Impferfolg befeuert Spritpreise

Karlsruhe (fk) – Autofahrer müssen beim Tanken wieder tiefer in die Tasche greifen: Rohöl ist wieder so teuer wie vor der Coronakrise. An der Zapfsäule macht sich zudem die CO2-Abgabe bemerkbar.

Mehr als vor der Coronakrise muss mittlerweile an den Zapfsäulen berappt werden. Foto: Frank Vetter/BT

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Mehr als vor der Coronakrise muss mittlerweile an den Zapfsäulen berappt werden. Foto: Frank Vetter/BT

Knapp 55 Euro je Barrel (159 Liter) kostete Rohöl auf dem internationalen Markt Ende Januar, Anfang Februar 2020 – kurz vor der Coronakrise. Durchschnittlich 1,38 Euro mussten Autofahrer damals laut ADAC für den Liter Super E10 an den Zapfsäulen bundesweit berappen. Heute kostet Rohöl, nach einem coronabedingten Einbruch, in etwa wieder das Gleiche – der Sprit ist aber deutlich teurer. Bleibt die Frage: Woran liegt das?

Und wieso hat die heutige Coronawelle keinen so starken Einfluss auf den Spritpreis, wie die erste 2020, obwohl doch die Pandemielage und die mit ihr einhergehenden Beschränkungen nahezu dieselben sind?

Letzteres hängt, wie der ADAC auf BT-Anfrage erläutert, maßgeblich mit dem Börsenhandel und der anfänglichen großen Unsicherheit in der Coronakrise Anfang 2020 zusammen. Der Ölpreis stürzte zeitweise auf 20 Dollar ab und mit ihm gingen die Kraftstoffpreise nach unten. So kostete der Liter E10 in Baden-Baden am Abend des 18. März 2020 gerade mal noch 1,08 Euro, Diesel sogar nur knapp einen Euro pro Liter. „Es war nicht abzusehen, wie lange der Zustand dauern wird oder wie sich die Lage entwickelt. Die Nachfrage nach Kraftstoff war stark rückläufig. Flug- und Reiseverkehr, öffentlicher Verkehr und die private Mobilität waren im März 2020 stärker betroffen als in den späteren Lockdowns“, sagt Alexa Sinz, Pressechefin des ADAC-Nordbaden.

Wirtschaftsprognosen treiben Ölpreis

Heute seien die Lockdown-Regelungen zwar ähnlich, jedoch wirke sich weltweit „vor dem Hintergrund der Impfungen und der Konjunkturpakete die positive Prognose für ein Wirtschaftswachstum und damit eine erhöhte Nachfrage nach Rohöl auf eine Steigerung des Rohölpreises aus. Dadurch steigen auch wieder die Kraftstoffpreise an“, so Sinz.

Der deutliche Unterschied in Sachen Spritpreis im Vergleich vom Ende des vergangenen Jahres (November: E10 im Schnitt 1,20 Euro) mit heute (E10 1,48 Euro im Schnitt) ergibt sich laut ADAC zudem durch die Rücknahme der coronabedingten Mehrwertsteuersenkung und durch die Einführung der CO2-Bepreisung zum Jahreswechsel, die den Liter Super-Benzin um mindestens sieben Cent teurer gemacht hat und Diesel um acht Cent. Zudem lag der Rohölpreis im November noch knapp zehn Euro pro Barrel tiefer. Außerdem, so Sinz, spiele auch die Stärke des Euro im Vergleich zum Dollar eine Rolle für die Spritpreise. Ist der Euro stark, ist Rohöl für uns billiger“, so Sinz. Denn Rohöl wird auf den internationalen Märkten in Dollar gehandelt.

Die CO2-Bepreisung ist darüber hinaus auch maßgeblich für den anfangs beschriebenen Preissprung zwischen Februar 2020 (1,38 für E10) und heute (1,49 für E10) verantwortlich.

Wie sich der Rohölpreis und somit die Kosten für eine Tankfüllung weiter entwickeln, ist indes den Experten des ADAC zufolge nur schwer festzumachen. „Viele Faktoren beeinflussen den Ölpreis stärker als Angebot und Nachfrage: die Fördermengen, Auseinandersetzungen mit oder zwischen ölfördernden Staaten, Wirtschaftswachstum, Naturkatastrophen und strategische Ölreserven“, heißt es aus der ADAC-Pressestelle gegenüber dem BT.

Sparen könnten die Autofahrer an den Tankstellen allerdings trotzdem. Der ADAC rät: Einerseits die Preise vergleichen und die Tageszeit im Blick behalten – denn zwischen den verschiedenen Preissprüngen liegen schon mal 15 Cent. Am günstigsten sei die Tankfüllung zwischen 18 und 22 Uhr.

ADAC rät: Gezielt tanken

Die mit Abstand teuerste Zeit zum Tanken im 24-Stunden-Verlauf sei zwischen 5 und 8 Uhr. „Wer gezielt die günstigen Zeiten nutzt und gezielt die günstigen Stationen wählt, sorgt indirekt dafür, dass die Konkurrenz nachziehen muss und die Preise damit nach unten gezogen werden“, so die Pressestelle.

Ein weiterer Punkt sei die Art des Benzins: „Viele Autofahrer tanken nach wie vor Super E5, obwohl ihr Fahrzeug vom Hersteller für E10 freigegeben wurde. Mit E10 spart man pro Liter sechs Cent und trägt gleichzeitig dazu bei, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren. Mit einer vorausschauenden und optimierten Fahrweise lässt sich außerdem der Verbrauch um bis zu zwanzig Prozent reduzieren. Beispielsweise rechtzeitig hochschalten, bei niedrigen Drehzahlen fahren und frühzeitig vom Gas gehen, statt abrupt abzubremsen.“ Auch auf Dachboxen sollte man lieber verzichten. Sie steigerten den Verbrauch bei 130 Kilometern pro Stunde um bis zu 20 Prozent.

Ihr Autor

BT-Redakteur Florian Krekel

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Erstellt:
8. April 2021, 08:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 05sec

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