Impfzentren: Sieben Tage die Woche, 14 Stunden am Tag

Rastatt (fk) – Der Stadtkreis Baden-Baden und der Landkreis Rastatt haben einen Überblick zu Fragen rund um die Impfzentren in Mittelbaden gegeben. Die Corona-Lage bleibt indes weiter diffus.

Soll wie auch das Impfzentrum im Baden-Badener Kurhaus eine Kapazität von 60 Impfungen pro Stunde ermöglichen: Die Schwarzwaldhalle in Bühl. Foto: Bernhard Margull/BT

© bema

Soll wie auch das Impfzentrum im Baden-Badener Kurhaus eine Kapazität von 60 Impfungen pro Stunde ermöglichen: Die Schwarzwaldhalle in Bühl. Foto: Bernhard Margull/BT

Die bevorstehenden Impfungen gelten weithin als entscheidende Waffe im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Und das auch zurecht, da sind sich die Verantwortlichen von Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden einig. Doch bevor diese Waffe zünden kann, bleibt noch einiges zu tun – und vor allem müssen noch diverse Fragezeichen beseitigt werden. Die Corona-Lage in Mittelbaden ist indes nahezu unverändert.

Wann und wo können sich die Mittelbadener impfen lassen?

Impfzentren sind – das ist bereits bekannt – das Kurhaus in Baden-Baden und die Schwarzwaldhalle in Bühl. Im Murgtal gibt es kein Impfzentrum. Allerdings bedeutet das nicht, dass alle Personen aus dem Landkreis Rastatt, die sich impfen lassen wollen, nach Bühl müssen. „Es gibt keine Residenzpflicht. Wer in Baden-Baden wohnt, aber in Offenburg arbeitet, kann sich auch dort impfen lassen, die Murgtäler können also auch zum Impfzentrum im Kurhaus in Baden-Baden“, machte der Erste Landesbeamte des Landkreises Rastatt, Jörg Peter, deutlich. Beide Impfzentren nehmen ihre Arbeit am 15. Januar auf und haben sieben Tage die Woche zwischen 7 und 21 Uhr geöffnet. Zusätzlich soll es mobile Impfteams geben, etwa für Seniorenheime.

Anmeldung nur über Hotline

Wer entscheidet, wer sich Impfen lassen kann, und wie funktioniert die Anmeldung?

Die Anmeldung funktioniert nur telefonisch über die bundeseinheitliche Nummer 116117. Aktuell werde zudem, so erklärte Peter unisono mit Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen, zusätzlich an einer App zur Terminvergabe gearbeitet. Eine Anmeldung über den Hausarzt oder über die Gesundheitsämter ist nicht möglich. Bei der Anmeldung werden dann bestimmte Eckdaten abgefragt, die eine Zuteilung in eine Impfkategorie ermöglichen sollen. Wie genau das aussehen soll, ist allerdings noch Gegenstand der Beratungen von Bund und Ländern. Nach einem Rahmen, den der Bundestag in einem Gesetz abgesteckt hat, legte die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut (RKI) einen Entwurf für eine genauere Empfehlung vor. Länder und Experten können dann dazu wie berichtet noch Stellung nehmen. Als erste sollten demnach Ältere über 80, Pflegeheimbewohner und Personal mit höchstem Infektionsrisiko in Kliniken und Altenheimen bei den Impfungen zum Zug kommen.

Wie viele Menschen können sich täglich impfen lassen?

Die Impfzentren sollen eine Kapazität von 60 Impfungen pro Stunde erreichen. Das erklärte der für Baden-Baden zuständige Fachbereichsleiter Maximilian Lipp. Die so versorgten 60 Personen sollen in zwei Chargen à 30 Menschen durch den „Impfkreislauf“ geschleust werden. Der sieht Lipp zufolge in den mittelbadischen Impfzentren als ersten Schritt eine Registratur vor, gefolgt von einem 20-minütigen Erklärvideo, dann ein Einzelgespräch mit einem Mediziner, anschließend die Impfung und danach das Warten in einem extra Bereich, um eventuelle Fehler oder Nebenwirkungen gleich bemerken zu können. Zwischen den Stationen soll es Pufferzonen geben, um auch im Impfzentrum die Abstandsgebote einhalten zu können.

Wer betreibt die Impfzentren, wer trägt die Kosten?
Die logistische Verantwortung sowie der Betrieb liegt in der Obhut der jeweiligen Kreisbehörden. Das Land stellt die technische Infrastruktur sowie den Impfstoff. Die Kosten trägt Jörg Peter zufolge ebenfalls das Land. Soweit das Konzept, mit dem die Kreise aktuell planen. Denn noch ist der entsprechende Rahmenvertrag vonseiten des Landes noch nicht in Gänze fertig. Um am 15. Januar anfangen zu können, müsse man aber jetzt schon mit den Vorbereitungen loslegen, betonen alle Verantwortlichen unisono. „Wir müssen beispielsweise alle Turngeräte aus der Schwarzwaldhalle entfernen und Ausweichmöglichkeiten für den Schulsport suchen“, verdeutlichte Bühls Bürgermeister Wolfgang Jokerst.

Auch das Personal muss gefunden und bereitgestellt werden. Sébastien Oser, Amtsleiter beim Landratsamt Rastatt, beziffert die nötige Personenzahl pro Tag auf 100 Mitarbeiter für die Bereiche Reinigung, Security, Verwaltung und Medizin. Man stehe mit diversen Hilfsorganisationen, etwa dem THW, aber auch mit der Bundeswehr in Kontakt.

Besonders in der Sparte Medizin ist das aber nicht so einfach und aktuell noch mit einigen Fragezeichen versehen. Das medizinische Personal soll sich aus Pools von Krankenversicherungen (KV), Kassenärztlicher Vereinigung und der Landesärztekammer akquirieren. Einen genauen Verteilungsschlüssel und verlässliche Zahlen, wie viele Mediziner zur Verfügung stehen, gibt es aber noch nicht. „Wir müssen aber wohl definitiv auch auf Ärzte im Ruhestand zurückgreifen“, sagte Martin Holzapfel. Er ist der Pandemiebeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Immerhin hätten sich über die KV im Land schon knapp 2300 Ärzte gemeldet, so Holzapfel gestern.

Woher kommt das medizinische Personal?

Was bemängeln Stadt- und Landkreis an dem Konzept?

Peter und Mergen forderten gestern das Land auf, in Sachen Personalfindung im Hinblick auf die Medizin schnell eine Lösung vorzulegen und Ärzte zur Verfügung zu stellen. Aus dem lokalen Gesundheitsamt in Rastatt könne man keine Ärzte entbehren. Und auch im Hinblick auf die Auswahl der Impfzentren war zumindest aus Baden-Baden im Unterton etwas Verwunderung zu hören. Denn, so Mergen, auch das Kongresshaus hätte zur Verfügung gestanden, das Land wollte aber lieber das Kurhaus, da dies eine landeseigene Immobilie sei.

Wie ist das aktuelle Infektionsgeschehen in Mittelbaden zu bewerten?

„Wir sind noch kein Corona-Hotspot und können daher unsere Schulen und Kindergärten offenlassen: Deshalb müssen wir alle daran arbeiten, dass das auch so bleibt. Die Botschaft für Weihnachten lautet daher auch: Seien Sie vernünftig und verzichten Sie auf große Treffen. Benutzen Sie lieber das gute alte Telefon“, so Jörg Peter. Als Hotspot gilt ein Landkreis mittlerweile, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 200 liegt.

Dennoch, so mahnt der für das Gesundheitsamt verantwortliche Dezernent Stefan Biehl, seien die Neuinfektionen weiter auf hohem Niveau. In Relation zur Zahl der aus der Quarantäne Entlassenen gebe es immer noch 30 bis 40 Prozent mehr Neuinfektionen in Mittelbaden. Allerdings nehme die Zahl der Kontaktpersonen kontinuierlich ab, von fast zehn im September auf aktuell 4,6. Das mache Hoffnung.
Das Infektionsgeschehen sei aber weiter diffus. Aktuell (Stand Dienstag) seien 171 Schulkinder, 65 Kindergartenkinder, 15 Lehrer, 14 Erzieher, 68 Pflegeheimbewohner und 38 Pflegekräfte in Quarantäne, bilanzierte Biehl. Das Gesundheitsamt lasse zwischen 3500 und 5500 Coronatests pro Woche auswerten. Fünf Prozent davon seien positiv. Seit Beginn der Pandemie bedeutet das 87000 Tests. Im gleichen Zeitraum wurden 3943 Neuinfektionen festgestellt sowie 21000 Kontaktpersonen der engsten Kategorie I ermittelt. 68 Tote waren Stand Dienstag zu beklagen.

Wie sieht es im Klinikum Mittelbaden (KMB) aus?

Das KMB behandelt aktuell 25 Covid-Patienten stationär, drei auf der Intensivstation. Die Lage sei angespannt, aber kontrolliert, so der Medizinische Geschäftsführer Dr. Thomas Iber. Seit Oktober seien 156 Menschen stationär behandelt worden, in der ersten Welle waren es 152. Lediglich einmal habe man einen Patienten aus Kapazitätsgründen verlegen müssen, einmal habe man Patienten aus Karlsruhe übernommen. Der Regelbetrieb laufe indes ungehindert weiter. In den Pflegeheimen des KMB gab es während der gesamten zweiten Welle nur einen Verdachtsfall.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.