Impfquote im Land steigt nur sehr langsam

Von BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart (bjhw) – Nur wenige Baden-Württemberger entscheiden sich jetzt noch für eine Corona-Erstimpfung. Das Gesundheitsministerium setzt deshalb auf Aufklärungskampagnen – und Novavax.

Impfquote im Land steigt nur sehr langsam

Deutliches Interesse: Der Impfstoff Novavax soll auch Menschen erreichen, die bisher skeptisch gegenüber Impfungen sind. Foto: Alastair Grant/AP/dpa/Archiv

Um magere 0,1 Prozent steigt gegenwärtig die Corona-Erstimpfquote in Baden-Württemberg, nicht täglich, sondern pro Woche. 0,4 Prozent sind es bei der Zweitimpfung und – für viele Fachleute überraschend – auch für die Boosterimpfungen nur 0,8. Das Sozialministerium versucht mit direkter Ansprache verschiedener Gruppe, das Interesse neu anzustoßen.

Lehrkräfte und Eltern von Waldorfschulen wurden noch einmal über alle Möglichkeiten informiert, Veranstaltungen mit Vertretern der türkischen und der kurdischen Gemeinden sind terminiert und Flüchtlingsbetreuer geschult.

Außerdem erwartet das Land eine halbe Million Dosen des Novavax-Impfstoffes. Die ersten Lieferungen werden ab Montag erwartet und dann über die Stadt- und Landkreise verteilt.

Wie stehen die Chancen, die Impfbereitschaft noch einmal anzukurbeln?Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) setzt gegenwärtig vor allem auf Pflegeheime und Kliniken, zumal aus vielen Einrichtungen bekannt ist, dass impfskeptische Mitarbeiter in persönlichen und auf die jeweiligen Zweifel eingehenden Gesprächen sehr wohl noch zu überzeugen sind. Bekannt ist auch, dass das Interesse an Novavax vergleichsweise groß ist. „Jedes Prozent zählt“, so Lucha nach der Expertenanhörung vom vergangenen Montag, bei der Chefärzte mehrerer Kliniken erneut an die Landesregierung appellierten, weiter fürs Impfen zu werben. Noch immer finden mehrere Dutzend Aktionen pro Tag im ganzen Land statt, die meisten, ohne einen Termin vorbuchen zu müssen.

Dazu zählt auch das Kinderimpfen für Fünf- bis Elfjährige, wie am Samstag in der Karlsruher Alten Lackfabrik. Da die Impfquote der Kinder unter elf Jahren bei 13 Prozent liegt, sehen Fachleute hier erhebliches Potenzial. Informationsveranstaltungen für Eltern erfreuen sich laut Sozialministerium jedenfalls großen Zuspruchs.

Welche Impfquoten müssten erreicht werden, um die Pandemie in den Griff zu bekommen?Der Begriff der Herdenimmunität ist aus der Debatte weitgehend verschwunden, weil sie mit dem Auftreten der Omikron-Variante noch schwieriger zu erreichen ist. Das Robert-Koch-Institut hat im vergangenen Herbst unter dem Eindruck von Delta als Zielmarke für die Bevölkerung über 60 eine Impfquote von mindestens 90 Prozent ausgegeben. In Baden-Württemberg sind aktuell 87 Prozent doppelt geimpft und 75 Prozent geboostert.

Wie lange bleiben Impfstationen geöffnet?Fakt ist, dass die Nachfrage im Vergleich zum Dezember eingebrochen ist. Deshalb sind auch die Impfstationen und -einheiten auf gut 300, und damit auf die Hälfte, zurückgefahren worden. Diese Struktur will die Landesregierung auf jeden Fall bis Jahresende aufrecht erhalten, auch um nicht noch einmal massiv in die Kritik zu geraten wie im vergangenen Herbst, als der Bund die großen Impfzentren deutschlandweit geschlossen hatte.

Welche Hoffnungen sind mit Novavax verbunden?Immerhin ist das Interesse so groß, dass zum Beispiel das Klinikum Stuttgart bereits eine Warteliste mit mehreren hundert Anmeldungen führt. Zum Vergleich: Im ganzen Land lassen sich zur Zeit pro Tag rund 2.000 Menschen erstimpfen. Notwendig werden mit Novavax ebenfalls zwei Stiche. Gerade mit Blick auf die einrichtungsbezogene Impfpflicht wirbt Lucha mit dem Angebot, dass bereits die Erstimpfung vor Einschränkungen bewahrt, in letzter Konsequenz vor einem Betretungsverbot in Heimen und Kliniken für nicht immunisierte Beschäftigte. Vorrangig kommen jene zum Zuge, für die ab 15. März die einrichtungsbezogene Impfpflicht gilt. Außerdem werde auch „die niedergelassene Ärzteschaft bedarfsgerecht berücksichtigt“, so ein Ministeriumssprecher, „um zu gewährleisten, dass im regionalen Bereich ausreichend niederschwellige Angebote vorhanden sind“.