Impfstoffmangel bleibt zentrales Problem

Baden-Baden/Bühl (fk) – Die Kreisimpfzentren starten nicht wie vorgesehen am 15., sondern erst am 22 Januar. Und dann erst mal nur drei Tage pro Woche. Ein ausführlicher Überblick:

Weil nicht ausreichend Impfstoff vorhanden ist, werden die Kreisimpfzentren – hier im Baden-Badener Kurhaus – vorerst nur am Wochenende und freitags öffnen. Foto: Sarah Gallenberger

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Weil nicht ausreichend Impfstoff vorhanden ist, werden die Kreisimpfzentren – hier im Baden-Badener Kurhaus – vorerst nur am Wochenende und freitags öffnen. Foto: Sarah Gallenberger

Erst am Donnerstag verkündete Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) die Nachricht, dass die Kreisimpfzentren (KIZ) im Land – darunter Baden-Baden und Bühl – ihren Betrieb eine Woche später als geplant am 22. Januar aufnehmen. Am Freitag dann präzisierten die Spitzen des Stadtkreises Baden-Baden und des Landkreises Rastatt diese Information. Aufgrund von Impfstoffmangel werden die KIZ nämlich vorerst nur am Wochenende und freitags öffnen, die Zahl der verfügbaren Termine ist entsprechend knapp. Ein Überblick:
Kreisimpfzentren: Die KIZ – in Mittelbaden sind sie im Baden-Badener Kurhaus und in der Schwarzwaldhalle Bühl – beginnen mit den Impfungen am Freitag, 22. Januar, um 13 Uhr. Sie haben in der Folge dann bis 18 Uhr geöffnet, ebenso am Samstag, 23. und Sonntag, 24. Januar. Das gleiche Prozedere gilt an den zwei darauffolgenden Wochenenden. Auch hier wird jeweils freitags, samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr geimpft.

Diese Termine sind den Worten von Sébastien Oser vom Rastatter Landratsamt zufolge bewusst gewählt. Aufgrund der knappen Menge an Impfstoff ist ein durchgehender Betrieb nicht sinnvoll. Denn vom neu zugelassenen Moderna-Impfstoff bekommen die KIZ laut Oser zunächst nichts. „Wir haben uns daher bewusst für einen Wochentag und die Wochenenden entschieden, weil wir davon ausgehen, dass ältere Personen an diesen Tagen leichter von Familienmitgliedern unterstützt werden können, etwa bei der Fahrt zum KIZ.“ Und hauptsächlich dieser ältere Teil der Bevölkerung steht ja vorerst im Fokus. Geimpft werden aktuell zunächst ausschließlich Menschen über 80 sowie besonders gefährdete Gruppen – etwa Krankenhauspersonal und ambulante Pflegekräfte.

Impftermine: Die Terminvergabe für die Impfungen erfolgt nur im Internet unter www.impfterminservice.de/ impftermine oder telefonisch über die zentrale Nummer 116117, bei der mitunter allerdings mit beträchtlichen Wartezeiten zu rechnen ist. Noch können allerdings keine Termine für die KIZ vergeben werden, betonen die Behörden. „Das ist frühestens ab dem 18. Januar, möglicherweise auch erst ab dem 19. Januar möglich“, betonte schon am Donnerstag Landkreissprecher Michael Janke. Oser untermauerte das am Freitag. Er mahnte Geduld an und riet, die zentrale Nummer aktuell nicht zur Anfrage für Impftermine anzurufen. „Das macht keinen Sinn, es gibt noch keine Termine.“ Gleichzeitig hob er wie auch Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen und der Erste Landesbeamte Jörg Peter für den Kreis Rastatt hervor, dass eine Terminvergabe nur über die angegebenen zwei Wege (online und Telefon) möglich ist.

Noch viele Probleme bei Anmeldung

Allen sei aber bewusst, so Peter, dass es sowohl bei der Hotline als auch der Internetadresse noch Probleme mit Wartezeiten und technischer Natur gebe. Deshalb sei der Unmut besonders von älteren Menschen durchaus verständlich. „Da müssen Bund und Länder noch nachsteuern und wir hoffen, dass sie das bis zum 22. Januar tun“, sagte Peter.

Bereits vereinbarte Termine in den zentralen, überregionalen Impfzentren (ZIZ) wie Karlsruhe und Offenburg behalten ihre Gültigkeit. Die ZIZ werden auch den neuen Moderna-Impfstoff erhalten und dementsprechend so weit wie möglich weiterimpfen, hieß es am Freitag von Behördenseite.

Mobile Impfteams: Die von den ZIZ betriebenen mobilen Impfteams werden weiter unterwegs sein. Allerdings nur – das machen sowohl das Land als auch untergeordnete Behörden klar – in Pflege- oder Seniorenheimen und ähnlichen stationären Einrichtungen. Menschen, die von Angehörigen zuhause gepflegt werden, werden nicht von den mobilen Impfteams versorgt – auch nicht nach dem 22. Januar, wenn mobile Teams von den KIZ unterwegs sein werden. So lauten die Vorgaben des Bundesimpfkonzeptes. Peter kritisierte das am Freitag ausdrücklich: Allein im Landkreis Rastatt seien 1400 Bürger über 90 Jahre alt, und noch weit mehr über 80 Jahre. „Viele gerade aus der Gruppe der Ältesten werden zuhause betreut. Vielen dieser Menschen muss man bei der Wahrnehmung der Impftermine assistieren. Da passen die Vorgaben von Bund und Land nicht“, so Peter. Bund und Land müssten deshalb nachbessern. „Und wenn die das nicht tun, müssen wir das machen.“ Gespräche auch mit Hilfsorganisationen stünden bevor.

Sozialministerium bleibt bei seiner Linie

Das baden-württembergische Sozialministerium betont indes weiter, zunächst die Hochbetagten in den Alten- und Pflegeheimen zu impfen. Für alle anderen stehen die Impfzentren bereit, teilte ein Sprecher des Ministeriums laut der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Fahrt dorthin gelte es privat zu organisieren, finanzielle Unterstützung etwa durch Taxigutscheine gibt es nicht. Ein Sprecher verwies demnach darauf, dass Menschen zu Hause einem geringeren Infektionsrisiko ausgesetzt seien, da sie weniger Kontakte mit unterschiedlichen Menschen hätten als etwa in einem Pflegeheim. Zudem sei bei der Frage des Impfens zu Hause der Impfstoff ein Problem, da er, sobald er für die Impfung vorbereitet sei, also abgetaut und verdünnt, nicht mehr transportiert werden könne.


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