

Tatsächlich könnte die Nachfrage nach dem Vakzin schon in den kommenden Wochen, in denen nach und nach immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine in der Region ankommen werden, wieder ansteigen. Denn: Die Impfquote in der Ukraine ist vergleichsweise niedrig. Nur rund 35 Prozent der Menschen sind zweimal geimpft, rund 1,7 Prozent dreimal. Das Land will deshalb allen Flüchtlingen aus der Ukraine ein Impfangebot machen. Bei Bedarf sollen dafür nochmals zusätzlich zehn mobile Einheiten eingesetzt werden, die dann an den Landeserstaufnahmestellen impfen.

„Den aus der Ukraine geflüchteten Menschen wird, sobald sie im Landkreis Rastatt ankommen und in einer Unterkunft aufgenommen worden sind, ein Impfangebot unterbreitet“, teilt Wedewart auf BT-Nachfrage mit. Einerseits könnten sich die Flüchtlinge im Kreisimpfzentrum in Rastatt impfen lassen. „Zudem planen wir, mit dem Mobilen Impfteam des Landkreises auch direkt vor Ort, also dort, wo die Menschen gemeinschaftlich untergebracht sind, niederschwellige Impfangebote zu machen“, fügt Wedewart hinzu. Einen weiteren wichtigen Aspekt stelle die zielgruppengerechte und muttersprachliche Impfaufklärung und Information zu Impfangeboten dar. Die Planungen dazu liefen bereits, so Wedewart weiter.

Angebote für ukrainische Flüchtlinge

Auch der Stadtkreis Baden-Baden reduziert seine Impfangebote, wie Stadtpressesprecher Roland Seiter gegenüber dem BT mitteilt. „Baden-Baden ist der Stadtkreis in Baden-Württemberg mit der höchsten Impfquote. Leider müssen auch wir feststellen, dass es nahezu bei dieser Impfquote insgesamt bleibt“, sagt er. Aktuell würden in den Impfstützpunkten lediglich zwischen 80 und 160 Impfungen pro Woche durchgeführt. Der Impfstützpunkt Blue Room wird deshalb am 25. März zum letzten Mal geöffnet sein, die Impfstützpunkte Shopping Cite und EurAka werden Mitte April schließen. „Der Stützpunkt Ärztlicher Bereitschaftsdienst am Klinikum Balg bleibt geöffnet, solange der Bedarf besteht“, so Seiter weiter.

Gleichzeitig sei auch der Stadtkreis bemüht, ukrainischen Kriegsflüchtlingen schnellstmöglich ein Impfangebot zu machen. „Sie erhalten auf Ukrainisch Informationen zur Wichtigkeit der Impfung. Auf Aushängen und Infoflyern im Bürgerbüro und der Aufenthaltsbehörde lässt sich ein QR-Code erfassen, der über einen Link direkt zur Anmeldung für Impftermine führt“, erklärt Seiter. Die Flüchtlinge könnten aber auch direkt bei der melderechtlichen Erfassung einen Impftermin buchen oder weitere Informationen erhalten. Außerdem werde es Impfaktionen in den Unterkünften vor Ort geben.


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