Impfarzt freut sich auf Stadthalle Gernsbach

Gernsbach (stj) – Die private Impfinitiative des Rastatter Krankenhausarztes Dietmar Paul kommt am Wochenende in die Stadthalle nach Gernsbach.

Erst-, Zweit- und Drittimpfungen sind bei der Impfaktion am 18. und 19. Dezember in der Stadthalle Gernsbach möglich. Foto: Friso Gentsch/dpa

© dpa

Erst-, Zweit- und Drittimpfungen sind bei der Impfaktion am 18. und 19. Dezember in der Stadthalle Gernsbach möglich. Foto: Friso Gentsch/dpa

Möglich gemacht hat dieses niederschwellige Angebot Gabi Kienzle aus Staufenberg. Die Gemeinderätin der Freien Bürgervereinigung hat sich nach einem BT-Bericht an Paul gewendet und ihn für das Aktionswochenende am 18. und 19. Dezember in der Papiermacherstadt gewinnen können.

„Ich habe eine Woche lang rumtelefoniert, ohne Erfolg. Dann habe ich per Zufall in der Zeitung über die Initiative von Dr. Paul gelesen“, erzählt Kienzle im BT-Gespräch. Also nahm sie den Hörer ein weiteres Mal in die Hand – und stieß gleich auf offene Ohren. „Ich fand das unglaublich toll – eine ordentliche Halle, definierte Zeit“, freut sich der Oberarzt auf die Aktion in der Stadthalle. Er kommt mit einem Team von insgesamt vier Impfärzten und bis zu 14 Helfern in die Badener Straße 1, um Murgtäler Bürgern den Pieks zu geben. Zu verdanken sei dies Gabi Kienzle, betont Dr. Paul, der den Fleiß der engagierten Gemeinderätin herausstellt.

Die Stadt Gernsbach stellt die Halle kostenlos zur Verfügung. Als Ansprechpartnerin für die Vorbereitungen fungiert Melanie Mußler vom Kulturamt, die Paul als „sehr umtriebig“ bezeichnet. Heute ist der Impfarzt, der normalerweise als Oberarzt in der Rastatter Notaufnahme arbeitet und nebenbei noch eine Privatpraxis betreibt, erstmals vor Ort, um die Örtlichkeit in Augenschein zu nehmen und letzte Details zu klären.

Wie in Dritte-Welt-Land, wo Brot verteilt wird

Es handelt sich um eine offene Impfaktion, bei der man sich am Samstag und Sonntag jeweils von 9 bis 14 Uhr (beziehungsweise solange der Vorrat an Impfdosen reicht) gegen Corona impfen lassen kann. Es werden sowohl Erst- als auch Zweit- und Boosterimpfungen verabreicht.

Dabei wird hauptsächlich der Impfstoff Moderna zum Einsatz kommen. Es gibt aber auch eine geringe Anzahl von Biontech-Dosen, die vor allem für etwaige Jugendliche vorgehalten werden, die ebenfalls zur Impfaktion kommen können. Impfstoff für Kinder bis zwölf Jahre stehe noch keiner zur Verfügung, informiert Paul weiter.

Eine Anmeldung zur Impfaktion in Gernsbach ist nicht erforderlich, mit Wartezeiten müsse daher gerechnet werden. Die Stadtverwaltung bittet darum, Ausweis und Impfpass mitzubringen sowie die ausgefüllten und unterzeichneten Formulare für die Einwilligung, Aufklärung und Anamnese. Diese können vorab auf der städtischen Internetseite (www.gernsbach.de) heruntergeladen werden. Gabi Kienzle weist noch darauf hin, dass unter den Wartenden Bänder verteilt werden, um sicher zu stellen, dass alle, die sich anstellen, letztlich auch versorgt werden können und nicht umsonst warten.

Impfofferte startet auf Aldi-Parkplatz

Aus eigenem Antrieb heraus hatte Dr. Paul Ende Oktober seine Impfofferte gestartet – auf dem Aldi-Parkplatz in der Lützowerstraße in Rastatt. Trotz der bescheidenen Bedingungen in einem Zelt standen dort – selbst bei Winterwetter – regelmäßig zig Impfwillige für den Pieks Schlange. „Es hat mich beeindruckt, dass so viele Menschen da standen“, blickt der Arzt zurück: „Ich habe mich gefühlt wie in einem Dritte-Welt-Land, wo Brot verteilt wird. Das hat mich sehr berührt.“ Anfangs seien es täglich circa 150 gewesen, zuletzt habe sich das Interesse bei rund 50 Menschen pro Tag eingependelt. Inzwischen hat Paul seine Impfofferte in Rastatt auf das Areal der Kfz-Prüfstelle GTÜ (Gesellschaft für technische Überwachung) in der Karlsruher Straße verlagert. Wie sich seine Initiative weiter entwickelt, könne der Arzt aktuell nicht sagen. Er denkt über eine mobile Impfbox nach, will sein Engagement im Kampf gegen die Pandemie auf jeden Fall weiterführen.

„Ich habe mich noch nie so jung gefühlt“, schmunzelt der 56-jährige Vater zweier jugendlicher Kinder. Er ist auch froh über die Akzeptanz des Krankenhauses, das seine Impfaktionen toleriere. Diese machten ihm auch Spaß, wie er betont. Besonders, wenn er solch gute Bedingungen vorfinde wie am Samstag und Sonntag in der Gernsbacher Stadthalle.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.