Impftermin in Praxen: Eine Glückssache

Rastatt (ema) – Wer den politischen Impfappell beherzigen will und auf einen schützenden Pieks in der Hausarztpraxis hofft, muss sich zurzeit darauf gefasst machen, erst mal leer auszugehen.

Impfung beim Hausarzt: Der gute Wille allein reicht nicht. Foto: dpa

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Impfung beim Hausarzt: Der gute Wille allein reicht nicht. Foto: dpa

Diese Erfahrung hat eine BT-Leserin gemacht, die bei ihrem angestammten Hausarzt auf der Hardt um einen Dritt-Impfungs-Termin bat. Die Auskunft: Bis in den Januar hinein gebe es keine Termine. Begründung: Der Impfstoff sei rationiert und man wisse nicht, mit viel Dosen man in den nächsten Wochen rechnen könne, wurde die Patientin beschieden – verbunden mit der Empfehlung, es doch bei einer der Massenimpfungen zu versuchen.

Dr. Jürgen Schönit, Vorsitzender der Ärzteschaft Rastatt, wundert sich nicht über diesen Fall. Am eigenen Leib muss er zurzeit erfahren, wie die vermeintliche Impfoffensive ins Leere läuft. Vor zwei Wochen habe er mitgeteilt bekommen, dass er mit 30 Impfdosen pro Woche und Arzt kalkulieren könne, berichtet Schönit. Das Problem: Allein in der vergangenen Woche hatte er schon mit 100 Terminen geplant. „Das ist ein Unding. So kann man doch nicht arbeiten“, ärgert sich der Mediziner über das „Chaos“.

Mitarbeiter „händeringend“ gesucht

Für Schönit und sein Team ist das deswegen auch misslich, weil die Praxis sich quasi in den „Pandemie-Modus“ begeben habe. Das heißt: Vorrang haben Behandlungen in Zusammenhang mit dem Corona-Virus. Alle, was nicht akut ist, versuche man ins kommende Jahr zu verschieben.

Diese Schwerpunktsetzung praktiziert nicht jede Praxis, weiß Schönit. Es gebe eben Kollegen, die würden Tests und Impfungen zurückfahren oder ganz darauf verzichten, um für übliche Behandlungen gerüstet zu sein – schwierig genug unter Pandemiebedingungen. Schließlich schlägt ja gerade im Winter das Krankheitsbarometer stärker aus sonst.

Dass die Praxen hart am Limit arbeiten, führt der Sprecher der Rastatter Ärzteschaft aber auch auf den Personalmangel zurück. Viele Kollegen würden „händeringend“ Mitarbeiter suchen, weiß Schönit, in desen Praxis ebenfalls zwei Stellen unbesetzt sind. Erschwerend kommen Krankheitsausfälle hinzu. Das schlägt um so mehr beim Impfen durch. Denn bei der Knappheit an Dosen muss viel bei der Terminierung jongliert werden. Und der Beratungsbedarf ist ohnehin gestiegen, seitdem der Gesundheitsminister mit Äußerungen zur Verwendung von Biontech und Moderna große Verunsicherung ausgelöst habe. Wie da das politische Ziel, bis Weihnachten 30 Millionen Impfungen zu ermöglichen, zu schaffen sein soll, ist dem Arzt schleierhaft.

Besagte BT-Leserin hat übrigens mittlerweile ihre Booster-Impfung hinter sich. Bei einer anderen Praxis ließ sie sich zunächst auf die Warteliste mit einem Termin Anfang März setzen. Um kurz darauf einen überraschenden Anruf zu erhalten, dass jemand abgesagt habe und sie sich kurzfristig den Pieks holen könne.


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