Impfung zu Hause noch in weiter Ferne

Baden-Baden (hös) – In den mittelbadischen Impfzentren wird nun geimpft. Wer nicht dorthin kommen kann – zum Beispiel gebrechliche Senioren – wird aber wohl noch etwas auf die Impfung warten müssen.

Senioren, die in Heimen wohnen, werden bereits geimpft. Wer zu Hause lebt und nicht mobil ist, wird wohl erst in einigen Monaten die Impfung erhalten können. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

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Senioren, die in Heimen wohnen, werden bereits geimpft. Wer zu Hause lebt und nicht mobil ist, wird wohl erst in einigen Monaten die Impfung erhalten können. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Bei der Corona-Hotline des Landesgesundheitsamts (LGA) in Stuttgart bekommen Angehörige, die ein mobiles Impfteam anfordern wollen, eine klare Absage: Impfen zu Hause geht derzeit – und wohl auch auf Monate hinaus – nicht: „Das kann leider noch lange dauern“, heißt es dort. Zunächst wird der knappe Impfstoff nur in Pflegeheimen und den KIZ verabreicht, wie Landkreissprecher Michael Janke auf BT-Anfrage bestätigt: „Wir sind da an die Vorgaben des Landes gebunden. Und auch logistisch ist das leider nicht anders zu leisten.“

Denn das mobile Impfen ist derzeit sehr schwierig. Hauptgrund dafür ist die Beschaffenheit der beiden verfügbaren Vakzine der Firmen Biontech und Moderna. Diese müssen extrem gekühlt werden. Nach dem Erwärmen werden aus einer Impfstoff-Einheit fünf bis sechs Impfstoff-Dosen gezogen, die dann zügig verabreicht werden müssen. Diese in kurzer Zeit, solange der Impfstoff qualitativ unverändert bleibt, zu verimpfen, ist schwierig, wenn beispielsweise verschiedene Haushalte angefahren werden müssten.

„Auch innerhalb der berechtigen Gruppe muss priorisiert werden“

Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts gibt es circa 4,1 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland. Rund 3,3 Millionen von ihnen leben laut den Statistikern zu Hause und nicht in Heimen – und fallen durch das Raster, sofern sie nicht in der Lage sind, ins KIZ zu kommen.

Wann sie geimpft werden? „Das wird wohl erst im Frühjahr oder Sommer möglich sein“, erklärt ein Sprecher des Landesgesundheitsministeriums auf BT-Nachfrage. Selbstverständlich wolle man alle, die sich impfen lassen möchten, bedienen. „Aber da der Impfstoff knapp und nur schwer zu kühlen ist, muss auch in der berechtigten Gruppe priorisiert werden“, bedauert der Sprecher. Und da habe man festgelegt, dass die Hochbetagten in Heimen zuerst geimpft werden – weil sie mehr Kontakte und damit Ansteckungsrisiken haben und es mit den sensiblen Vakzinen dort funktioniert. Er hofft, dass sich aber im mobilen Bereich zügig etwas tut: „Die Indizien dafür, dass wir bald Impfstoffe haben, die nicht so aufwendig gekühlt werden müssen, sind gut.“

Impfzentren sind auf hilfsbedürftige Patienten vorbereitet

Geplant ist bislang, dass die Arbeit in den KIZ bis Ende Juni auslaufen und die Impfungen dann in die Regelversorgung übergehen sollen. Das heißt: Hausärzte übernehmen die Aufgabe und impfen beispielsweise ihre pflegebedürftigen Patienten zu Hause. Die Frage, wie sie dann die Impfstoffe in ihren Praxen lagern beziehungsweise zeitnah an mehrere Patienten verimpfen, ist noch ungeklärt. Auch dies wird daher wohl nur möglich sein, wenn stabilere Vakzine zur Verfügung stehen.

Bis das so weit ist, müssen die Betroffenen und ihre Angehörigen Wege finden, die impfwilligen Pflegebedürftigen in die Zentren zu bringen. Diese sind, wie der Behördensprecher betont, alle barrierefrei – also beispielsweise mit Rollstühlen erreichbar. Vor Ort stünden auch Rollstühle zur Verfügung sowie Personal, das Hilfsbedürftigen zur Seite stehe. Bei sehr gebrechlichen Patienten muss allerdings zudem berücksichtigt werden, dass auch das Prozedere im Impfzentrum selbst Zeit und Kraft beansprucht. Es gibt neben dem Impfen ein Beratungsgespräch sowie im Anschluss eine längere Wartezeit, um sicherzustellen, dass die Impfung vertragen wird.

Fahrtkosten werden künftig ersetzt

Eine positive Nachricht aus dem Ministerium hat der Sprecher noch: Just am gestrigen Donnerstag schloss das Land eine Vereinbarung mit den Krankenkassen, dass Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Fahrten zur Impfung (zum Beispiel mit dem Taxi) ersetzt bekommen sollen. Wer beispielsweise Beeinträchtigungen im Bereich der Pflegegrade drei bis fünf aufweist oder schon jetzt Fahrten zum Arzt ersetzt bekommt, kann bei der Fahrt ins KIZ ebenfalls mit Kostenersatz rechnen.

Alle anderen müssen auf das Frühjahr oder den Sommer hoffen und warten – eine lange Zeit für hochbetagte und gebrechliche Senioren inmitten einer Pandemie.


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